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Benedikt Höwedes DFB-Team: „Hier kann schnell rotiert werden“

Hat seinen Einsatz mit Schmerzen im Oberschenkel bezahlt: Benedikt Höwedes (r.).
Hat seinen Einsatz mit Schmerzen im Oberschenkel bezahlt: Benedikt Höwedes (r.).
Foto: dpa

Verteidiger Benedikt Höwedes über den Konkurrenzkampf in der Abwehr, die Schmerzen nach dem Spiel auf Kunstrasen und den Kampf mit Schalke um Platz vier

Benedikt Höwedes hat sich in der Abwehrhierarchie in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vor Jérôme Boateng geschoben. Im Interview berichtet der 25-Jährige über eine durchwachte Nacht im Flugzeug mit schmerzendem Oberschenkel.

Herr Höwedes, Sie mögen den Rapper Kanye West, der schon mal eine Therapie für Aggressionsbewältigung absolvieren musste, und den Actionfilm Killer Elite. Sind Sie selbst auch ein harter Typ?

Ich habe keinen Hang zur Aggression, aber die Musik von Kanye West ist mir auf alle Fälle lieber als Schlager oder Volksmusik. Und ein Thriller lieber als Pretty Woman.

Zur Aggressionsbewältigung gab es bei Ihnen nie Anlass? Mal eine zünftige Hauerei auf dem Schulhof vielleicht?

Nein, so ein Typ war ich nie. Ich bin ziemlich behütet aufgewachsen in Haltern. Ich habe viel mit Freunden unternommen und bin dort noch stark verwurzelt. Meine Eltern und Schwiegereltern wohnen dort, alle meine Freunde kommen gebürtig da her.

Ballack analytisch

Wer böse Worte von Michael Ballack gegen Joachim Löw erwartet hatte, hörte keine. Bei seinem ersten Auftritt als Kritiker der Fußball-Nationalmannschaft im deutschen Fernsehen agierte der ehemalige Kapitän eher analytisch denn emotional. Keine versteckten Fouls, kein verbales Nachtreten - die Zeichen im Verhältnis zwischen Bundestrainer und einstigem Führungsspieler stehen nach einer Phase mit Entfremdung, Ablehnung und Zank nun eindeutig wieder auf Annäherung.

Als Ersatzmann für Oliver Kahn analysierte Ballack im ZDF den 3:0-Sieg in Kasachstan - allerdings aus mehr als 4000 Kilometern Entfernung im Mainzer Studio. Die innere Distanz, die Ballack nach seinem unrühmlichen Karriereende zum DFB-Zirkel aufgebaut hat, war zu spüren. Zwar kennt er „viele in der Nationalmannschaft noch gut“, das Team nannte er aber wie ein Außenstehender „die Deutschen“.

Und das Verhältnis zu Löw? Überraschend fand Ballack sogar die Personalpolitik des Bundestrainers, der er selbst zum Opfer gefallen war, verständlich. „Ich finde es konsequent zu sagen, ich habe meinen Spielerkreis“, sagte der 36-Jährige zur Diskussion um den faktisch aussortierten Leverkusener Stürmer Stefan Kießling. Als Löw nach der WM 2010 eben diese Haltung vertreten und immer wieder auf ihn verzichtet hatte, hatte Ballack die Lage noch völlig anders gesehen.

Am Dienstag gibt es womöglich ein direktes Wiedersehen, wenn Ballack beim Rückspiel gegen Kasachstan in Nürnberg auf DFB-Einladung zu Gast ist. Dem Vernehmen nach könnte der langjährige Kapitän im Frankenstadion nicht nur auf der Tribüne sitzen, sondern offiziell vom DFB mit Blumen bedacht werden. Ein öffentlicher Handschlag mit Bundestrainer Löw erscheint nicht mehr undenkbar.

Sie mögen die schwedische Metropole Stockholm, aber nicht Mallorca. Da sind Sie als Fußballprofi klar in der Minderheit.

Ich mag Städtereisen sehr gerne und war mit sechs Freunden in Stockholm. Wir haben uns ein Häuschen am Wasser gemietet. Tolle Landschaft, klasse Leute.

Eigentlich fahren sechs Freunde eher nach Mallorca.

Da war ich auch schon, aber Ballermann ist nicht mein Highlight.

Hier in Herzogenaurach schlagen Sie sich nach dem Spiel gegen Kasachstan mit Oberschenkelproblemen herum?

Ja, ein Ziehen im linken Oberschenkel. Zum Glück aber nur eine Verhärtung. Der Muskel muss sich von den Strapazen erholen.

Von den Strapazen auf Kunstrasen oder denen, die Ihnen Kasachstan bereitet hat?

