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Alba_Berlin

Sportler-WG: Alba-Spieler in der Gemeinschaftsküche

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Vierer ohne Steuermann: Rijad Avdic, Tim Schneider, Benedikt Turudic und Ferdinand Zylka (v.l.) im Flur ihrer Wohngemeinschaft in Mitte.

Foto:

Sebastian Wells

Berlin -

Patrick Femerling ist in der Küche. Er ist immer da. Morgens, wenn sie frühstücken, und abends, wenn sie nach Hause kommen vom Training oder von der Schule. Femerling hält eine Plexiglasplatte in die Höhe, eine Trophäe. Hinter dem Center steht die Mannschaft auf einem Podest, lacht, jubelt.

Erinnerung an 2008

Das Foto entstand 2008 in Bonn, als Alba Berlin zum bisher letzten Mal deutscher Basketball-Meister wurde. Jetzt hängt es in der Küche beim Esstisch, hängt über den Köpfen von Rijad Avdic, Tim Schneider, Benedikt Turudic und Ferdinand Zylka wie eine Botschaft: Das könntet ihr sein, irgendwann.

Es ist früher Nachmittag als die vier sich um den Esstisch versammeln und nun auch sichtbar eine Wohngemeinschaft sind. Die Alba-WG in einem Mietshaus im Bezirk Mitte, unweit des Nordbahnhofs. Vier Zimmer, zwei Bäder, die Küche. Im zweiten Jahr gibt es sie, also noch nicht lange, gemessen an dem Jugendprogramm des Klubs. Das wird dieser Tage ein Jahrzehnt alt. Die WG ist ziemlich weit oben an der Spitze des Programms, wenn man es sich als Pyramide vorstellt mit dem Kitasport an der Basis, darüber Grundschule, Oberschule und bald sogar Universität. „Alba macht College“ heißt das neueste Projekt.

Die vier aus der WG befinden sich auf dem Sprung vom angehenden Abiturienten zum angehenden Berufsbasketballer. Benedikt Turudic ist auf dem Weg am weitesten. Er wohnt am längsten in der WG, ist deshalb nicht nur wegen seiner 19 Jahre eine Art Stubenältester. „Es ist manchmal lustig zu sehen, dass die anderen die gleichen Fehler machen wie man selbst früher“, sagt Turudic. Der Klassiker: „Die Trainingsklamotten nicht waschen und dann beim Taschepacken merken: ,Uuups, was ziehe ich jetzt an?’“

Abitur an der Sprachenschule

Turudic hat schon eine Saison lang allein gelebt, als er zur U18 von Cedevita Zagreb gehörte. Wie Zylka, 17, und Schneider, 18, hat er eine Doppellizenz. Sie spielen in der Nachwuchsliga (NBBL) und sammeln Erfahrungen mit dem Bundesligateam im Training und bei Spielen. Ihr Tag ist vollgepackt, die Belastung hoch. „Um sechs stehe ich auf“, erzählt Zylka. „Um acht beginnt der Unterricht.“ Sie gehen aufs Sportgymnasium in Hohenschönhausen. Alba trainiert in Mitte. Würden Zylka und Schneider bei den Eltern wohnen, in Lichterfelde und in Stahnsdorf, verbrächten sie den halben Tag in Bus und Bahn. Avdic wiederum wäre ohne die WG wohl nicht bei Alba. Der 17-Jährige stammt aus Sarajevo. In Berlin macht er jetzt an einer Sprachenschule Abitur.

Das ist eine der Antworten auf die Frage, was das soll: eine Alba-WG. Jugend-Sportchef Konstantin Lwowsky fasst zusammen: „Eine ordentliche Wohnung, die gut liegt.“ Im Wort ordentlich verbirgt sich eine zweite Antwort.

„Durch die WG lernen die Spieler, eigenverantwortlich ihren Alltag zu organisieren.“ Ordnung halten eben, im Kleiderschrank mit den Trainingssachen ebenso wie im Zimmer selbst. Und im Kühlschrank. „Am Anfang waren die kritischen Bereiche die Küche und das Bad“, sagt Turudic, „aber inzwischen läuft es ganz gut.“

  1. Alba-Spieler in der Gemeinschaftsküche
  2. Nicht so frei wie eine Spielerwohnung, nicht so ernst wie ein Internat
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