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80 Verletzte nach Rangeleien in Köpenick: "Unangemessener Einsatz": Union Berlin widerspricht Polizei

Vor dem Testspiel gegen den SV Austria Salzburg kam es zu Rangeleien zwischen Fans des 1. FC Union Berlin und der Polizei.

Vor dem Testspiel gegen den SV Austria Salzburg kam es zu Rangeleien zwischen Fans des 1. FC Union Berlin und der Polizei.

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imago/Sebastian Wells

Am Sonntag gab der Fußball-Zweitligist 1. FC Union Berlin Entwarnung. Die Verletzung von Neuzugang Felix Kroos, der am Samstag beim 5:0 (3:0) im letzten Testspiel gegen Austria Salzburg zur Pause verletzt ausgeschieden war, ist nicht so schlimm. Der erst am Donnerstag von Werder Bremen ausgeliehene Mittelfeldspieler fällt wegen seiner muskulären Probleme beim Jahresauftakt 2016 am Freitag beim 1. FC Kaiserslautern vermutlich nicht aus.

Polizei nimmt 18 Fußballfans fest

Getrübt wurde die Feierlaune der 9601 Zuschauer durch heftige Auseinandersetzungen zwischen Union-Anhängern und der Polizei vor der Partie. Nach Polizeiangaben vom Sonntag waren dabei 80 Personen verletzt worden, darunter 21 Polizisten und ein Ordner sowie 26 Personen, die einer aggressiven Fan-Gruppe zuzuordnen sind. Insgesamt nahm die Polizei 18 Fußballfans vorläufig fest und leitete Strafermittlungsverfahren unter anderem wegen besonders schweren Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung ein.

„Solche widerlichen Sprechchöre und Gewalttaten gegen unsere Polizei sind nicht hinnehmbar“, erklärte Innensenator Frank Henkel am Sonntag. „Union ist eine der großen Säulen des Berliner Sports. Das lässt sich von einigen wenigen Anhängern, die ich bewusst nicht als Fans bezeichnen möchte, leider nicht behaupten“, sagte Henkel.

Nach einem zunächst friedlichen Jubiläumsmarsch zum 50. Vereinsgeburtstag von der Köpenicker Altstadt in Richtung Stadion mit rund 1000 Union-Fans hatten Polizei-Beamte den Anhängern den Weg vor der Haupttribüne in Richtung Eingang Waldseite versperrt und damit die Stimmung angeheizt.

Berliner Polizei: "massiv körperlich angegriffen"

Wie die Polizei mitteilte, wurden von teilweise vermummten Personen pyrotechnische Gegenstände gezündet. Beim Erreichen des Stadions seien Polizisten aus einer Gruppe von rund 250 Anhängern „massiv körperlich angegriffen“ worden. „Die Beamten wehrten die Angriffe mittels körperlicher Gewalt ab und setzten auch Reizgas ein“, hieß es von der Polizei. Insgesamt kamen 300 Polizeibeamte zum Einsatz. Wie die Polizei weiter mitteilte, stürzte eine Person im Gästefanblock von einem Geländer und musste von einem Notarzt in ein Krankenhaus gebracht werden.

Union Berlin: Polizisten reagierten mit körperlicher Gewalt

Der 1. FC Union widersprach am Sonntag den Darstellungen der Polizei und verurteilte den Einsatz der Beamten als "unangemessen". Aus Sicht des Clubs habe der "unerklärlich intensive Polizeieinsatz" die Lage eskalieren lassen, teilten die Köpenicker am Sonntag mit.

Wörtlich heißt es in der Erklärung: "Wie dem Verein vorliegende Videobilder zeigen, trafen die Fans begleitet von Polizisten friedlich am Stadion an der Alten Försterei ein. Wenige Meter nach dem Passieren der Zufahrt zum Parkplatz vor der Haupttribüne des Stadions versuchte eine Polizeikette bereits auf dem Vereinsgelände den Zug ohne ersichtlichen Grund zu stoppen." Ein aggressives Fan-Verhalten habe der Verein nicht festgestellt. Im Gegenteil: zahlreiche Fans hätten versucht, der plötzlichen Sperrung auszuweichen.

"Als ein Fan das Gleichgewicht verlor und beim Sturz in die Polizeikette einen der Beamten zu Fall brachte, reagierten die anderen Polizisten umgehend mit körperlicher Gewalt und setzen Reizgas ein, wodurch die bis dahin ruhige Lage zur Eskalation gebracht wurde", teile Union Berlin mit.

Sportlich registrierte Trainer Sascha Lewandowski am Sonntag mit Freude, dass Verteidiger Emanuel Pogatetz in einer kleinen Gruppe wieder auf dem Trainingsplatz stand. Der Österreicher musste wegen einer eitrigen Bronchitis zehn Tage von der Mannschaft separiert werden. Auch Mittelfeldspieler Benjamin Köhler gehörte nach überstandenen Adduktorenproblemen zu den Übenden.

Mit der Entwicklung in der Vorbereitung kann Lewandowski leben. „Wir sind gut gerüstet für den Start in der 2. Liga. Wenn man die viereinhalb Wochen sieht, hatten wir eine gute und effektive Zeit“, sagte der Coach. „In den meisten Dingen haben wir Fortschritte erzielt. Es ist nicht alles so, wie man sich das wünscht, ein prägnantes Beispiel ist der Ausfall von Emanuel Pogatetz. Gerade er hätte die komplette Vorbereitungszeit und die Spiele gebraucht.“

Das 5:0 gegen Salzburg machte aber Hoffnung. Bobby Wood (8./51.), Steven Skrzybski (4.), Damir Kreilach (47.) und Neuverpflichtung Felix Kroos mit einem direkten Freistoß (5.) erzielten die Treffer. Die Einnahmen des Benefizspiels erhielt der vom Konkurs bedrohte österreichische Zweitligist, der wegen der Eröffnung des Insolvenzverfahrens bereits zum Zwangsabstieg verurteilt ist. (BLZ mit dpa)