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Handytarife: Darauf müssen Sie achten

Auf den richtigen Tarif kommt es an.

Auf den richtigen Tarif kommt es an.

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Sebastian Gollnow/dpa

In Zeiten von WhatsApp und anderen Messengerdiensten können Mobilfunkanbieter mit SMS-Tarifen kaum mehr Geld verdienen. Auch Telefonate lassen sich mittlerweile vielfach kostenlos mit dem Smartphone einfach über eine Internetverbindung führen. Für Nutzer bedeutet diese Entwicklung zwar einerseits, dass Flatrates und günstige Tarife für Anrufe und Kurznachrichten fast schon Standard sind, höhere Kosten aber lauern beim Datenvolumen für das mobile Internet.

Die unterschiedlichen Tarife variieren dabei immens bei den monatlichen Kosten. „Die Vielfalt der Tarife und Tarifoptionen auf dem Markt ist grundsätzlich zu begrüßen“, sagt Christine Steffen, Juristin bei der Verbraucherzentrale NRW. „Das kann jedoch dazu führen, dass Verbrauchern der Anbietervergleich erschwert wird. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die anfallenden Kosten, die oftmals monatlich gestaffelt sind.“

Smartphone separat kaufen: Die Tarife unterscheiden sich erst einmal darin, wie die laufenden Kosten finanziert werden: Ob per Prepaidkarte, Vertrag oder gekoppelt mit der Finanzierung des Smartphones. Wird beim Kauf eines neuen Smartphones gleichzeitig ein Vertrag  abgeschlossen, gibt es das Handy in der Regel zu einem geringeren Preis. Oftmals bereits für nur einen – symbolischen – Euro. Das Gerät wird dann monatlich finanziert, zusammen mit den laufenden Kosten. Doch ist das im Endeffekt wirklich günstiger, als das Gerät separat zu kaufen?

Nein, sagt Frithjof Jönsson, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale Berlin: „In der Regel zahlen Verbraucher drauf. Wenn das Smartphone günstig ist, sind häufig die Minutenpreise dementsprechend höher.“ Solche Mobilfunkverträge einschließlich Gerät bieten die Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica (02/E-Plus) sowie die Drittanbieter 1&1, Mobilcom-Debitel oder Sparhandy. Das Smartphone separat zu kaufen, komme nahezu immer günstiger als die Angebote der drei Netzbetreiber, so auch das Ergebnis eines Tarifvergleichs vom Verbraucherportal Finanztip. Die Originalverträge der Netzbetreiber seien generell teurer.

Es kommt auf die Preisklasse an: Je günstiger das Handy, desto mehr lohne es sich, dieses unabhängig von einem Vertrag zu kaufen. Beispielsweise ist nach der Rechnung von Finanztip ein Handy zum Verkaufspreis von 250 Euro um 38 Prozent günstiger, wenn es nicht mit dem Vertrag des Netzbetreibers finanziert werde. Handys ab 400 Euro sind dieser Rechnung nach immerhin noch ungefähr 24 Prozent günstiger.

„Etwas besser als die Originalangebote der Netzbetreiber sind Verträge mit Handy von Drittanbietern wie 1&1 oder Mobilcom-Debitel“, so das Urteil von Finanztip. Hier lohnen sich beispielsweise wieder Kombiangebote, zumindest bei teuren Handys über 400 Euro. In Einzelfällen können diese Kombi-Angebote gar bis 20 oder 30 Prozent günstiger sein im Vergleich zum Einzelkauf – dies trifft aber nur auf die obere Preiskategorie der Smartphones zu.  Bei Anschaffungskosten der Handys unter 400 Euro sind die monatlichen Raten zusammen mit den laufenden Kosten insgesamt höher, als wenn man Handy und Nutzung einzeln finanziert. Zusätzlich seien bei den Kombiverträgen nicht alle Handys aufgeführt, die auf dem Markt sind, sagt Jönsson. Die günstigeren Varianten kann man sich im Zweifel also ohnehin nur separat kaufen.

Schneller surfen: Diese Betrachtung bezieht sich aber nur den Kostenfaktor. Wer Wert auf ein schnelles Netz legt, der muss letztendlich mehr Geld investieren. Denn ein schnelles LTE-Netz gibt es derzeit nur direkt beim Netzbetreiber oder bei vielen Drittanbietern. Bei Discounterangeboten surft man auf langsameren Wellen. Ausgenommen hier ist das  O2-Netz, welches auch  LTE-Geschwindigkeit bereitstellt.

Doch generell gilt: Eine Internetflat gibt es in der Regel nicht, auch wenn Anbieter mit einer Flatrate für die gesamte Handynutzung werben. Nutzer können lediglich ein bestimmtes Datenvolumen kaufen, ist dieses aufgebraucht, sinkt die Surfgeschwindigkeit rapide. Danach kann man sich zwar zusätzliches Datenvolumen kaufen, das ist dann aber unverhältnismäßig teurer.

Rechtzeitig kündigen: Beim Prepaid-Vertrag hat man häufig eine bessere Kostenkontrolle. Es werden nur die Kosten abgebucht, die auch tatsächlich entstanden sind. Die klassische Laufzeit bei Verträgen beträgt 24 Monate, hier profitiert man von mehr Rabatten, ist aber an einen festen Preis für die Laufzeit gebunden – auch wenn man weniger telefoniert oder im Internet surft. „Nach Ablauf der Mindestlaufzeit zu kündigen, ist fast immer zu empfehlen“, rät Jönsson. „Nur dann ist man in der Position, sich uneingeschränkt auf dem Markt umgucken zu können, welche neuen Tarife und Handys es gibt.“ Preissprünge nach oben nach Ablauf der Mindestlaufzeit seien zudem nicht unüblich.

Mehr Transparenz: „Wir erleben immer wieder, dass die Kündigungsfristen und Laufzeiten nicht transparent dargestellt sind, die Kunden die Fristen verpassen und am Ende im Vertrag feststecken“, so Jönsson. Ein Wechsel soll künftig aber einfacher gehen.

Denn Mitte Juni werden nicht nur die Roaming-Gebühren in der EU abgeschafft. Zur gleichen Zeit tritt auch die sogenannte Telekommunikations-Transparenzverordnung in Kraft. Anbieter sind damit zu mehr Klarheit bei ihren Vertragsangeboten verpflichtet und müssen zusätzlich ein Produktinformationsblatt aushändigen.  „Dazu gehört auch, dass Anbieter beispielsweise bei den monatlichen Abrechnungen regelmäßig über Laufzeit und Kündigungsfrist informieren müssen“, sagt Jönsson. Juristin Steffen von der Verbraucherzentrale NRW pflichtet ihm bei: „Künftig werden Verbraucher auf einen Blick erkennen können, welche Entgelte in der vereinbarten Vertragslaufzeit anfallen. Die einheitliche Darstellung wird die Vergleichsmöglichkeiten der Nutzer stärken.“