image001
Nachrichten aus Berlin und der ganzen Welt

1:0-Sieg im Testspiel: Deutschland gewinnt glücklich gegen Chile

Mario Götze (l.) bewahrte mit seinem Treffer zum 1:0-Sieg gegen Chile Bundestrainer Löw vor noch mehr Kopfzerbrechen.

Mario Götze (l.) bewahrte mit seinem Treffer zum 1:0-Sieg gegen Chile Bundestrainer Löw vor noch mehr Kopfzerbrechen.

Foto:

dpa

Stuttgart -

Glaubt man Giovane Elber, dann steht der Weltmeister 2014 praktisch schon fest. „Die Zeiten, dass Europäer in Südamerika nicht Weltmeister werden, ist im nächsten Sommer vorbei, die Deutschen werden gewinnen“, sagte der ehemalige brasilianische Nationalspieler am Mittwoch vor dem grotesk glücklichen 1:0 (1:0) der deutschen Nationalmannschaft im Testspiel gegen Chile vor 54 449 Zuschauern in Stuttgart.

Gegen Chile, einen der Geheimtipps der bevorstehenden Großveranstaltung in Brasilien, zeigten die Gastgeber in ihren gewöhnungsbedürftigen, rot-schwarz-quer-gestreiften neuen Auswärtstrikots nicht ansatzweise, dass Elber recht behalten könnte. Der Weltranglisten-14. erwies sich dabei als noch komplizierterer Gegner als erwartet. Mehrfach mussten deutsche Spieler in allerhöchster Not klären, einige Male fehlte den Chilenen der letzte Punch, einige Mal schlicht das Glück vor dem deutschen Tor, andernfalls wären den technisch beschlagenen und passsicheren Südamerikanern gleich ein gutes halbes Dutzend Treffer gegen die alles andere als stabile deutsche Defensive gelungen.

Dadurch, dass sie hinten lediglich mit einer offensiven Dreierkette agierten, hatten die Gäste im Mittelfeld einen Mann mehr zum Kombinieren und fanden so immer wieder Räume in den Strafraum und attackierten die darüber sichtlich unerfreuten Deutschen sehr früh. So viele klare Torchancen des Gegners hat der FC Bayern, von dem sechs Spieler in der deutschen Startelf standen, in dieser Saison in einem Spiel niemals zugelassen.

Jansen verletzt raus

Wieder einmal zeigte sich, dass das DFB-Team vor allem an der unangenehmen Arbeit nach hinten noch mächtig feilen muss. Denn in der Rückwärtsbewegung fehlt es an der Abstimmung, am Zulaufen der Räume, an der Bereitschaft zu schuften, immer mal wieder machen nicht alle Spieler mit, Mario Götze und Mesut Özil zum Beispiel, die allerdings in formidabler Zusammenarbeit mit Bastian Schweinsteiger das 1:0 zusammenkombinierten. Schweinsteiger spielte gekonnt durch auf den vor der Partie als DFB-Spieler des Jahres 2013 geehrten Özil, der wiederum Schleicher Götze fein servierte. Götze schloss nach 16 Minuten in bester Mittelstürmer-Manier mit einem geschickten Schlenzer mit seinem schwächeren linken Fuß ab.

Es war ein Tor ganz nach dem Geschmack von Bundestrainer Joachim Löw, durch die Mitte mit Flachpassspiel entwickelt und konsequent verwertet. Mario Götze hätte nach einer guten halben Stunde auf ganz ähnliche Art und Weise noch ein weiteres Tor erzielen können, verfehlte aber, diesmal mit dem rechten Fuß geschlenzt, den rechten Pfosten knapp.

Zu diesem Zeitpunkt konnte Marcell Jansen schon nicht mehr mittun. Bitter für den Hamburger SV, den nächsten Gegner der Frankfurter Eintracht: Nach Pierre-Michel Lasogga, der wegen einer Muskelverhärtung schon vor dem Spiel passen musste, verletzte sich auch noch der Linksverteidiger so schwer am rechten Knöchel, dass ein Einsatz am Wochenende gefährdet erscheint. Für Jansen kam der Dortmunder Marcel Schmelzer, der ebenfalls mehr Probleme hatte, als ihm lieb sein konnte.

Zur Pause ersetzte Löw den zuvor nahezu unsichtbaren Miroslav Klose durch André Schürrle. Özil musste in die Mittelstürmerposition rücken, wo er sich weniger wohlfühlt, Götze von links nach rechts, wo er auch nicht ganz so gern unterwegs ist. Das deutsche Spiel wurde immer zerfahrener, Löws latenter Ärger auf seinem Stehplatz vor der Bank schwoll einmal, als der ansonsten, ebenso wie Per Mertesacker, gute Jérôme Boateng ungenau passte, zu einem kleinen Vulkan, wobei man sich fragen muss, ob es gut ist, wenn ein Trainer einen Spieler während des laufenden Spielbetriebs derart öffentlichkeitswirksam gestenreich kritisiert. Von den Rängen gab es fast genauso viele Pfiffe wie in der Bundesliga für den VfB Stuttgart.

Die Partie in Zahlen

Deutschland – Chile 1:0 (1:0)

Deutschland: Neuer - Großkreutz, Boateng, Mertesacker, Jansen (24. Schmelzer) - Lahm, Schweinsteiger - Götze (83. Podolski), Özil (89. Ginter), Kroos - Klose (46. Schürrle)

Chile: Herrera - Gutiérrez, Jara, Isla, Medel - Vidal (89. Fernándes), Vargas (86. Pinilla) - Aránguiz (81. Orellana), Silva (83. Gonzales) - Alexis Sánchez, Beausejour (76. Valdivia)

Tore: 1:0 Götze (16.)

Schiedrichter: Mark Clattenburg (England) – Zuschauer: 54 449

Gelbe Karten: – Gutiérrez