Mehr als 10.000 Objekte (hier vergrößert dargestellt) umkreisen die Erde, wie die Computersimulation zeigt. Darunter sind ausrangierte Satelliten wie Rosat. Foto: ESA
Mehr als 10.000 Objekte (hier vergrößert dargestellt) umkreisen die Erde, wie die Computersimulation zeigt. Darunter sind ausrangierte Satelliten wie Rosat. Foto: ESA
Wo der ausgediente Röntgensatellit Rosat aufschlagen wird, ist noch ungewiss. Theoretisch können seine Trümmer auch Deutschland treffen.
Vor 21 Jahren brachte er die deutsche Röntgen-Astronomie weltweit in Führung. Jetzt torkelt der 2,4 Tonnen schwere Brocken unkontrolliert seinem Absturz entgegen. Frühestens am Freitag, spätestens am Montag, soll der deutsche Röntgensatellit Rosat – oder das, was von ihm nach dem feurigen Wiedereintritt in die Erdatmosphäre noch übrig ist – auf der Erde einschlagen.
In welchem Gebiet das sein wird, ist noch offen. Fest steht bislang nur, dass er zwischen 53 Grad nördlicher und südlicher Breite niedergehen wird. Das teilte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit. Im Idealfall treffen die Trümmer unbewohntes Gebiet oder landen im Meer. Theoretisch könnten aber auch Gebiete in der Mitte und im Süden Deutschlands von Trümmern getroffen werden, also auch das Rhein-Main-Gebiet. Außerhalb der Gefahrenzone liegen Hamburg, Schleswig-Holstein, das nördliche Niedersachsen oder Mecklenburg-Vorpommern. Präzise Angaben über das genaue Einschlagsgebiet können die Experten allerdings erst unmittelbar vor dem Absturz machen.
Mit Röntgenblick
Der deutsche Röntgensatellit Rosat startete am 1. Juni 1990 vom US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral ins All. Seine Mission war ursprünglich nur für 18 Monate konzipiert. Wegen des großen wissenschaftlichen Erfolgs wurde sie dann jedoch so lange wie möglich verlängert. Erst am 12. Februar 1999 wurde Rosat abgeschaltet. Seither besteht auch keine Verbindung mehr zum Kontrollzentrum.
„Bei Satelliten wie Rosat hängt viel von äußeren Umständen ab“, sagt DLR-Chef Jan Wörner. Beispielsweise könnten der Sonnenwind und Veränderungen in der Atmosphäre die Wiedereintritts-Zeit verändern. Wörner: „Wir müssen abwarten und beobachten.“
Der eigentliche Absturz des Satelliten beginnt in etwa 100 Kilometern Höhe beim Eintritt in die Erdatmosphäre mit knapp 28.000 Stundenkilometern. Rosat wird sich beim Wiedereintritt auf annähernd 1000 Grad Celsius aufheizen und in zahlreiche Teile zerbröseln.
Unsere Einblicke ins All: Die wichtigsten Teleskope
Das Teleskop soll 1608 von Hans Lipperhey erfunden worden sein - noch bevor Galileo Galilei es ein Jahr später zur Sternenbeobachtung einsetzte. Seitdem wurden die Spiegel der optischen Teleskope immer größer - und die Einblicke, die sie liefern, immer tiefer.
Foto: dpa
30 Jahre lang, nämlich von 1947 bis 1975, war das Hale-Teleskop im Palomar-Observatorium nahe San Diego das größte Fernrohr der Welt. Der Spiegel, hier im Bild, hatte einen Durchschnitt von fünf Metern.
Foto: Nasa
In Arizona, USA, steht das Large Binocular Telescope. Es lässt Blicke ins All gleich über zwei Spiegel zu, jeder mit einem Durchmesser von 8,4 Metern.
Foto: Nasa
Das Innenleben des Gran Telescopio Canarias auf der Kanareninsel La Palma ist riesig - alleine der Spiegel kommt auf 10,4 Meter im Durchmesser.
Foto: H. Raab (User:Vesta), Wikipedia
Der Spiegel des Southern African Large Telescope in Südafrika ist segmentiert - um Kosten zu sparen. Trotzdem erreicht er einen Durchmesser von etwa elf Metern. Nachteil der günstigen Bauweise: Das Teleskop ist in seinem Höhenwinkel festgezurrt - und damit in seiner Beweglichkeit beschränkt.
Foto: Mark J. Roe / Janusz Kałużny, Wikipedia
Auch das Hobby-Eberly-Teleskop in Texas ist im Höhenwinkel fixiert. Seine Besonderheit: die hohe Lichtsammelkraft. Diese reicht nämlich - trotz vergleichsweise geringem Spiegeldurchmesser - an die der weltweit größten Spiegelteleskope heran.
Foto: EricandHolli, Wikipedia
Mit Hilfe eines Radioteleskops in Arecibo (Puerto Rico) hören Forscher das All nach außerirdischen Signalen ab. Das Radioteleskop hat einen Durchmesser von 305 Metern. Bei der "Search for Extraterrestrial Intelligence" (SETI) kann jeder Computerbesitzer mithelfen, indem er Rechenleistung zur Verfügung stellt.
Foto: dpa
Blick auf das Observatorium der Europäischen Sternwarte (ESO) in den Chilenischen Anden. Hier steht das Very Large Telescope - das seinem Namen alle Ehre macht. Mit seinen insgesamt vier Spiegeln kann das Fernrohr auch das mittlere Infrarotspektrum ausleuchten.