Sowohl als auch. Der Kunstrasen ist eine ganz andere, krasse Belastung. Vor allem auch für die Füße. Viele von uns haben über Fußprobleme geklagt, weil man ständig im Schuh rutscht, ganz egal, wie hart er geschnürt ist.

Man hätte annehmen können, Kasachstan wäre ein idealer Gegner, um mal eine Woche lang in den Sparmodus zu gehen.

Hier wird nicht im Sparmodus gespielt. Jeder weiß hier um die Konkurrenz in der Mannschaft und darum, dass schnell rotiert werden kann.

Wie haben Sie die Nacht im Flieger zurück verbracht?

Ich konnte nicht großartig schlafen, weil ich vom Spiel noch so aufgekratzt und voller Adrenalin war und den Oberschenkel auch schon gespürt habe.

Wie ergeht es Ihnen als einziger verbliebener Schalker inmitten von sechs Bayern, fünf Dortmundern, drei Hamburgern und je zwei Madrilenen und Londonern? Fühlen Sie sich ein bisschen einsam?

Ich fühle mich sehr wohl. Die Mannschaft ist total in Ordnung, und viele Mitspieler kenne ich schon ewig lang aus der U 21.

Sie haben in Kasachstan erstmals als Innenverteidiger in der Startelf gestanden. Davor als rechter oder linker Verteidiger. Was können Sie am besten?

Innenverteidiger. Aber wenn der Bundestrainer mich als Außenverteidiger aufstellen möchte, dann mach ich das. Und ich finde, ich habe hier immer auch meine Leistung gezeigt. Das zeigt, dass auf mich Verlass ist. Ich werde jedenfalls keine Ansprüche stellen.

Im Verein haben Sie als Kapitän eine Führungsrolle. Was machen Sie anders als im DFB-Team?

Es ist nicht so, dass ich mich hier verstecke und keinen Mucks sage. Aber meine Position bei Schalke ist natürlich eine ganz andere. Dort übernehme ich viel mehr Verantwortung, hier sind viel mehr Leute, die einen ganz anderen Stellenwert haben.

Können Sie einem Frankfurter Fan, der seine Mannschaft auf Rang vier stehen sieht und befürchtet, dass Schalke 04 sie noch abfangen kann, erklären, wie es zu dieser Berg-und Talfahrt gekommen ist?

Wir haben erst geschwächelt, weil wir unheimlich viele Personalsorgen hatten, dann haben einige Spieler nicht mehr ihren Rhythmus gefunden. Und dann wurde es auch zu einem Kopfproblem. Zwischenzeitlich hatten wir die Kurve wieder ein bisschen bekommen. Aber dann kam Galatasaray.

Das Aus in der Champions League. Sie waren sehr sauer.

Ja. Jeder weiß doch, wie toll es ist, in der Champions League zu spielen. Umso mehr hoffe ich, dass wir in der Bundesliga den vierten Platz erreichen.

Mitte April kommt es zum Spiel in Frankfurt. Wann wäre die Saison für Sie eine Enttäuschung?

Sobald wir überhaupt nicht in einen internationalen Wettbewerb gelangen würden. Wobei mein Anspruch die Champions League ist. Das ist der Wettbewerb, in dem man unheimlich an Erfahrung gewinnen kann mit Spielen, die einem ewig im Gedächtnis bleiben.

Dafür haben Sie auch bis 2017 auf Schalke verlängert. Sie werden vom bestens vernetzten Berater Volker Struth gemanagt. Gibt es eine Ausstiegsklausel?

Ich werde mich zu Vertragsinhalten nicht äußern.

In Frankfurt sorgen sich die Fans, dass Trainer Armin Veh zu Schalke 04 wechselt. Können Sie die Anhänger beruhigen?

Da wissen Sie bestimmt auch, auf welche Antwort das hinausläuft (lacht). Ich werde Ihnen dazu nichts sagen können. Wir Spieler haben keinen großen Einfluss.

Herr Höwedes, Sie sind Kapitän. Mit Ihnen wird doch über ein solch gewichtiges Thema sicher auch gesprochen.

Selbst wenn ich dazu etwas sagen könnte, würde ich es hier an dieser Stelle nicht tun. Und ganz ehrlich: Direkt eingebunden wird man als Kapitän da nicht. Man kann allenfalls mal den ein oder anderen Hinweis geben. Das ist für uns kein Wunschkonzert.

Nach dem Sieg gegen Borussia Dortmund hat eine Superzeitlupe mit ihrem Jubel für Aufsehen gesorgt. War die Kamera dabei zu nah am Menschen?

Ach, das gehört mittlerweile dazu. Da wurde sicher eine Sekunde auf zehn Sekunden Zeitlupe gestreckt. Den Fans hat es gezeigt, mit welchem Enthusiasmus auch Profis bei der Sache sind. Ich glaube, das ist gut angekommen.

Das Gespräch führte Jan Christian Müller.

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