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Berliner Zeitung | Alba Berlin empfängt Bremerhaven: Warten vor der Wurfuhr
27. November 2015
http://www.berliner-zeitung.de/23301796
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Alba Berlin empfängt Bremerhaven: Warten vor der Wurfuhr

Ausgangspunkt: Center Elmedin Kikanovic (l.) verlor vor knapp zwei Wochen gegen Ludwigsburg. Es folgten Niederlagen in Oldenburg und Reggio Emilia.

Ausgangspunkt: Center Elmedin Kikanovic (l.) verlor vor knapp zwei Wochen gegen Ludwigsburg. Es folgten Niederlagen in Oldenburg und Reggio Emilia.

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imago/Camera 4

Englisch oder Deutsch? Elmedin Kikanovic sagt: „English, please.“ Er hat zwar drei Jahre lang Deutsch gelernt, auf der Schule damals daheim in Tuzla, Bosnien-Herzegowina. „Aber das ist lange her.“ Und sicher ist sicher, findet Kikanovic. Andererseits: Gelernt ist gelernt. Der 27-Jährige hat das selbst bewiesen am Mittwoch im Eurocup in Reggio Emilia, nicht mit Sprache, sondern einem Basketball.

Kikanovic war derjenige bei Alba Berlin mit der meisten Einsatzzeit. In 31,13 Minuten hat er 17 Punkte erzielt, sieben Rebounds geholt und sieben Fouls gezogen. An ihm lag es nicht, dass Alba 71:74 unterlag und es nun am Sonntag in der Bundesliga gegen Bremerhaven darum geht, die vierte Niederlage nacheinander zu vermeiden (17 Uhr, Arena am Ostbahnhof). „Ich erlebe eine solche Phase nicht zum ersten Mal. Das geht vorbei“, meint Kikanovic. Der 2,10 Meter große Center begann vor zehn Jahren als Profi bei Roter Stern Belgrad, war in Krasnojarsk und Nancy. Er sagt, gegen Reggio Emilia und zuvor in Oldenburg hätten sie nicht klug genug attackiert. „Es waren Kleinigkeiten in den letzten Sekunden, aber besser, wir machen jetzt Fehler und lernen daraus als später in den Playoffs.“

Ähnlich sieht das sein Trainer Sasa Obradovic, der offenbar befürchtet, dass das Gerede von einer Krise losgehen könnte: „Wenn die Leute fragen: ‚Was ist los?‘, sage ich: ‚Beruhigt Euch!‘“ Im Eurocup fehle nur ein Sieg zum Weiterkommen, in der Bundesliga seien sie top: „Wir lernen Basketball noch.“ Sie lernen Spielverständnis. Etwa wie sich einer verhält, wenn die Wurfuhr noch 14 Sekunden anzeigt. Soll er werfen? Nein, sagt Obradovic: „Ich warte, damit ich den letzten Wurf habe und nicht der Gegner. Das ist nur eine Szene, ich könnte eine Million nennen.“ Einfache Korbleger, die danebengehen. Fehler beim Boxing out, wenn beim Rebound der Ball vor dem Gegner abgeschirmt wird. Überhaupt, sagt Kikanovic: „An der Präzision müssen wir arbeiten.“

Knappe Niederlage gegen Bayern

Es ist ja nicht so, dass sie nur laufen, laufen, laufen. Sie spielen auch strukturiert. Sie nennen es Halfcourt Offense, wenn sie die früh ansetzende Abwehr des Gegners mit exakten Spielzügen überwinden wollen. „Wir müssen den Rhythmus des Spiels ändern“, sagt Obradovic. „Und wir müssen den Ball besser teilen.“ Erst im Training, dann im Duell mit Bremerhaven, das zuletzt die Bayern an den Rand einer Niederlage brachte, was sie aber nicht zu sehr beeindrucken sollte, wie Kikanovic meint. Genauso wenig wie ihre Niederlagen. „Wir sind nicht euphorisch, wenn wir acht Mal in Serie gewinnen, jetzt sind wir nicht frustriert.“ Und dann sagt er doch noch ein paar Sätze auf Deutsch: Wo er die Sprache gelernt hat. Dass er eigentlich alles versteht. Dass er keine Fehler machen will und daher in der Öffentlichkeit Englisch bevorzugt, bis er die deutsche Grammatik wieder richtig beherrscht. Denn gelernt ist eben doch gelernt.


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