Spielplan

„Pain & Gain“: Wahre Geschichte, falsches Spiel

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 Kleiner Mann mit großen Träumen: Daniel Lugo (Mark Wahlberg).
Kleiner Mann mit großen Träumen: Daniel Lugo (Mark Wahlberg).
Foto: Paramount

Drei kriminelle Deppen aus der Muckibude präsentiert „Pain & Gain“ von Michael Bay ohne Mitleid. Mark Wahlberg spielt einen von ihnen und muss dran glauben.

Michael Bay ist als Filmemacher eher ein Grobmotoriker. Eine verfeinerte Dramaturgie oder subtile Bildgestaltung suchte man bei seiner Weltkriegsgroteske „Pearl Harbor“ oder aber den „Bad Boys“- und „Transformers“-Filmen vergeblich. Der Hang zu teuer gemachten, recht simpel gestrickten Haudrauf-Spektakeln mit reaktionärem Unterton und zu hektischen Action-Szenen hat Bays Karriere indes nicht geschadet. Der 48-Jährige ist heute einer der erfolgreichsten Regisseure Hollywoods.

Umso irritierender wirkt da Bays neuer Film „Pain & Gain“, eine für geradezu läppische 25 Millionen US-Dollar gedrehte, auf einer wahren Geschichte basierende Kriminalkomödie. Im Mittelpunkt steht Daniel Lugo (Mark Wahlberg), ein kleiner Mann mit großen Träumen; er ist Bodybuilder, Fitnesstrainer und Fan von Selbstmotivationsfloskeln („Sei ein Tuer, sei kein Nichttuer!“). Im Spätsommer 1994 will Lugo in Florida endlich kein Verlierer mehr sein und entwickelt einen Plan: Gemeinsam mit seinen Bodybuilding-Kumpels, dem schwarzen Adrian Doorbal (Anthony Mackie) und dem etwas doofen Ex-Knacki Paul Doyle (Dwayne „The Rock“ Johnson), will er den schwerreichen, unsympathischen Unternehmer Victor Kershaw (Tony Shalhoub) um Wohlstand, Status und Existenzgrundlage erleichtern. Aber die Deppen aus der Muckibude sind für derlei Unternehmungen kaum geeignet: Immer wieder scheitern ihre Entführungsversuche. Und als sie später Kershaw in einem abgelegenen Lagerhaus für Sexspielzeug drangsalieren, erweist sich der als wenig gefügig und erkennt seinen ehemaligen Fitness-Betreuer Lugo durch die Augenbinde am penetranten Billig-Parfüm. In die Kriminalgeschichte geht man so eher am untersten Ende der Skala ein.

Michael Bay inszeniert die Geschichte in gewohnt grellen, farbgefilterten Bildern und recht sprunghaft geschnitten. Doch über weite Strecken gelingt es ihm fast, eine Brüder-Coen-Geschichte zu erzählen, mit Verlierern, die am Verbrechen und an den eigenen Schwächen scheitern. Bay versetzt das gekonnt mit allerlei visuellen wie humoristischen Grobheiten – und macht den Film fast zu einer Auseinandersetzung mit Anspruchsdenken und der hässlichen Kehrseite des amerikanischen Traums.

Lange wirkt „Pain & Gain“ fast wie eine recht unterhaltsame Dosenbier-Variante von „Fargo“ oder „Burn After Reading“. Doch im letzten Drittel des Films wird klar, dass „Pain & Gain“ nur an der Oberfläche den Coens folgt, das Lachen bleibt einem im Hals stecken. Denn Bay hat nur Hohn, Spott und Verachtung für seine Figuren übrig. Statt die Möchtegern-Ganoven als fehlgeleitete Normalos zu zeigen, macht der Regisseur den Zuschauer zum Komplizen einer zynischen, gewalttätigen Geschichte voller unsympathischer Gestalten, die jede Strafe durch Schicksal oder Drehbuch verdient zu haben scheinen. Schadenfroh erklärt der Film, die Geschworenen hätten „nur 14 Minuten gebraucht“, um Lugo und Doorbal zum Tode zu verurteilen. Zum Schluss blendet Bay auch noch die Fotos der jeweiligen Filmvorbilder ein, das soll wohl die Authentizität betonen, wirkt aber nur kalkuliert und menschenverachtend. Ein falsches Spiel mit einer wahren Geschichte: Vielleicht haben kriminelle Versager die Todesstrafe verdient, aber keinesfalls so einen Film.

Pain & Gain USA 2013. 130 Minuten, Farbe. FSK ab 16.

Regie: Michael Bay,

Drehbuch: Christopher Markus & Stephen McFeely, Kamera: Ben Seresin,

Darsteller: Mark Wahlberg, Dwayne Johnson, Tony Shalhoub, Anthony Mackie, Ed Harris u..a.

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