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Kuriose Tricks: Auf diese Steuertipps wären Sie nie gekommen

Außergewöhnliche Belastungen, Werbungskosten, Betriebsausgaben oder haushaltsnahe Dienstleistungen – Steuerzahler kennen meist die Begriffe, wissen aber nicht genau, was sie im Einzelnen darunter absetzen können.

Außergewöhnliche Belastungen, Werbungskosten, Betriebsausgaben oder haushaltsnahe Dienstleistungen – Steuerzahler kennen meist die Begriffe, wissen aber nicht genau, was sie im Einzelnen darunter absetzen können.

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Das deutsche Steuergesetz ist eines der kompliziertesten der Welt – kein Wunder, dass selbst viele Steuerprofis nicht alle absetzbaren Posten kennen. Wir haben sechsundzwanzig ungewöhnliche Tipps gesammelt, mit denen Steuerzahler sparen können.

Allergiematratze

Wenn die Krankenkassen die Erstattung oder Übernahme der Kosten nicht übernimmt, können chronisch Kranke die Ausgaben für ihre Allergiematratze sowie das Bettzeug für Allergiker unter Umständen als außergewöhnliche Belastungen in der Steuererklärung geltend machen. Den Nachweis muss man durch ein amtsärztliches oder vertrauensärztliches Gutachten erbringen. Ein Facharztgutachten oder gar eine ärztliche Empfehlung reichen nicht aus. Dies hat der Bundesfinanzhof entschieden (Az.: III B 178/06).

Auslandsfortbildung

Auslandsreisen zur beruflichen Fortbildung lassen sich in der Regel als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Voraussetzung: Das Unternehmen kommt nicht selbst für die Kosten auf. Darauf weist die Lohnsteuerhilfe Bayern hin. Das Finanzamt prüft allerdings genau, ob die Reise tatsächlich hauptsächlich beruflichen Charakter hatte. Teilnahmegebühren für einen Lehrgang im Ausland abzusetzen, ist dabei in der Regel kein Problem. Schwieriger wird es jedoch, auch die Fahrt- und Reisekosten geltend zu machen.

Soll eine Fortbildung mit einer privaten Reise verknüpft werden, ist eine Kostenaufteilung möglich. Nicht nur Teilnahmegebühren für berufsbezogene Kongresse und Seminare können geltend gemacht werden, sondern auch anteilig die Reisekosten nach dem Verhältnis der beruflich und privat genutzten Tage. Das ist aber nur möglich, wenn die beruflichen Anteile eine wesentliche Rolle spielen und direkt nachweisbar sind.

Die Reinigung der Arbeitskleidung kann von der Steuer abgesetzt werden.

Die Reinigung der Arbeitskleidung kann von der Steuer abgesetzt werden.

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Berufsbekleidung

Wer Berufsbekleidung bei der Arbeit tragen muss, kann die Reinigungskosten laut Bund der Steuerzahler absetzen. Dies gilt insbesondere in Berufen bzw. Branchen mit festen Kleidervorschriften. Dazu können Arbeitsschutzbekleidung oder Sachen mit Firmenemblem zählen – wie Arztkittel und weiße Kleidung für klassische Heilberufe. Auch die Sportsachen eines Sportlehrers oder Berufssportlers gelten als Berufskleidung, ebenso Handwerkeranzüge und Schutzkleidung wie Labormäntel oder Sicherheitskittel.

Die Reinigungskosten sind als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben in der Einkommensteuererklärung absetzbar. Es ist dabei egal, ob die Reinigung zu Hause oder in der Textilreinigung erfolgt. Im letzten Fall sollte auf dem Reinigungsbeleg am besten vermerkt werden, dass es sich um Berufsbekleidung handelt. Wer selbst wäscht, kann bestimmte Pauschalen abziehen. Bei Buntwäsche können in einem 2-Personen-Haushalt pro Kilogramm Wäsche 0,48 Euro angesetzt werden.

Eine Beerdigung ist teuer. Unter Umständen können die Kosten von der Steuer abgesetzt werden.

Eine Beerdigung ist teuer. Unter Umständen können die Kosten von der Steuer abgesetzt werden.

