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Mithat Demirel: Ex-Alba-Sportdirektor führt Darüssafaka Istanbul zum Erfolg

Projektleiter: Mithat Demirel.

Projektleiter: Mithat Demirel.

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DPA/Wolfgang Kumm

Oft hilft ein Beispiel, um eine Idee zu erklären. Bei Mithat Demirel war das ein gewisser Scottie Wilbekin. Demirel ist der General Manager des Basketballklubs Darüssafaka Istanbul. Der Moment nun, in dem Wilbekin zur Erklärung wurde, kam am 14. Dezember in Izmir. Sie spielten in der türkischen Liga, Darüssafaka lag 71:73 zurück, als der Point Guard zum Distanzwurf ansetzte. Die letzten Sekunden liefen, der Ball segelte im Bogen durch die Luft und rauschte durch den Korb: drei Punkte, der Sieg, die Erklärung, endgültig.

Seit Oktober ist Mithat Demirel bei Darüssafaka in verantwortlicher Position. Er kam von Alba Berlin, und ein bisschen hat damit auch zu tun, dass er dem 22-jährigen Wilbekin einen langfristigen Vertrag gab, als es um eine Verstärkung im Aufbau ging. Die Verantwortlichen im Klub verstanden nicht, warum ihr neuer General Manager keinen fertigen und viel teureren Profi haben wollte. „Solche Spieler waren noch zu haben. Das Geld dafür wäre vorhanden gewesen“, erzählt Demirel. Doch er erklärte ihnen, dass ein Team erst funktioniert, wenn die Mischung stimmt. So war es zuletzt bei Alba. So soll es jetzt bei Darüssafaka sein: jung mit Perspektive, alt mit Routine, Türke, Amerikaner, Serbe – die Klubchefs haben es dann eingesehen. Richtig geglaubt haben sie es erst nach Wilbekins Dreier in Izmir.

Sie vertrauen Demirels Expertise, sie wollten sie ja auch unbedingt. „Das habe ich gespürt, sonst hätte ich diesen Schritt weg von Alba nicht gemacht.“ Ein weiterer Grund: „Dieses Projekt ist auf Nachhaltigkeit angelegt.“ Es begann vor anderthalb Jahren in der zweiten türkischen Liga und ist inzwischen in den Top 16 der Euroleague angekommen. In der europäischen Eliteliga befinden sie sich jetzt in einer Gruppe mit namhaften Teams wie Panathinaikos Athen. Und zusammen mit der lokalen Konkurrenz von Fenerbahçe und Efes Istanbul.

Drei türkische Teams in der Runde der besten 16 – der Basketball des Landes boomt. Nachdem der Fußball durch einen Manipulationsskandal erschüttert worden war, suchten sich Sponsoren neue Betätigungsfelder. „Positiv wirkt sich auch die gute Konjunktur aus“, sagt Demirel. Bei Darüssafaka ermöglichte ein Mischkonzern namens Dogus den Aufschwung. Er sponsert seit 2014 die Basketballer. Der Vertrag läuft über 25 Jahre.

Dogus ist eine Holding mit 18.000 Mitarbeitern. Sie operiert im Bausektor, betreibt Kliniken und Häfen, hat Beteiligungen im Tourismus, der IT-Branche, im Immobilienbereich, Automobilbau, Energie- und Finanzwesen. Die TV-Sender des Konzerns zeigen die Basketballspiele der türkischen Liga und der Euroleague, die Dogus ebenfalls sponsert. Der Gesamtumsatz der Gruppe beträgt rund vier Milliarden Euro.

Welche finanziellen Spielräume das eröffnet, zeigte sich, als Darüssafaka kurzfristig das Startrecht für die Euroleague erhielt. Die bisherige Spielstätte entsprach nicht den geforderten Standards. Zwar verfügt Istanbul über taugliche Arenen, doch entschied Dogus, die Basketballer auf einem firmeneigenen Gelände unterzubringen. Dort stand eine Konzerthalle. Die wurde nun rasch für Basketball umgerüstet. „Vor einem Jahr kamen rund 1000 Fans zu den Spielen“, sagt Demirel. Die neue Arena ist mit 5.000 Zuschauern regelmäßig ausverkauft, in der Euroleague jedenfalls. „Das hat Efes in 20 Jahren nicht geschafft“, sagt Demirel. Seinem Klub hilft, dass im Umfeld der Arena Werbeagenturen der Holding angesiedelt sind, mit oft jungen Mitarbeitern, die sich für den jugendaffinen Sport Basketball begeistern lassen.

Darüssafaka spielte schon während der Sechzigerjahre europäisch, jetzt kehrt der Klub zu alter Blüte zurück. Die Entwicklung verläuft rasant, niemand kann garantieren, dass es so weitergeht, auch Demirel nicht. Er ist aber überzeugt, „dass der Klub das Potenzial hat, in drei bis fünf Jahren das Final Four der Euroleague zu erreichen“. Fünf Jahre sind im Profisport eine lange Zeit. Für zwei Jahre hat sich Demirel erst einmal an Darüssafaka gebunden. Er hat sich zudem eine Option auf drei weitere Spielzeiten in den Vertrag schreiben lassen. Frau und Sohn sind mit nach Istanbul gezogen. Der Junior geht in eine türkisch-englische Kita. Demirels Eltern pendeln zwischen Berlin und der Türkei. Reisen gehört zum Alltag der Familie.

Zum Alltag eines Sportmanagers gehört es sowieso. Heiligabend ist Demirel nach Berlin geflogen und am zweiten Weihnachtsfeiertag gleich wieder zurück, weil das Spiel gegen Basaksehir anstand. Rein in die Sicherheitsschleuse, raus aus der Sicherheitsschleuse. Gewohnheitssache ist auch das. In Istanbul gehören die Metalldetektoren ohnehin zum Stadtbild. Die Lage ist angespannt. Kurz nachdem Demirel bei Darüssafaka angefangen hatte, jagte sich auf dem Taksim-Platz ein Selbstmordattentäter in die Luft. Viele Menschen wurden verletzt.

Angespannte Lage

Dass die Türkei in dem Konflikt um Syrien eine Schlüsselposition besetzt, spüren die Istanbuler, wenn auch das Gefühl nicht neu für sie ist. Die Türkei ist ein gespaltenes Land, in dem oppositionelle Gruppen und Regierung ihre Konflikte auch mit Gewalt austragen. Die Wahlen im November, in denen Tayyip Erdogan mit seiner gemäßigt islamistischen AKP die absolute Mehrheit errang, haben nicht gerade zur Entspannung beigetragen. „Die Leute hier wissen damit zu leben“, so Demirel.

Für Ausländer ist das schon schwieriger. Für Reggie Redding etwa. Er kam ebenfalls vor der Saison von Alba zu Darüssafaka. Redding hatte schon während seiner zwei Jahre in Berlin Heimweh. Über Weihnachten wäre er sicher lieber daheim in Philadelphia/Pennsylvania gewesen. Doch die Arbeit geht vor. Zumal es für den Flügelspieler noch einiges zu tun gibt. „Als Reggie zu Alba kam, hieß es: Ach ja, der hat in Tübingen gespielt. Der Druck war nicht groß“, sagt Demirel. „Bei Alba reifte er zum Schlüsselspieler, deshalb sind die Erwartungen jetzt viel höher.“ Die konnte er vor allem am Anfang nicht immer erfüllen. Reggie Redding – eigentlich auch ein gutes Beispiel. Dafür, dass so ein Wechsel im Sport immer ein Einschnitt ist.



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