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Seite des Familienministeriums gehackt: Gefälschter Hilfsappell für syrische Kinder

Dank an die Familienministerin auf einem Bild der gefälschten Internetseite

Dank an die Familienministerin auf einem Bild der gefälschten Internetseite

Foto:

Zentrum für Politische Schönheit

Eines muss man der Künstlergruppe Zentrum für Politische Schönheit lassen, die fingierte Hilfsaktion für syrische Flüchtlingskinder im Internet ist täuschend echt gemacht. Man sieht Schulkinder, die Fotos der Familienministerin und Zettel mit „Danke, Manuela Schwesig“ und „Wir lieben euch“ hochhalten. Mit dem Logo des Bundesfamilienministeriums in der linken Ecke wird auf der Seite für die Aktion www.kindertransporthilfe-des-bundes.de geworben, ein angebliches Soforthilfeprogramm des Bundes, um 55 000 syrische Kinder im Alter bis zu 17 Jahren zu Pflegefamilien nach Deutschland zu holen.

Es gibt Informationen über die Vergütung der Vollzeitpflege, Online-Anträge und eine Pressestelle. Nur: Das Hilfsprogramm existiert nicht. Auch die Ministerin habe mit der Aktion nichts zu tun, heißt es im Familienministerium, das sich von der Kampagne distanziert. Das offizielle Logo, die Fotos der Ministerin, die Unterschrift des Staatssekretärs – alles wurde ohne Wissen und Zustimmung des Ministeriums auf die Seiten gestellt. Gegen den gefälschten Hilfsappell werde man dennoch nicht vorgehen. Schwesig wolle vor Gericht keinen Streit auf dem Rücken von Kindern austragen.

„Das ist Hyperrealismus“

Zaina Lindner, Mitglied des Künstlerkollektivs und auf der Homepage als Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit für den arabischen Raum ausgewiesen, rechtfertigt die Aktion. „Das ist keine Satire, sondern Hyperrealismus“, sagt sie. „Wir meinen das völlig ernst und haben das Soforthilfsprogramm bis ins Detail recherchiert. Man kann auch sagen, wir greifen der Bundesregierung etwas unter die Arme.“ Die Regierung müsse sich nur zu diesem Schritt entschließen, dann könne die Aktion genau wie beschrieben ablaufen.

Etwa drei bis sechs Leute sitzen seit Montag an den Telefonen und beantworten Anfragen von Menschen, die die Aktion im Netz gesehen haben und sich um Pflegekinder aus Syrien bemühen wollen. 564 potenzielle Pflegeeltern hätten sich bereits gemeldet. Zaina Lindner: „Jeder Anrufer wird sofort darüber aufgeklärt, dass es das Hilfsprogramm nicht gibt.“ Schlecht reagiert habe keiner, manche seien nur ernüchtert, dass sie nicht helfen können; nur die Presse rege sich fürchterlich über die Aktion auf. Die Kinder wurden nach Angaben der Aktivisten im Rahmen eines Theaterstücks in Aleppo fotografiert. Keinem Kind sei vorgespielt worden, es käme nun zu Pflegeeltern nach Deutschland, betont die Aktionskünstlerin.

Immerhin, Bund und Länder verhandeln derzeit über die Aufnahme weiterer syrischer Flüchtlinge. Bislang gibt es die Zusage für 10 000, davon ist etwa die Hälfte bereits in Deutschland angekommen.