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Ebenfalls auf dem chilenischen ESO-Observatorium wird das European Extremely Large Telescope geplant. Sein Hauptspiegel soll satte 42 Meter umfassen - und aus knapp 1000 Spiegelelementen zusammen gesetzt werden. Mit Bildern ist aber frühestens 2018 zu rechnen.
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Bis 2007 galten die beiden Keck-Teleskope auf dem hawaiianischen Vulkan Mauna Kea als die größten der Welt. Sie bieten gleich zwei Spiegel mit je einem Durchschnitt von zehn Metern. Die Keck-Teleskope sind Teil des Mauna-Kea-Observatoriums, das neben ihnen noch mit dem Subaru-Teleskop und dem IRTTF in den Himmel blickt.
Foto: REUTERS
Auch auf dem Mauna Kea soll ein neues, riesiges Teleskop entstehen - mit einem Spiegel-Durchschnitt von dreißig Metern. Hier ist es auf einer Illustration zu bestaunen.
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Die wichtigsten Eindrücke aus dem All liefert jedoch das Weltraumteleskop Hubble. Seit dem 24. April 1990 liefert es bereits Bilder von fernen Welten.
Foto: Nasa
Seit März 2009 sucht das Weltraumteleskop Kepler nach extrasolaren Planeten - vornehmlich nach solchen, die bewohnbar sind. Am 2. Februar 2011 wurde von der Nasa bekanntgegeben, dass 1235 Planetenkandidaten seit Missionsbeginn ermittelt wurden. Im Bild sind die letzten Startvorbereitungen am Weltraumteleskop Kepler dokumentiert.
Foto: Nasa
Das James Webb Space Telescope (JWST) wird frühestens 2018 an Bord einer Ariane5-Rakete ins All geschossen. Der Primärspiegel des Weltrauminfrarotteleskops hat einen Durchmesser von 6,5 Metern. Eine der Aufgaben des Teleskops: Es soll nach Licht von den ersten Sternen und Galaxien nach dem Urknall suchen.
Sie zeigen uns weit entferrnte Welten, geben uns Einblicke in fremde Galaxien und liefern uns Bilder aus der Tiefe des Alls: Teleskope. Sie sind quer über den Globus verteilt. Hier stellen wir die wichtigsten Standorte vor.
Die meisten kleineren Trümmer dürften den feurigen Abstieg nicht überleben und zu Asche zerfallen. Größere Brocken sollen etwa zehn Minuten nach Beginn des Absturzes mit einem Tempo von etwa 400 Stundenkilometern auf dem Erdboden oder dem Ozean aufschlagen. Dabei kann ein etwa 80 Kilometer breiter, unter der Satellitenbahn liegender Streifen getroffen werden.
Die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich von einem Bruchstück des Satelliten erwischt zu werden, ist allerdings sehr gering. Sie wurde vom DLR für Deutschland mit 1 zu 700.000 errechnet. Zum Vergleich: Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Zugunglück umzukommen, liegt bei 1 zu 500.000.
Inzwischen rechnet das DLR damit, dass immerhin rund 1,7 Tonnen Satellitentrümmer die Erde erreichen dürften – etwa Bauteile aus Glas und Keramik und eventuell auch sehr schwere Einzelstücke wie der extrem plan geschliffene Spiegel des 2,40 Meter langen Röntgenteleskops, der allein mehr als eine Tonne wiegt.
Er war bisher das Prunkstück des Satelliten und bereitet nun die größten Sorgen. Wegen der extrem kurzen Wellenlänge der Röntgenstrahlen kommt bei einem Röntgenteleskop der Ebenmäßigkeit des Spiegels die größte Bedeutung zu. Geräte vor Rosat hatten es auf eine sogenannte Mikrogenauigkeit von zwei Nanometern (Millionstel Millimeter) gebracht. Die Firma Carl Zeiss erreichte beim Rosat-Spiegel 0,3 Nanometer und baute damit den damals mit Abstand glattesten Spiegel der Welt.
Die Erfolge waren entsprechend. Rosat war konstruiert worden, um Sterne aufzuspüren, die im Röntgenbereich strahlen. Viele dieser Himmelskörper geben im sichtbaren Bereich gar kein Licht ab. Sie leuchten also nicht, und sind mit normalen, optischen Teleskopen auch gar nicht aufzuspüren. 800 dieser Röntgen-Quellen waren bekannt, als Rosat startete.
Beim Ende seiner Betriebszeit am 12. Februar 1999 hatte der Satellit diese Zahl auf annähernd 100.000 erhöht und damit entscheidend zu einer völlig neuen Himmelskarte im Röntgenbereich beigetragen. Ebenso hatte er erstmals Röntgenstrahlung von Kometen festgestellt, Galaxienhaufen und Supernovae-Überreste untersucht sowie Neutronensterne entdeckt.
Die Ergebnisse, die der Rosat-Satellit erbracht hat, sind inzwischen weltweit in mehr als 7000 wissenschaftlichen Publikationen dokumentiert und sollen nun ihrerseits in anderen Arbeiten bereits mehr als 100.000-mal zitiert worden sein. Rund 4000 Wissenschaftler aus 26 Nationen haben mit Rosat geforscht. Sie werden das Ende des Super-Satelliten wohl mit Spannung und Wehmut zugleich verfolgen.