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Bayern München: Gomez soll's richten

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Schnürt schon mal die Kickstiefel: Mario Gomez.
Schnürt schon mal die Kickstiefel: Mario Gomez.
Foto: Bongarts/Getty Images
München –  

Mario Gomez meldet sich nach seiner Verletzung zurück und darf in der Champions League gegen Borissow auf einen Platz in der Startelf hoffen. Holger Badstubers Mutter Helga spielt Psychologin.

Es mag etwas abseitig erscheinen, aber aus gegebenem Anlass soll an dieser Stelle Helga Badstuber zu Ehren kommen. Wer noch nicht von ihr gehört haben sollte: Helga Badstuber ist die Mutter des Nationalspielers Holger Badstuber, der sich beim 1:1 seines FC Bayern München im Bundesliga-Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund einen Kreuzbandriss zugezogen hatte und bereits erfolgreich operiert worden ist. Die Saison dürfte für den 23 Jahre alten Innenverteidiger gelaufen sein, was für ihn kurz vor Weihnachten eine ziemlich niederschmetternde Aussicht bedeutet. Doch wenn die Münchner mal wieder die Beratung eines Psychologen erwägen sollten, könnten sie sich durchaus an Helga Badstuber wenden.

Erster werden

Nach dem vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale der Champions League geht es für den FC Bayern München im letzten Spiel am heutigen Mittwochabend gegen Bate Borissow noch um den Gruppensieg. Der wäre insofern wichtig, da die Bayern dann im Achtelfinale einen Gruppenzweiten zugelost bekämen und zudem zuerst auswärts antreten dürften. Als Gruppensieger gingen sie beispielsweise zunächst mal dem FC Barcelona aus dem Weg.

Der deutsche Fußball-Rekordmeister ist dabei gegenüber dem Mitkonkurrenten FC Valencia, der ebenfalls zehn Zähler hat, im Vorteil, weil bei Punktgleichheit der direkte Vergleich entscheidet. Die Bayern haben diesen gegen die Spanier nach dem 2:1-Sieg in München und dem 1:1 im Rückspiel vor zwei Wochen gewonnen.

Die Bayern werden Gruppensieger...

… wenn sie ihr Heimspiel gegen Bate Borissow gewinnen. Dann zählte, einen Sieg des FC Valencia beim OSC Lille vorausgesetzt, der direkte Vergleich zwischen den beiden Erstplatzierten in der Gruppe. Und den haben die Bayern wie gesagt für sich entschieden.

… wenn sie gegen Borissow unentschieden spielen und der FC Valencia parallel nicht beim OSC Lille gewinnt.

… wenn die Bayern gegen Borissow verlieren und Valencia in Lille ebenfalls unterliegt.

Es klang jedenfalls ziemlich professionell, was sie laut Abendzeitung sagte vor dem heutigen Champions-League-Spiel der Bayern gegen Weißrusslands Meister Bate Borissow, gegen den mit einem Sieg Platz eins in der Gruppe F sicher und damit die wahrscheinlich bessere Ausgangslage fürs Achtelfinale erreicht wäre. „Das Reha-Programm ist ja heutzutage gleich straff durchgeplant. Das ist vielleicht auch gut so, weil man dann nicht ins Grübeln kommen kann. Holger darf jetzt auch nicht negativ denken“, sagte also Profi-Mutter Badstuber.
Die schwere Verletzung bedeute für ihren Sohn allerdings eine neue Erfahrung, er sei schließlich „als Kind nicht mal von der Schaukel gefallen“. Doch Anlass zur Sorge besteht eigentlich nicht, die Mama jedenfalls lebt positives Denken vor. „Er ist sehr willensstark, der kommt da durch – ganz sicher“, sagte sie.

Neue Erfahrung für Gomez

Mario Gomez ist bereits durchgekommen, er lebt Badstuber sozusagen gerade ein Comeback vor. Auch der Nationalstürmer war ja relativ lange verletzt, wenngleich vergleichsweise kurze 15 Wochen, von Anfang August bis Mitte November. Doch auch für den 27 Jahre alten Torjäger war das eine neue Erfahrung, in dessen Karriere meist nur kleine Blessuren Eingang in die Krankenakte fanden. Darunter ein Dekubitus, den der Münchner Fachmann Mehmet Scholl allgemeinverständlich während der EM als wund liegen im Spielbetrieb diagnostiziert hatte.
Nett war diese Missachtung der Schweigepflicht nicht, und auch Oberarzt Uli Hoeneß hatte sich beim Gomez-Bashing hervorgetan, als er befand, Gomez sei gut, aber nicht sehr gut, sonst hätte man schließlich die Champions League gewonnen. „Da hat mir Uli Hoeneß natürlich einen schönen Stein hingeworfen“, sagte Gomez nun der Süddeutschen Zeitung. Immerhin ist es nicht wieder die Eiger-Nordwand, die er laut Hoeneß früher mal erklimmen musste.

Einigen Ballast hat der Angreifer dennoch mit sich herumgeschleppt in seiner Verletzungspause, ganz abgesehen von den Sorgen um sein Sprunggelenk, aus dem freier Knorpel entfernt werden musste, eine sogenannte Gelenkmaus. Doch Gomez hat sich unbeirrt zurückgemeldet. Schon als er im Aufbautraining spürte, dass sich seine Fitness bessert, verkündete er selbstbewusst: „Ich werde wieder treffen, wie ich will.“ Man konnte das für ziemlich großspurig halten oder für zur Schau gestellte Gelassenheit. In jedem Fall hat Gomez erst mal durchaus Wort gehalten.

Gleich wieder getroffen

In einem Testkick traf er gleich viermal und brachte gar einen Ball zum Platzen. Bei seiner Rückkehr in einem Pflichtspiel am 20. November in der Champions League beim FC Valencia verdiente er sich drei Minuten nach seiner Einwechselung die Vorlage zum 1:1-Endstand. Vier Tage später in der Bundesliga erzielte er das 5:0 gegen Hannover 96, exakt 26,84 Sekunden nach seiner Hereinnahme. Zuletzt, gegen Dortmund, bereitete Gomez nach seiner Einwechslung in der 86. Minute sogar nach 13 Sekunden beinahe das 2:1 vor. Nur zuvor beim 2:0 in Freiburg, als er von Beginn an auflaufen durfte, fand Gomez keine Bindung und wurde nach knapp einer Stunde herausgenommen. „Mario braucht noch mehr Spielpraxis“, sagte Trainer Jupp Heynckes danach. Der 67-Jährige war früher selbst ein Weltklassestürmer, er weiß, dass die Form erst nach und nach kommen wird.

Gegen Borissow wird Gomez wieder mehr Zeit auf dem Feld eingeräumt bekommen als gegen den BVB. „Mario ist natürlich eine Option“, sagte Heynckes gestern. Ein Einsatz im eigenen Stadion „mit der Unterstützung des Publikums“ könne hilfreich sein. Das klang ganz danach, dass Gomez sogar von Beginn an spielt. Claudio Pizarro, den eine Erkältung plagt, muss für heute Abend passen, und der Kroate Mario Mandzukic war zuletzt nicht mehr so treffsicher.

Gomez jedenfalls hofft auf die nächste „Gefühlsexplosion“, die er durch sein Tor gegen Hannover erlebt hatte, was wohl auch ein bisschen auf Hoeneß und Scholl zurückzuführen war. Holger Badstuber kann sich mit derartigen Comeback-Aussichten vielleicht ein wenig trösten. Auch wenn er jetzt erst mal vor der Eiger-Nordwand steht.

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