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Schreckschusspistolen, Reizgas, Waffenscheine: Immer mehr Berliner bewaffnen sich

Schreckschusspistolen stehen wieder hoch im Kurs.

Schreckschusspistolen stehen wieder hoch im Kurs.

Die anhaltende Flüchtlingskrise, die Terroranschläge in Paris und Istanbul und die Kölner Vorfälle in der Silvesternacht verunsichern die Deutschen immer mehr. Das führt offenbar auch zu einem größeren Bedürfnis nach Selbstschutz und individueller Bewaffnung. Die Nachfrage nach Schreckschusspistolen, Reizgas und anderen Abwehrmitteln habe sich bereits im vorigen Jahr mindestens verdoppelt, sagte der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler, Ingo Meinhard, der Berliner Zeitung.

Um genauen Aufschluss zu bekommen, hat die Organisationen eine Studie bei der Gesellschaft für Konsumforschung in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse Anfang Februar vorliegen sollen. Nach Einzelbeobachtungen in verschiedenen Städten ist der Umsatz nach den Übergriffen in Köln noch einmal sprunghaft angestiegen. Vor allem viele Frauen wollen sich nun schützen. Genaue Zahlen gibt es bisher auch deshalb nicht, weil alle möglichen Formen von Reizgas frei in Ladengeschäften und im Internet erhältlich sind.

Hinweis auf Facebook-Seite der Kölner Polizei

Immer mehr Menschen beantragen bundesweit einen „kleinen Waffenschein“. Nach einer Prüfung durch die Polizei berechtigt er zum Erwerb einer Schreckschusspistole. Er kostet 50 Euro, die Eignung des Besitzers muss alle drei Jahre überprüft werden. Allein in Köln wurden in den Tagen rund 300 Anträge gestellt. Im ganzen Jahr 2015 wurden in der Domstadt 408 solche Erlaubnisse erteilt. Weil es zu Jahresbeginn außerdem eine Fülle von Anfragen gab, stellte die Kölner Polizei einen Hinweis auf ihre Facebook-Seite. Das wurde im Internet zum Teil heftig kritisiert.

Die Behörde habe das nur gemacht, um die bürokratischen Abläufe zu erleichtern, betonte dagegen Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, im Gespräch mit der Berliner Zeitung. Sie habe „nicht dazu aufgerufen, sich einen Waffenschein zu besorgen“.

Auch in Berlin werden seit Wochen immer mehr kleine Waffenscheine beantragt. Der Verkauf von Reizgas-Sprühgeräten habe ebenfalls stark zugenommen, sagen Händler. Im Dezember 2015 wurden bei der Waffenbehörde der Polizei 137 Anträge gestellt. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es lediglich 38. Auch im November lag die Zahl bereits um ein Vielfaches höher als ein Jahr zuvor.

Polizeigewerkschaftler Wendt warnt vor dem Erwerb von Schreckschusspistolen. Sie vermittelten nur eine „Scheinsicherheit“, sagte er der Berliner Zeitung. Konfliktsituationen könnten sogar eskalieren, weil ein Angreifer meine, „man habe eine geladene Waffe auf ihn gerichtet“. Dann sei es möglich, dass er auch eine Waffe ziehe. Nach den Erfahrungen von Waffenfachhändlern wird Reizgas bisher vor allem gekauft, aber nicht eingesetzt.


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