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Biathlon: Vom Unfall durch Zufall zum Glücksfall

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Extrem laufstark: Miriam Gössner.
Extrem laufstark: Miriam Gössner.
Foto: dpa
Oberhof –  

Miriam Gössner lässt die deutschen Biathletinnen hoffen. Bundestrainer Gerald Hönig sieht die Biathletin für Sprint und Verfolgung am Wochenende gerüstet.

Bis zu dem Zeitpunkt, als Miriam Gössner bei der Frauen-Staffel in Oberhof ihr Gewehr zum Stehendschießen schulterte, schien die Dramaturgie des Rennens perfekt zu sein. Mit rund 20 Sekunden Rückstand wurde sie von Startläuferin Tina Bachmann nach einem Sturz auf die Strecke geschickt. Nachdem Andrea Henkel grippebedingt absagen musste, schien die 22-Jährige die ihr zugetragene Rolle sehr ernst zu nehmen. Sie jagte bei Wind und Regen über die eisige Piste. 25 Sekunden Vorsprung hatte sie bis zum zweiten Schießen herausgelaufen.
Dann kam Gössner, und es kam zu einem gewohnten Bild: Drei Nachlader reichten nicht aus, um alle Scheiben zu treffen. Sie musste zwei Strafrunden laufen. In der Vergangenheit hatten ihr immer wieder die Nerven einen Streich gespielt. Diesmal hatte sie erhebliche Probleme mit dem Gewehr. „Der Diopter war zu, ich habe nichts gesehen“, sagte sie später. Weil sie sich jedoch auf der Strecke mächtig ins Zeug legte, konnte sie ihren Rückstand bis zur Übergabe an Franziska Hildebrand wieder auf zehn Sekunden verkürzen. „Läuferisch war es wieder sehr gut.“ Zufrieden zeigte sich die Garmisch-Patenkircherin dann auch mit dem dritten Platz, den Hildebrand und Schlussläuferin Nadine Horchler ins Ziel brachten.

Hönigs Hoffnung

Zufrieden ist Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig. Er sieht Miriam Gössner für Sprint und Verfolgung am Wochenende gerüstet. Eine Schießeinlage ohne Fehler macht dem Coach Hoffnung. Es zeigt sich, dass Gössner das größte Problem für den Durchbruch im Biathlon allmählich aus dem Weg räumt. Ein anderer Störfaktor, eine Titanplatte im Kiefer, die eine Allergie ausgelöst hatte, wurde bereits im Sommer beseitigt.
Mit jedem Rennen in dieser Saison geht es dann auch besser. Kurz vor Weihnachten folgte endlich die große Erlösung. Gössner gewann in Pokljuka ihr erstes Weltcup-Rennen. Anschließend sagte sie: „Das war ein unbeschreibliches Gefühl.“ Endlich durfte sie über die Anerkennung lachen und nicht nur, um die eigene Unsicherheit auf quälende Fragen hinsichtlich ihrer Form zu übertünchen.
Nun hofft sie, dass mit den ansprechenden Leistungen so langsam Schluss ist mit der Frage, wie es denn jetzt überhaupt mit dem Frauen-Biathlon nach der Ära der Magdalena Neuner weitergehen soll. Sie sagt: „Es wäre schön, wenn endlich mal Ruhe einkehren und das ganze Gerede aufhören würde.“

Eine wie Neuner

Es wird ihr aber wohl nur schwer gelingen, an dem Namen, der immer noch allgegenwärtigen Biathletin außer Dienst vorbeizukommen. Schon alleine deshalb, weil Gössner und Neuner etwas Entscheidendes gemeinsam haben: den Heimtrainer Bernhard Kröll. Gössner hat Neuners Coach dabei eher zufällig kennengelernt. Als Jugendliche tummelte sich die Garmisch-Patenkircherin zunächst im alpinen Skisport. Eine Torstange schlug ihr dabei aber mehrere Zähne aus. Die Leidenschaft für diese Disziplin leidete dadurch stark: Dafür keimte gleichzeitig ein erstes Interesse am Biathlon auf. Schuld daran war Krölls Frau: Die arbeitete in der Praxis von Gössners Zahnarzt. So wurde durch Zufall ein Unfall zu einem Glücksfall.
Bei den Leistungen in der Loipe wurden die Ähnlichkeiten auch bei der Staffel wieder deutlich. Die Art und Weise, wie die ehemalige Langläuferin Gössner der Konkurrenz enteilt, dürfte in mancher Rivalin unangenehme Erinnerungen wecken. Fünf Strafrunden konnte sie bei ihrem Sieg kompensieren. Die Tschechin Gabriela Soukalova, die hier ohne Fehlschuss Zweite wurde und denselben Platz im Gesamt-Weltcup belegt, sagte anschließend: „Es macht einfach keinen Sinn, da irgendwie dagegenhalten zu wollen.“
Für Bundestrainer Hönig ist die Laufstärke der entscheidende Hebel für Gössners Aufschwung. „Es ist einfach unglaublich beruhigend, wenn du weißt, dass du nicht unbedingt jeden Treffer brauchst.“ Wenngleich auch die Sache mit dem Gewehr immer besser funktioniere. „Als Langläufer braucht man einfach Zeit, bis man ganz vorne dabei ist“, sagt Hönig. „Miriam hat sich im vergangenen Jahr extrem weiterentwickelt.“ Über den einen oder anderen Fehlschuss wird dann auch großzügig hinweggesehen.

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