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Alba Berlin gegen Brose Baskets Bamberg: Brad Wanamaker fordert Alba heraus

Brad Wanamaker (l.) ist Leistungsträger bei den Brose Baskets Bamberg.

Brad Wanamaker (l.) ist Leistungsträger bei den Brose Baskets Bamberg.

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imago/Zink

Es ist schon erstaunlich, dass er überhaupt etwas von Berlin gesehen hat. Bei dem Arbeitsaufkommen. Will Cherry war am Potsdamer Platz zum Beispiel und an der Eastside Gallery natürlich, denn die liegt vor der Arena am Ostbahnhof. Dort trägt er mit Alba die Heimspiele aus, am Sonntag wieder gegen Bamberg (17 Uhr). Am besten kennt der 24-Jährige wohl die Trainingshalle der Berliner Basketballer in Mitte. Am Freitagmorgen hat sich der Spielmacher wieder mal auf seinen nächsten Job vorbereitet. Diesmal also auf Brad Wanamaker, 26, Spielmacher der Bamberger.

Cherry hat nicht viel Zeit dafür in der engen Taktung von Albas Auftritten, aber er hat Wanamaker schon am College beobachtet, als er selbst für Montana am Ball war und und Wanamaker für Pittsburgh. Cherry sah Videos aus jüngerer Zeit, so dass er auch ohne die Vorbereitung auf das Spiel am Sonntag ganz grundsätzlich sagen könnte, was ihn erwartet: „Einer allein kann Brad Wanamaker nicht stoppen. Das müssen wir als Kollektiv tun.“

Will Cherry und Brad Wanamaker machen den Unterschied

Wenn in der Basketball-Bundesliga (BBL) davon die Rede ist, dass ein Klub wie die Baskets aus Bamberg einen ungleich höheren Spieleretat haben als ein Klub wie Alba, klingt das abstrakt. An Cherry und Wanamaker aber wird es greifbar. „Wanamaker ist einer der drei Besten auf seiner Position in der BBL“, sagt Cherry. Sein Trainer Sasa Obradovic geht noch weiter: „Vielleicht der Beste. Ich weiß gar nicht, was er in Europa macht. Er ist ein NBA-Spieler.“ In der nordamerikanischen Profiliga hätte er beste Verdienstmöglichkeiten, aber die hat er im Frankenland womöglich auch.

Die 65:85-Niederlage der Bamberger am Donnerstag in der Euroleague bei Maccabi Tel Aviv könnte das Bild verzerren. Wanamaker erzielte nur acht Punkte und versuchte nur einen Dreier, den er danebensetzte. Doch die Bamberger waren bereits für die zweite Runde qualifiziert, Maccabi musste darum kämpfen. Wer sich da anstrengen und wer sich zurücknehmen konnte, war somit klar geregelt.

Am vorigen Sonntag im Prestigeduell mit dem FC Bayern sah das noch anders aus. Wanamaker versenkte vier von vier Distanzwürfen im Korb der Gäste, kam auf 25 Zähler und gab sieben Korbvorlagen, was ja für einen Spielmacher nicht ganz unerheblich ist. „Wanamaker ist schlau“, sagt Obradovic, „defensiv wie offensiv.“

Zusammen mit Nikolaos Zisis und den anderen Bamberger Guards strahlt er nicht nur von außen Gefahr aus, sondern steuert auch das Spiel unter dem Korb, verschafft den Centern Möglichkeiten. Die Berliner dürften versuchen, den ballführenden Guard nicht entwischen und sich bei Annäherung nicht übertölpeln zu lassen. Sie werden selbst wohl mit Finten operieren wollen: Close-out, klug verteidigt. „Klingt nach einer einfachen Taktik, aber wenn man rennt und es tun muss, ist das etwas anderes“, sagt Obradovic.

Intermezzo bei den Cleveland Cavaliers

Wanamaker ist jemand, der ein fertiger Spieler genannt wird. Einer, der weiß, wann er wo zu sein hat. Er beherrscht Dinge, die der jüngere Cherry noch lernen muss. Es ist zwar nicht so, dass Albas 1,85 Meter großer Point Guard gänzlich unerfahren wäre. Er hat 2014 sogar ein kurzes Intermezzo bei den Cleveland Cavaliers in der NBA absolviert, ging im selben Jahr zu Zalgiris Kaunas nach Litauen und hat dort Führungsaufgaben übernommen. „Er hilft der Mannschaft sehr. Ich mag seine Energie“, sagt Obradovic.

Fünf Rebounds hat Cherry zuletzt in der BBL beim 95:82 in Frankfurt gesammelt und genauso viele Assists gegeben. „Unsere Schlüsselspieler waren sehr schnell“, sagt Obradovic allgemein. Cherry allerdings produzierte auch drei Ballverluste und vier Fouls. „Was sein Spielverständnis angeht, muss er besser werden“, sagt der Coach: „Viele Reaktionen kommen noch instinktiv anstatt durch Überlegungen zustande.“ Zum Beispiel: „Wen foult man? Wie foult man ihn?“ Und wann bleibt einer besser vom Gegenspieler weg, weil der sowieso trifft und einen Bonusfreiwurf bekommen würde.

„Diese Erfahrungen muss man im Spiel machen“, sagt Obradovic. Trotzdem üben sie es im Training, immer und immer wieder. Deswegen hat Cherry ja so wenig Zeit für Touren durch die Stadt, wobei er sich eine Sache fest vorgenommen hat: „Einen Weihnachtsmarkt besuchen: Ich will mal einen Glühwein probieren.“ Schmeckt gut, hat er sich sagen lassen. Aber auch dabei kommt es auf die Dosierung an.


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