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Basketball-Eurocup: Wie sich Alba Berlin gegen Le Mans durchsetzen will

„Unter Druck reagieren wir nicht gut“: Alba-Coach Sasa Obradovic.

„Unter Druck reagieren wir nicht gut“: Alba-Coach Sasa Obradovic.

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imago/Bernd König

Straftraining ist ein hässliches Wort, weil Strafe eher nach kriminellen Machenschaften klingt als nach einer fahrlässig herbeigeführten Niederlage in einem Basketballspiel. Akeem Vargas nennt es deshalb lieber „eine Art Wir-haben-vier-Spiele-verloren-und-müssen-jetzt-mehr-trainieren-Training“. Im Ergebnis lief es für den Guard und seine Teamkollegen bei Alba Berlin auf dasselbe hinaus: Am Montagmorgen erschienen sie um 7 Uhr in der Sporthalle an der Schützenstraße. Ihr Trainer Sasa Obradovic hatte das am Vorabend nach dem 69:80 (32:48) gegen Bremerhaven noch in der Kabine angeordnet. „Unter Druck reagieren wir nicht gut“, hat er kurz darauf mit rauer Stimme gesagt. Für den Druck haben seine Spieler selbst gesorgt. Das ist das Problem.

Bereits vor der Saison hat Obradovic darauf hingewiesen, dass sie mit ihrer zur Hälfte neu zusammengestellten Mannschaft durch Täler gehen werden. Nach acht Siegen in Serie ist es nun soweit, allerdings anders als erwartet. Seit dem 90:74-Erfolg über den FC Bayern Mitte November haben sie nur Niederlagen kassiert. Die gegen Oldenburg in der Bundesliga und im Eurocup gegen Reggio Emilia waren nicht selbst verschuldet, davor gegen Ludwigsburg aber und danach gegen Bremerhaven haben sie sich mit einem laschen Start zu Fall gebracht. Heute empfangen sie in der Arena am Ostbahnhof Le Mans Sarthe. Mit einem Sieg können sie in die nächste Runde des Eurocup einziehen. Eine Schlappe würde die Lage verschärfen. Albas Geschäftsführer Marco Baldi sagt: „Wie gut wir wirklich sind, wird man jetzt sehen.“

Eine Negativserie birgt immer die Gefahr, dass sie eine Eigendynamik entwickelt. Dass Spieler ins Grübeln kommen, nach Fehlern suchen, bei sich, bei den anderen, im System. Dass sie die Initiative ergreifen, statt auf die Kraft des Kollektivs zu vertrauen, Neues probieren, statt am Altbewerten festzuhalten. Kapitän Alex King, Niels Giffey, Jonas Wohlfarth-Bottermann und Akeem Vargas erkennen offenbar diese Gefahr. „Wir, die wir schon eine Weile bei Alba sind, haben vergangene Woche länger geredet und haben gesagt, dass wir allen wortwörtlich in den Hintern treten.“

Giffey fehlte gegen Bremerhaven wegen einer Fußverletzung, King, Wohlfarth-Bottermann sowie Vargas aber waren, wie dieser meinte, „einen Tick mehr bemüht als die anderen“. Von den Neuen fiel am ehesten Will Cherry durch Einsatz auf. Der Rest ließ die Intensität vermissen, die für Obradovics Spielanlage unabdingbar ist. „Die Trainer leben das vor“, sagt Baldi. „Jeder, der zu uns gekommen ist, wusste, dass das so ist. Wir waren ja auch schon damit erfolgreich.“ Sogar gegen die individuell stärker besetzten Münchner. Allerdings, sagt Baldi: „Seit dem Moment, in dem wir die Bayern besiegt haben, vor 12?000 Menschen, sind der Fokus und die Intensität eingeschränkt.“ Durch die hohe Dichte an Spielen und die hohe Erwartungshaltung baut sich zunehmend ein Druck auf, dem nicht alle gewachsen zu sein scheinen.

Fremdkörper im Angriff

An Michell Watt lässt sich das gut erkennen. Der Center hat das Potenzial, eine tragende Säule im System Obradovic zu sein. Doch spricht aus seinen Aktionen wachsende Unsicherheit. Er schraubt sich umständlich zum Korbleger hoch, drückt den Ball am Ring vorbei, anstatt ihn ansatzlos durchzustecken. Er wirkt im Angriff zeitweise wie ein Fremdkörper. Als er gegen Bremerhaven merkte, dass er ausgewechselt werden sollte, setzte er zu einem wilden Dreier an und traf sogar. Es waren Watts einzige Punkte.

Schon in Zeiten des Erfolgs tat sich Watt schwer. Jetzt aber, da sich das ganze Team ins Straucheln gebracht hat, fällt es stärker auf. „Wie stabil ein Fundament ist, sieht man immer in einer Situation wie jetzt“, sagt Baldi. Le Mans also könnte – um im Bild zu bleiben – der Hammer sein. Er kann dem Beton weitere Risse zufügen. Er taugt jedoch auch zum Wendepunkt: Die Franzosen brauchen dringend einen Sieg zum Weiterkommen, sind stark besetzt, haben unter anderen Nationalspieler Mickaël Gelabale, sollten Alba zu voller Intensität von Anfang an motivieren. Für Vargas ist der Fall klar. „Wir geben mehr Gas, wir ziehen an“, hat er vor dem Training am Montagmorgen um 7 Uhr gesagt. Dieses Sie-haben-sich-die-Suppe-eingebrockt-und-löffeln-sie-jetzt-aus-Training.