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Beerdigung

Hinterbliebene können Beerdigungskosten unter Umständen von der Steuer absetzen. Darauf weist die Steuerberaterkammer (SBK) Rheinland-Pfalz hin. Der Fiskus helfe, wenn das Erbe geringer sei als die Kosten für die Beerdigung, erklärt Kammerpräsident Edgar Wilk. Die Angehörigen sollten sich genau ansehen, was sie erben und welche Leistungen sie von Versicherungen, dem Arbeitgeber des Verstorbenen und Behörden erwarten können.

Sollten sie Schulden erben, mildere die Regelung die finanzielle Situation, denn der Fiskus wertet die Differenz zwischen dem geringen Erbe und den Beerdigungskosten als außergewöhnliche Belastung, erklärt die SBK. Dazu gehören auch die Kosten für die Grabstätte, den Grabstein und die Überführungskosten. Für die Kosten einer Beerdigung lege das Finanzamt aber eine Angemessenheitsgrenze von 7500 Euro fest, betont die SBK.

Duales Studium

Kosten, die bei einem dualen Studiengang entstehen, können als Werbungskosten steuermindernd abgesetzt werden. Fahrten zum Unternehmen zählen als Fahrten zur regelmäßigen Arbeitsstätte und können mit 30 Cent je Entfernungskilometer abgesetzt werden.

Alternativ könnten hier auch die tatsächlichen Kosten der öffentlichen Verkehrsmittel bis zu einem Maximalbetrag von 4500 Euro im Jahr geltend gemacht werden. Die Fahrten zur Hochschule hingegen werden nach Reisekostengrundsätzen in der Steuererklärung geltend gemacht, erklärt der Bund der Steuerzahler. Das heißt, es werden pro Kilometer 30 Cent abgerechnet oder die tatsächlichen Kosten ohne Begrenzung der Höhe nach. Auch Verpflegungsmehraufwendungen kann man absetzen.

Fitnessstudio

Beiträge für das Fitnessstudio können unter bestimmten Umständen steuerlich abgesetzt werden. Darauf macht der Lohnsteuerverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH) aufmerksam. Die Voraussetzung: Das Training muss zur Heilung oder Linderung einer Verletzung oder Krankheit beitragen. Außerdem muss es regelmäßig unter fachmännischer Aufsicht eines Arztes oder Heilpraktikers stattfinden.

Damit das Finanzamt die Aufwendungen als außergewöhnliche Belastung anerkennt, müssen Steuerpflichtige bei der Behörde ein amtsärztliches Attest einreichen. Dieses Dokument muss den gesundheitlichen Trainingsbezug sowie die Diagnose des Hausarztes bestätigen. Die Bescheinigung des Amtsarztes muss allerdings vorliegen, bevor der Steuerpflichtige einen Vertrag im Sportstudio abschließt.

Feier mit Kollegen

Arbeitnehmer, die ihren Ausstand vom Job mit den Kollegen feiern, können die Kosten dafür unter bestimmten Voraussetzungen als Werbungskosten absetzen. „Wichtig ist, aus welchem Anlass gefeiert wird“, informiert Constanze Grüning vom Bund der Steuerzahler. Ein Urteil des Finanzgerichts Münster vom 29. Mai 2015 liefert Indizien, worauf Arbeitnehmer achten sollten.

Klar ist: Um als Werbungskosten die Steuer zu mindern, müssen Aufwendungen im beruflichen Zusammenhang stehen. Das ist bei Feiern meist der Fall, wenn der Mitarbeiter in den Ruhestand geht oder den Arbeitgeber wechselt. Private Ausgaben werden hingegen nicht berücksichtigt. Dazu zählen eher Feiern wie Dienstjubiläen oder Geburtstage. Kriterien wie Zeit und Veranstaltungsort können einen Hinweis darauf geben, wann eine Feier beruflich oder privat ist. Findet die Veranstaltung während der Arbeitszeit und auf dem Betriebsgelände statt, liefert dies ein Argument für einen beruflichen Anlass.

Absatzen kann man die Kosten sogar dann, wenn Arbeitnehmer die Party mit einem privaten Anlass verbunden haben und sich unter den Gästen auch Verwandte, sowie Freunde befanden. Dann muss der Arbeitnehmer die entstandenen Aufwendungen aber entsprechend der verschiedenen Gruppen aufteilen. Beim Finanzamt darf er dann auch nur den Betrag angeben, den er für seine Gäste aus dem beruflichem Umfeld ausgegeben hat. Das entschied der Bundesfinanzhof Az.: VI R 46/14). Wichtig dabei sei, dass der als Werbungskosten abziehbare Betrag klar unterteilt werden kann.

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