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Rechtsterrorismus: NSU-Spur führt nach Schweden

Von wem bekam die Angeklagte Beate Zschäpe den Hinweis per Telefon?

Von wem bekam die Angeklagte Beate Zschäpe den Hinweis per Telefon?

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dpa

Für die Bundesanwaltschaft sind nach wie vor wesentliche Vorgänge, die zum Auffliegen der rechten Terrorgruppe NSU am 4. November 2011 führten, ungeklärt. So wissen die Ermittler bis heute nicht, auf welchem Weg Beate Zschäpe an diesem Tag vom Tod ihrer beiden Freunde Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos erfuhr. Durch eine neuerliche Auswertung von Funkzellendaten ist das Bundeskriminalamt jedoch auf eine rätselhafte Spur gestoßen, die nach Schweden führt.

Am Morgen des 4. November 2011, kurz nach 9 Uhr, hatten Böhnhardt und Mundlos eine Sparkasse in Eisenach überfallen. Nach der Tat versteckten sie sich mit ihrem Wohnmobil in einem Vorort von Eisenach. Als dort gegen 12 Uhr eine Polizeistreife auftauchte, ging das Wohnmobil nach wenigen Minuten in Flammen auf. Drei Stunden später brannte auch die Wohnung des Trios in der Zwickauer Frühlingsstraße, wofür bisher Zschäpe verantwortlich gemacht wird.

Aus dem Verlauf der von ihr am Computer angeschauten Internetseiten geht hervor, dass sie den ganzen Tag in Zwickau war und mindestens bis 14.28 Uhr – dem Zeitpunkt ihrer letzten Internetaktivität – arglos blieb, was das Schicksal ihrer Gefährten anbelangt. Erst danach hatte sie offenbar vom Tod der beiden erfahren und mit Fluchtvorbereitungen begonnen.

Rätsel um schwedische Handynummern

Aber auf welchem Weg erhielt sie diese Information? Das BKA glich dazu mögliche Kreuztreffer zwischen den Daten ab, die in den betreffenden Funkzellen von Eisenach und Zwickau angefallen waren. In der relevanten Zeit zwischen 9.30 Uhr und 15.30 Uhr ergab sich aus den gut dreieinhalb Millionen Datensätzen eine Schnittmenge von gerade mal 25 Nummern, die in beiden Funkzellenbeständen enthalten waren. Allerdings war in keinem Fall eine direkte Kommunikation zwischen diesen Nummern feststellbar. Das heißt, die Kommunikation ist in allen Fällen jeweils über Dritte außerhalb der untersuchten Funkzellen gelaufen.

Das BKA ging diesen Telefonnummern nach und befragte die Anschlussinhaber. In keinem Fall aber konnte eine Verbindung zum Trio festgestellt werden. Rätselhaft blieben nur zwei Nummern, deren Inhaber nicht festgestellt werden konnten – bei beiden Anschlüssen handelt es sich um schwedische Mobilfunknummern.

Beide Nummern telefonierten zwar nicht, wählten sich aber ins Internet ein. Die eine Nummer wird um 9.33 Uhr in der Eisenacher Funkzelle gespeichert, die auch den Zufluchtsort des Wohnmobils erfasst. Um diese Zeit dürften Mundlos und Böhnhardt auch dort eingetroffen sein. Eine Stunde lang bleibt diese Nummer dort im Internet.

Danach fährt der unbekannte Anschlussinhaber offenbar nach Zwickau. Denn dort taucht seine Handynummer um 12.26 Uhr in der Funkzelle auf, die die Frühlingsstraße in Zwickau abdeckt. In Zwickau ist das Handy bis 13.54 Uhr im Internet eingeloggt. Und noch eine zweite schwedische Mobilfunknummer ist an diesem Tag in der Funkzelle rund um die Frühlingsstraße aktiv. Der Inhaber dieser Nummer loggt sich dort zwischen 9.06 und 10.36 Uhr ins Internet ein.

Wer die Inhaber der beiden Mobilfunkanschlüsse sind, konnten die schwedischen Behörden nicht ermitteln. Beide Nummern sind nicht mehr erreichbar. Außerdem konnte für sie kein registrierter Nutzer ermittelt werden.

Nach Recherchen dieser Zeitung stammen beide Anschlüsse vermutlich vom Mobilfunkbetreiber Telenor, einem norwegischen Unternehmen, das in Schweden tätig ist. Die Nummern können dort ohne Registrierung gekauft werden oder sind bereits an Prepaid-Handys gekoppelt, deren Inhaber sich ebenfalls nicht anmelden müssen.