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Bernd Stange: Singapur statt Kernberge

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Chef in Singapur: Bernd Stange.
Chef in Singapur: Bernd Stange.
Foto: ap/Darko Bandic

Fußballtrainer Bernd Stange aus Jena ist ein Weltenbummler. Seit kurzem ist er der Chefcoach der Nationalmannschaft von Singapur. Dort will der 65-Jährige seine Karriere als Trainer auch beenden.

Bernd Stange ist ein wenig gestresst. „Ich stehe im Feierabendverkehr und habe nachher ein Abendessen mit dem Präsidenten des Fußballverbandes von Singapur“, ruft der 65-jährige Trainer ins Mobiltelefon. Die Verbindung ist perfekt. Die Football Association of Singapore (FAS) hat Stange kürzlich zum Nationaltrainer beim 165. der Fifa-Weltrangliste berufen.

Eigentlich könnte Stange seinen Ruhestand genießen – in seinem Haus oben auf den Jenaer Kernbergen. Doch Stange ist rastlos. Seit einigen Wochen lebt er in einem Hotel in Singapur. Er ist mit einem Vertrag bis 2015 ausgestattet. „Ich übe meinen Job noch immer mit viel Enthusiasmus aus“, sagt er später, „aber das in Singapur ist definitiv mein letzter Vertrag.“ Es ist immerhin die fünfte Station des Jenensers als Nationaltrainer eines Landes. Einst war er Chefcoach der DDR-Nationalmannschaft, später betreute er die Auswahlteams im Oman, im Irak und zuletzt von 2007 bis 2011 die von Weißrussland. Auch Vereine im Ausland, wie Limassol auf Zypern und Perth Glory in Australien stehen in seiner Vita. Mit einer Karriere in einem großen europäischen Klub oder in der Bundesliga – bis auf ein Intermezzo beim VfB Leipzig – hat es dagegen nicht geklappt. Die Ursache dafür liegt vor allem bei Stange selbst. Als er Mitte der Neunzigerjahre als Sportdirektor bei Hertha BSC arbeitete, wurden seine Verstrickungen mit der Stasi publik, die ihn als Inoffiziellen Mitarbeiter führte, der aus der Fußballszene berichtete. Stange trat zurück und fand fortan nur noch Anstellungen im Ausland.

Mit dem Sultan von Brunei

Nun also Singapur. Der dortige Verband hatte über 100 Bewerber für den Nationaltrainer-Posten in einem langen Verfahren diskutiert. Stange sagt: „Eines Tages bekam ich einen Anruf von einem Headhunter aus London, der mir den Job anbot. Ich dachte erst, es handelt sich um die ‚Versteckte Kamera‘.“ Später flog Stange nach London, und es kam zu Verhandlungen mit dem Fußball-Boss von Singapur. Der Coach soll nun nicht nur die Nationalelf zum Asien-Cup 2015 führen, er soll auch die Nachwuchs-Auswahlteams betreuen und die Trainerausbildung voranbringen. „Als das Angebot kam, habe ich sofort Ja gesagt“, erzählt Stange. Er verschafft sich gerade einen Überblick über den Fußball des Stadtstaates, der allerdings auch immer wieder negative Schlagzeilen produziert, weil von dort aus Syndikate der Wett-Mafia international operieren.

Die Spieler aus Singapur seien technisch beschlagen, aber körperlich eher schmächtig, sagt Stange. Sie gelten als sehr fleißig. Die S-League, die oberste Spielklasse, kommt kunterbunt daher. „Da spielt auch die Mannschaft des Sultans von Brunei mit und die U21 von Malaysia“, sagt Stange. Das erscheint schon reichlich dubios. Er verspüre jedenfalls eine Art Aufbruchstimmung. Im April 2014 soll in Singapur ein neues, hochmodernes Stadion eröffnet werden – „das Beste vom Besten“, schwärmt der Mann aus Jena, „das wird eine traumhafte Arena mit Schiebedach und beweglichen Traversen.“ Dort soll er künftig die Heimspiele mit der Nationalelf bestreiten. Der umtriebige Stange behauptet zwar, Singapur sei definitiv der letzte Vertrag seiner turbulenten Karriere, aber der Verband besitzt eine Option auf weitere zwei Jahre. Das Abenteuer Singapur kann also für Bernd Stange noch länger dauern als bis zum Sommer 2015 – bei entsprechendem Erfolg.

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