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BFC Dynamo: Sprung aus der Schublade

Drei Schritte zurück, einen Schritt voraus: Stephan Flauder bleibt in Bewegung.

Drei Schritte zurück, einen Schritt voraus: Stephan Flauder bleibt in Bewegung.

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Imago/Karina Hessland

Berlin -

Stephan Flauder ist immer in Bewegung. Während der Torhüter des BFC Dynamo spricht, blicken seine dunklen Augen abwechselnd in alle Himmelsrichtungen, Hände und Arme begleiten die Worte mit ausladenden Gesten, und wenn er besonders scharf nachdenkt, lässt er seinen Rücken gegen die Stuhllehne prallen und wirft den Kopf in den Nacken.

Stillsitzen gehört nicht unbedingt zu den Lieblingsbeschäftigungen des 27-Jährigen, aber anders als beim Zweitligisten Erzgebirge Aue, wo Flauder nahezu zwei komplette Spielzeiten auf der Bank saß, ist diese Eigenschaft beim BFC Dynamo auch nicht gefragt. Bei dem Oberligisten ist der 1,97-Meter-Mann seit gut zehn Monaten die Nummer eins im Tor und „ein Garant für den Aufstieg“, wie Kevin Meinhardt findet, der Sportliche Leiter des BFC.

Nach 15 Jahren wird der Verein in der kommenden Spielzeit erstmals wieder in der Regionalliga Nordost spielen, am Mittwoch soll Schlussmann Flauder seinen Klub gegen den FC Viktoria 1889 aber erst einmal ins Finale des Berliner Pokals führen (18 Uhr, Sportforum Hohenschönhausen). Der sieht das ganz locker: „Wir haben unser Saisonziel erreicht, der Aufstieg ist geschafft. Viktoria spielt schon jetzt eine Liga höher, ob wir jetzt da spielen oder zur Gartenarbeit gehen, das ist genau derselbe Druck.“

Sportchef Meinhardt aber würde gern den Titel verteidigen, schon allein wegen der 120 000 Euro Preisgeld, die der Sieger erhält. Er sagt: „Die könnten wir gut brauchen.“ Zum Beispiel für die Verpflichtung von neuen Spielern. Außerdem gilt das Halbfinale gegen den Regionalligisten als Gradmesser für die kommende Saison, schließlich strebt der BFC an, hinter Bundesligist Hertha BSC und Zweitligist 1. FC Union die dritte Kraft im Berliner Fußball zu werden.

Erfolg ist wichtig für den Klub, hat man doch viele Jahre eher durch Skandale als durch sportliche Höchstleistungen auf sich aufmerksam gemacht.

Götz grüßt nicht

Auch Torwart Flauder hatte den einstigen DDR-Serienmeister zunächst überhaupt nicht auf dem Schirm, als er im vergangenen Sommer von Aues neuem Trainer Falko Götz aussortiert worden war. „Zuerst habe ich gesagt, alles was unter Dritte Liga ist, interessiert mich nicht“, erzählt er heute. Doch als das Angebot von Meinhardt kam, geriet er doch ins Grübeln. „Es ist eben doch etwas anderes, einen Verein, der am Boden war, langsam wieder zum Erwachen zu kriegen, als in Aue Jahr für Jahr nur das Ziel zu haben, gegen den Abstieg zu spielen“, sagt Flauder.

Zweifel hatte er aber schon: „Oberliga ist ja noch mal etwas anderes. Was ist, wenn du nicht aufsteigst, kommst du dann da wieder weg?“, fragte er sich. Den Ausschlag gab schließlich Jörn Wemmer, der seine aktive Karriere Ende 2013 beim BFC beendet hatte. „Wir kannten uns aus Aue, er hat mir gesagt, dass hier auf jeden Fall was möglich ist“, erzählt Flauder.

Für mehr Spielanteile und eine neue Aufgabe wagte sich der Keeper also schließlich drei Ligen abwärts, mit seinem Trainer Götz sprach er aber zunächst nicht über seine Wechselabsichten. Der ehemalige DDR-Fußballer hätte ihm den Hauptstadtklub wohl auch kaum empfohlen, schließlich hat er selbst eine bewegte Vergangenheit mit dem BFC Dynamo: Vor mehr als 25 Jahren türmte Götz vor einem Europacup-Spiel des BFC in Belgrad in den Westen. „Als ich Götz im Winter noch einmal traf, sagte er, ich brauche hier niemanden vom ihm zu grüßen, da sich wohl kaum einer darüber freuen würde“, berichtet Flauder.

Sportliche Fairness der Fans

Für Götz ist der BFC Dynamo noch mit der Stasi-Vergangenheit behaftet, „es ist ja schließlich auch Teil der Geschichte“, sagt er. Doch die Verantwortlichen wollen endlich weg von dem Image des einstigen Erich-Mielke-Klubs mit seinen randalierenden Fans – und das geht wohl am besten über ein professionelles Konzept und sportlichen Erfolg. „Beim DFB-Pokalspiel gegen Stuttgart hat man ja gesehen, was möglich ist, wenn ein bisschen Erfolg da ist und Attraktivität im Spiel“, sagt Flauder. Der BFC verlor zwar 0:2, zeigte aber eine ansprechende Partie, und die Fans glänzten durch sportliche Fairness.

„Ich finde, die BFC-Fans haben einen Ruf, den sie nicht verdienen“, sagt Flauder, „aber wenn man in so einer Schublade drinsteckt, ist es schwer, wieder rauskommen.“ Er jedenfalls sei froh, dass er nicht in der Schublade Oberliga hängen geblieben ist. Nachdem der Aufstieg gesichert war, verlängerte Flauder seinen Vertrag bis 2015, in der Hoffnung weiterhin der erste Mann im Tor des BFC zu sein. Er sagt: „Ich habe jetzt lange genug auf der Bank gesessen.“


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