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Alba_Berlin

Alba Berlin: Übung in Bescheidenheit

Alba-Spieler Will Cherry setzt sich gegen die Tübinger Abwehr durch.

Alba-Spieler Will Cherry setzt sich gegen die Tübinger Abwehr durch.

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imago/Mario Stiehl

Nach dem Spiel gegen Tübingen trug Sasa Obradovic ein Geschenk mit sich herum. Es war klein genug, dass der Alba-Trainer es in nur einer Hand halten konnte, und eingewickelt in rotes Papier. Was genau dieses Geschenk war (und vor allem: was es wert war), ließ sich zunächst nicht klären.

Es blieb erst einmal eingepackt. Und so passte dieses kleine rote Päckchen recht gut zur Situation des von Obradovic trainierten Basketballklubs nach dem 91:73-Erfolg gegen Tübingen am Sonnabend. Was dieser Sieg wert ist, lässt sich jetzt noch nicht recht einschätzen. Man wird es erst später sehen können.

Im Moment ist der Erfolg erst einmal nur der zweite in Serie nach einer langen Phase schwacher Alba-Spiele, die am 17. November gegen Ludwigsburg begonnen hatte. Sieben Niederlagen in acht Spielen mussten die Berliner Basketballer seit jenem Tag hinnehmen. Ob die Siege gegen Tübingen in der Bundesliga am Sonnabend und gegen Brindisi im Eurocup am Mittwoch nun tatsächlich bedeuten, dass Alba seine Schwäche überwunden hat, können naturgemäß erst die nächsten Spiele zeigen.

Schwierige Aufgaben

Genauer gesagt hält Alba-Manager Marco Baldi für eine realistische Einschätzung der Teamstärke die nächsten vier Partien für wegweisend. In ihnen haben die Berliner Basketballer tatsächlich schwierige Aufgaben vor sich, angefangen mit dem Auswärtsspiel in Hagen am Dienstag. Anders als bei einem Geschenk allerdings haben sie es selbst in der Hand, den Erfolg gegen den Tabellendreizehnten Tübingen vom Sonnabend noch wertvoller zu machen.

In der Begegnung mit dem Team aus Schwaben war allein der Auftakt ausgeglichen. In der ersten Minuten punkteten die Tübinger mit Leichtigkeit, das Berliner Team dagegen musste sich seine Korberfolge hart erarbeiten. Das erste Viertel endete noch 26:22, danach aber ließen die Tübinger nach und in die Pause ging es mit einem 16-Punkte-Vorsprung für Alba (55:39). Bis auf sechs Punkte kamen die Gäste im dritten Viertel auf den Stand von 63:57 zwar noch einmal heran, dann aber setzten die Berliner zu einem 20:0-Lauf auf das Zwischenergebnis von 85:59 an. Dies sicherte Alba den deutlichen Sieg.

Stark verbessert zeigte sich im Alba-Team insbesondere Mitchell Watt. Der 2,08 Meter große Spieler war zuvor mit missglückten Aktionen häufig einer der unglücklichen Hauptdarsteller in Albas Schwächephase gewesen, am Sonnabend aber erzielte er 17 Punkte und erkämpfte acht Rebounds. Es war seine bislang beste Leistung für Berlin, seit er im August hierher kam.

Starker Neuzugang

Ebenfalls 17 Punkte erzielte Aufbauspieler Jordan Taylor, auch er ein Neuzugang. Gegen Ende der ersten Hälfte halfen wichtige Körbe von ihm, Tübingen auf Distanz zu halten. Auch Ismet Akpinar spielte stark, der deutsche Nachwuchs-Aufbauspieler bekam fast 16 Minuten Einsatzzeit und machte zehn Punkte.

„Wir schaffen es besser, die Intensität des Spiels hochzuhalten“, war Taylors Erklärung für den Erfolg, die Teamleistung sei einfach konstanter als zuvor. Zugleich übte er sich in Bescheidenheit: „Wir wissen, dass wir als Team noch einen langen Weg vor uns haben.“ Seinem Trainer Sasa Obradovic dürfte das gefallen. Er führte das verbesserte Passspiel und die bessere Kontrolle des Raums unter den Brettern als Gründe für den Sieg an. „Tübingen ist ein Team, das jeden schlagen kann, aber auch gegen jeden verlieren kann. Für uns ist es immer eine Gefahr, zu Hause gegen eine Mannschaft zu spielen, die nichts zu verlieren hat“, sagte er. Deshalb solle man sich einfach über den Sieg freuen. Alba reist als Tabellendritter zum Neunten nach Hagen.