image001
Nachrichten aus Berlin und der ganzen Welt

Russland FSO: Schreibmaschinen für den russischen Geheimdienst

Hält das gute alte Tastengeklapper für sicherer: Kreml-Chef Wladimir Putin.

Hält das gute alte Tastengeklapper für sicherer: Kreml-Chef Wladimir Putin.

Foto:

AP/dpa

Die deutschen Geheimdienste schweigen zu den allumfassenden Lauschangriffen ihrer amerikanischen, britischen und französischen Kollegen. Ob neidisch, bewundernd oder beschämt – das wissen wir nicht. Die russischen Kollegen indes schreiten entschlossen zur Tat. „Vorwärts Genossen, wir müssen zurück!“, ist in Moskau die Losung des Tages. Um mögliche Lecks abzudichten, hat der Föderale Schutzdienst FSO jetzt neue Technik bestellt: 20 Schreibmaschinen.

Da Computer in der digital vernetzten Welt ganz offensichtlich wirklich gar nichts für sich behalten können, entschloss sich der FSO sich zu diesem radikalen Schritt. Die Behörde, die für den Schutz des Präsidenten und der Regierung zuständig ist, kappt die unzuverlässigen Verbindungen. Jedenfalls dann, wenn es um das Geheimste vom Geheimen geht.

Wie die Zeitung Iswestija zu berichten weiß, sei der Einsatz von Schreibmaschinen auch bei den anderen russischen Geheimdiensten, aber auch in Ministerien, wie denen für Verteidigung und für Katastrophenschutz, schon jetzt üblich. Dem Verteidigungsminister und dem Oberkommandierenden der Streitkräfte würden beispielsweise in jedem Falle Papierdokumente vorgelegt, schreibt das Blatt. Auch viele Akten und Dossiers mit hochsensiblen Informationen würden aus Sicherheitsgründen nicht elektronisch archiviert.

Wenn es wirklich sicher sein soll, greifen die russischen Behörden offenbar gern auf ein deutsches Fabrikat zurück. Keine Spezialanfertigung. Die bevorzugte Typenrad-Schreibmaschine Twen 180 eines bekannten Herstellers kann jedermann für rund 150 Euro im Internet bestellen. Rätselhaft ist auf den ersten Blick lediglich, warum der FSO für 20 Geräte die Gesamtsumme der Bestellung mit umgerechnet 12 000 Euro veranschlagt. Ein Schelm, der gleich an Korruption denkt. Schließlich benötigt der Geheimdienst ja auch noch reichlich Farbbänder.

Apropos Farbbänder. Jeder, der Spionagefilme aus den Zeiten des Kalten Krieges gesehen hat, weiß um diese Schwachstelle. Wer die Farbbänder hat, hat die Information. Aber an sie heranzukommen ist zweifellos schwerer, als eine Datenleitung anzuzapfen. Für letzteres muss man nicht in fremde Büros. Doch sind Schreibmaschinen nicht nur anhand ihres charakteristischen Schriftbildes zu identifizieren. Man kann sie auch abhören, ihr Klappern verrät sie.

Schließlich aber bleibt die entscheidende Schwachstelle: auch an Schreibmaschinen sitzen Menschen. Vor aller Technik sind noch immer sie es, die geheime Informationen weitergeben.