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Eurocup: Halbzeitblues bei Alba Berlin

Kresimir Loncar.

Kresimir Loncar.

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imago/Contrast

Der Beruf des Basketballtrainers hat seine Härten, wie jeder andere Beruf auch. In diesem speziellen Metier ist zum Beispiel irgendwann der Punkt erreicht, an dem die Dinge von selbst laufen sollten, die Spieler funktionieren müssen wie vorher in den Übungseinheiten durchexerziert, weil Einfluss von außen kaum möglich ist. Ein Trainer kann Auszeiten nehmen, aber mitspielen kann er nicht, auch wenn es bei Sasa Obradovic oft so aussieht, als würde er sich am liebsten selbst einwechseln in sein Team von Alba Berlin. Er sagt: „Ich kann gewisse Informationen den Spielern geben, aber sie müssen auch darauf reagieren.“ Das haben sie zuletzt in Heimspielen nicht getan. Sie sind schlecht gestartet. Sie hatten eine Art kollektiven Halbzeitblues.

Am Mittwochabend empfangen die Berliner im Eurocup die Mannschaft von Enel Basket Brindisi (20 Uhr, Arena am Ostbahnhof). Es ist ein Entscheidungsspiel. Mit einem Sieg sind sie sicher in der nächsten Runde. Es ist zudem ein Spiel unter klaren Vorzeichen. Der Gegner rangiert mit nur einem Sieg auf dem letzten Tabellenplatz und ist damit bereits ausgeschieden. Doch sollten Obradovic und sein Stab in der Vorbereitung darauf hinweisen, wenn sie doch nicht genau wissen, woher dieser Blues kommt? Ist es der Druck, vor den eigenen Fans zu bestehen? Oder überzogenes Vertrauen in die persönlichen Fähigkeiten, die zu falschen Reaktionen verleitet? Leichtsinn? Obradovic sagt: „Es geht um die mentale Vorbereitung.“

„Nicht wach genug“

Will Cherry etwa meinte vor der 74:87-Niederlage am vergangenen Sonntag gegen Bamberg, in Duellen mit Mannschaften dieser Klasse seien sie besonders gut, weil besonders motiviert, doch in der Partie selbst war der Spielmacher dann abgemeldet. Er lief mit den Bambergern mit, wie seine Teamkollegen auch. Es gelang ihm nicht, den angestrebten Stil in der eigenen Mannschaft durchzusetzen.

„Wir waren nicht wach genug“, sagte Center Elmedin Kikanovic, ohne erklären zu können, wieso. Kresimir Loncar meinte: „Wir sind eine Mannschaft mit soliden Spielern, da ragt nicht einer heraus. Wir müssen als Kollektiv hart arbeiten, um Erfolg zu haben.“ Der Power Forward war gegen Bamberg ein Ziel der Kritik von Obradovic. Nicht weil er in der ersten Hälfte nachlässiger gewesen wäre als die anderen, sondern wohl eher, weil der Coach in ihm eine Führungsfigur sieht, die für Ordnung sorgt, wenn die Kontrolle verloren geht. „Krešo!“, brüllte Obradovic dem 32-Jährigen durch den Lärm der Elftausend hinterher, nachdem der einen Ball fahrlässig weggeworfen hatte. Es war einer dieser Momente, in dem Obradovic vor seiner eigenen Einwechslung zu stehen schien.

Obradovic vermisst Reaktion

Niederlagen hat schon das Alba-Team der vergangenen Saison hinnehmen müssen, auch gegen Bamberg am zweiten Weihnachtsfeiertag 2014 (69:98). Doch folgte darauf jene Reaktion, die Obradovic diesmal offensichtlich vermisst. Damals war Clifford Hammonds einer der Eckpfeiler im Kader, einer, den sie im Basketball einen Floor General nennen. Der Spielmacher verkörperte den Stil, den Obradovic favorisiert: mit maximaler Intensität in der Verteidigung zu jeder Zeit. Er zog die anderen mit. Hammonds ist nach einer Babypause inzwischen in der Development League bei den Reno Bighorns untergekommen.

Theoretisch sind den Spielern die Anforderungen des Systems Obradovic durchaus bewusst. Center Kikanovic sagt: „Wir sind dann stark, wenn wir Ballgewinne durch harte Defensive in Punkte umwandeln.“ Das will jedoch nicht in der Konstanz der vergangenen Spielzeiten gelingen. Und nun kommt Brindisi, der Tabellenletzte, ohne Erwartungen und mit zuvor verletztem Schlüsselspieler. Die Last liegt auf den Schultern der Berliner, sagt also Obradovic: „Aber in einer solchen Drucksituation zeigt sich, was für ein Spieler du bist. Ich erwarte, dass meine Spieler mit diesem Druck in der richtigen Weise umgehen.“ Nach dem Sprungball bleibt einem Trainer nicht viel mehr als das.


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