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Saddam Hussein will den Euro

Der Euro fällt und fällt und fällt. Niemand scheint ihn mehr zu mögen. Niemand? Nein. Im fernen Bagdad bereitet ein scheinbar unverbesserlicher Euro-Anhänger eine Stützungsaktion für die schwächelnde Währung vor. Iraks Diktator Saddam Hussein will seine Ölexporte künftig nicht mehr in Dollar, sondern in Euro beglichen sehen. Sonst, so verlautet aus irakischen Regierungskreisen, werde der Ölstaat seine Exporte von November an einfach stoppen. Dem Euro verhalf dies am Freitag zu einer Kehrtwende - die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 0,8324 Dollar fest: 0,87 Prozent mehr als am Tag zuvor. Der Ölpreis dagegen reagierte nervös.Hinter Saddams Forderung steht keineswegs eine bislang unterschätzte Sympathie für Europas gemeinsames Projekt. Der Diktator will mit seiner Drohung vor allem seinem größten Feind, den USA, schaden - ausgerechnet vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen wäre dem Diktator ein weiter steigender Ölpreis nur allzu recht. Mit seiner Forderung, Öllieferungen künftig mit Euro statt Dollar zu bezahlen, zielt Saddam auch darauf, die Euro-Staaten und die USA gegeneinander auszuspielen. Schließlich sorgen die Amerikaner dafür, dass die nach dem Golfkrieg gegen Irak verhängten Uno-Sanktionen auch gegen den Widerstand Frankreichs bestehen bleiben. Uno muss zustimmenDass Saddams Drohung nicht völlig ins Leere geht, zeigte sich schon im September. Gezielt ließ der Diktator Gerüchte über einen Exportstopp streuen. Obendrein verunsicherte er die Märkte mit Beschuldigungen, Kuweit stehle irakisches Öl - schon ging die Furcht vor einem neuen Golfkonflikt um, die US-Streitkräfte wurden in Alarmbereitschaft versetzt, der Ölpreis schoss nach oben. Tatsächlich könnte wohl nicht einmal der weltgrößte Ölproduzent, Saudi-Arabien, den Ausfall der irakischen Öllieferungen kompensieren, die im Programm "Öl-für-Nahrung" abgewickelt werden. Immerhin exportierte Irak zuletzt rund vier Prozent des Welt-Ölangebots. Allerdings hielte Saddam selbst einen solchen Stopp nur ein paar Tage durch. Schließlich stammen 95 Prozent der Exporteinnahmen Iraks aus dem Ölgeschäft. Technisch wäre die Umstellung der irakischen Öl-Rechnung auf Euro übrigens kein Problem. Der Uno-Sanktionsausschuss müsste jedoch zustimmen. Am 30. Oktober will das Gremium über Saddams Anliegen beraten. Dem Euro würde eine Umstellung nicht viel helfen. Erst eine Abrechnung des gesamten Welt-Ölmarkts in Euro würde die Nachfrage nach der Gemeinschaftswährung deutlich erhöhen und ihre Position gegenüber dem Dollar stärken. Dennoch könnte der Euro von Saddams Abneigung gegenüber dem Dollar profitieren. Denn er will zehn Milliarden Dollar, die auf einem seiner Konten in New York liegen, in Euro umtauschen. Das wäre immerhin genauso viel, wie Europas und Amerikas Notenbanken bei ihrer jüngsten Stützungsaktion für den Euro im September ausgaben.



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