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Rechtsextremismus: Bad Schandau fürchtet um seinen Ruf

Bad Schandau muss sich erneut mit rechtsextremen Übergriffen auseinandersetzen.

Bad Schandau muss sich erneut mit rechtsextremen Übergriffen auseinandersetzen.

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dpa

Es ist erst wenige Tage her, dass der Tourismusverband Sächsische Schweiz die Wähler in der Urlaubsregion zur Verteidigung der Demokratie aufforderte. „Wir stehen ja in dem Ruf, dass die NPD hier stark ist und die Wählerschaft auch nichtdemokratische Parteien wählt“, sagte Verbandsgeschäftsführer Tino Richter. „Und wir wissen, dass der Tourismus dadurch Schaden nimmt.“ Die NPD hatte in der Gegend an der tschechischen Grenze zuletzt stets über fünf Prozent geholt – und manchmal sogar zweistellige Ergebnisse.

Nun steht diese Sächsische Schweiz vor einem neuen Problem. Bereits am 7. September haben Unbekannte in Bad Schandau eine Gruppe Hamburger Gymnasiasten attackiert. Dass einer der Schüler schwere Gesichtsverletzungen davon trug, wurde erst am Montag bekannt. Zuvor war nur von leichten Verletzungen die Rede gewesen. Einige Schüler hätten sich über ein Verbot der Lehrer hinweggesetzt und die Jugendherberge verlassen, heißt es. Bei einem Volksfest im Ortsteil Ostrau stellten sich ihnen dann nachts offenbar mehrere Rechtsradikale in den Weg, verfolgten sie bis zur Jugendherberge und drangen in das Gebäude ein.

30 Prozent weniger Besucher

Der 15-Jährige Tim M., dessen Vater Chinese ist, war nicht unter den jugendlichen Ausflüglern. Er wurde durch den Lärm im Gebäude wach, stand auf und begegnete den Angreifern. Die schlugen mehrmals kräftig zu. Tim M. erlitt einen Kieferbruch und eine Fraktur des Augenhöhlenbodens. Er fühlt sich rückblickend an einen Bürgerkrieg erinnert. Vor dem Gebäude riefen die Rechtsradikalen Parolen wie: „NSDAP – wir vergessen nie!“ Die Polizei soll angeblich erst nach 30 Minuten am Tatort eingetroffen sein. Kritik wird aber auch am Verhalten der Lehrer laut. Die Mutter des Opfers sagte, es sei ihrem Sohn zunächst untersagt worden, mit ihr zu telefonieren. Die Lehrer hätten den Vorfall außerdem heruntergespielt und Tim M. geraten, sich genau zu überlegen, was er sage.

Das Operative Abwehrzentrum der Polizei zur Extremismusbekämpfung in Leipzig ermittelt. „Wir werden alles tun, um so schnell wie möglich für Aufklärung zu sorgen“, sagte eine Sprecherin. Unterdessen meldete die Polizei am Dienstag einen neuen Fall aus der Gegend. Hier wurde ein anderer 15-Jähriger ebenfalls bei einem Fest von einem Rechtsextremisten schwer verletzt.

Der Vorsitzende des Tourismusverbandes, der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus Brähmig, sagte der Berliner Zeitung: „In Sachsen wird lückenlos aufgeklärt und nichts unter den Teppich gekehrt.“ Der Vorfall könne der Sächsischen Schweiz wieder einen erheblichen Imageschaden zufügen. Und das in einer Zeit, in der als Folge des Hochwassers die Besucherzahlen um 30 Prozent zurückgegangen seien. Es passe dem Verband jedenfalls nicht ins Konzept, so Brähmig, „dass hier Leute ihren Unmut an Menschen auslassen“ und „in einer Bierlaune“ rechtsradikale Parolen riefen. Zugleich beklagte er eine Kampagne der Medien, die für Taten Einzelner die Region in Haftung nähmen.