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Borussia Mönchengladbach: Arango, der Zauberer in Neongelb

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Mönchengladbach –  

Nicht die Millioneneinkäufe Granit Xhaka und Luuk de Jong, sondern Juan Arango ist der Mann der Gladbacher Vorrunde. Mit fünf Toren und sechs Torvorlagen hat er erblichen Anteil daran, dass die Fohlen wieder ganz nah an die Europapokalplätze heranrücken.

Genialität und Wahnsinn liegen bekanntlich dicht beieinander, und deshalb wunderte sich am Sonntagabend niemand über die seltsamen Worte des genialischen Juan Arango. „Die einfachen Tore sind für mich irgendwie die schwierigen und die schwierigen die einfachen“, sagte der Venezolaner, was so viel heißen sollte wie: Dieses unglaubliche Tor, das ihm zum 2:0 gegen Mainz 05 gelungen war, ist in Wahrheit ganz einfach gewesen. Aus 44 Metern hatte sein linker Fuß den Ball auf eine aberwitzige Flugbahn geschickt, die Kugel stieg und stieg, um dann vor der Torlinie wie ein Stein vom Himmel zu fallen. Der Mainzer Trainer Thomas Tuchel meinte: „Das wäre gar keine Chance gewesen, wenn da irgend ein anderer Spieler aus der Bundesliga steht und nicht Arango.“

Der Mann für die ganz große Show

Aber dort stand nun einmal Arango, der Mann für die ganz große Show. Im Oktober hat er gleich zwei Treffer zur Auswahl zum Tor des Monats beigetragen, im November war es einer und Ende Dezember wird nun wohl dieser Geniestreich zu den fünf Kandidaten zählen. Trainer Lucien Favre war derart begeistert, dass er spontan auf den Rasen lief, um seinen Angreifer zu beglückwünschen. „Ich mache so etwas selten, aber manchmal sind einfach die Emotionen da“, sagte der Schweizer. Dieses Tor war nicht nur wunderschön, es entschied auch das Fußballspiel, in dem eigentlich Mainz 05 die bessere Mannschaft gewesen war. Und die drei Punkte waren den Gladbachern natürlich noch wichtiger als das neueste Zauberkunststück des linken Fußes in den neongelben Schuhen.

Aber ohne Zweifel ist Arango der Mann der Gladbacher Vorrunde. Mit fünf Toren und sechs Torvorlagen ist er der mit Abstand gefährlichste Spieler der Borussia. Nicht die Millioneneinkäufe Granit Xhaka oder Luuk de Jong haben das Erbe des nach Dortmund gewechselten Effizienzkönigs Marko Reus angetreten, sondern der 32-Jährige, der einst von Real Mallorca an den Niederrhein kam. Dank der Vorlagen und Treffer des Kapitäns von Venezuelas Nationalteam ist die Borussia still und leise wieder ganz nah an die Europapokalplätze herangerückt, und der Weg dorthin ist auch ein Entwicklungsprozess zurück zum Markenkern des Trainers Lucien Favre.

Favres Erfolgsphasen, wie die Saison 08/09 mit Hertha BSC, das sensationelle Klassenerhaltsprojekt mit der Borussia 2011 oder der Sturm in die Champions-League-Qualifikation im Frühjahr entstanden immer aus ähnlichen Zutaten: Eine kompakte Defensive erspielte sich mit starken Individualisten in der Offensive, großer Effizienz und vergleichsweise wenigen Treffern viele Punkte. Das war in Berlin mit den Angreifern Andrej Woronin und Marco Pantelic so, das ist in den ersten eineinhalb Gladbacher Jahren mit Ausnahmespieler Reus der Fall gewesen.

Abwehrarbeit und Arango

Zuletzt hatte Favre in Gladbach versucht, einen dominanteren Stil mit viel Ballbesitz einzuführen, weil dieser Plan jedoch nicht den gewünschten Erfolg brachte, folgen sie wieder dem alten Leitmotiv. Mit dem Hauptaugenmerk auf der Abwehrarbeit und Arango in der Rolle des brillanten Individualisten. „Es zeichnet die Mannschaft im Moment aus, dass wir die wenigen Chancen, die wir haben, auch nutzen“, sagte der österreichische Innenverteidiger Martin Stranzl, der aber anmerkte, dass die Borussia „in der Rückrunde besser spielen“ müsse.

Denn schön anzusehen ist das Gebotene wahrlich nicht. „Sehr weit“ sei dieser Fußball von seiner Idealvorstellung entfernt, räumte Favre ein, aber im Moment ist er erfolgreich. Bundesliga und Europa League zusammengenommen, haben die Gladbacher von den zurückliegenden elf Partien nur eine einzige verloren.

Bemerkenswert ist, dass die Verwandlung zum stabilen Punktesammler zeitgleich mit der Verletzung des niederländischen Stürmers Luuk de Jong und der Verbannung des Schweizers Granit Xhaka auf die Ersatzbank erfolgte. Die beiden teuren Zugänge haben keinen Anteil am Aufschwung, was jenseits der positiven Entwicklung die Frage aufwirft, ob Sportdirektor Max Eberl die gut 20 Millionen Euro für die beiden Stars nicht hätte besser anlegen können. In jedem Fall sind die Gladbacher bis auf drei Punkte an den Tabellendritten Borussia Dortmund herangerückt und können ungeachtet des Ausgangs der Partie beim FC Bayern am Freitag von einer wunderbaren Rückrunde träumen.

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