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BR Volleys : Volleys holen souverän den Pokal

Die BR Volleys feiern ihren Pokalgewinn.

Die BR Volleys feiern ihren Pokalgewinn.

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dpa

Mannheim -

Sie haben ganz verschieden reagiert auf diesen Pokalsieg, den ersten für die BR Volleys seit 16 Jahren. Was für eine wahnsinnig lange Zeit. Und dann dieser schnelle Sieg vor dieser großen Kulisse in der Mannheimer Arena: 12.000 Zuschauer, ein Rekord. Vor so vielen Menschen hatte zuvor noch nie ein Volleyballspiel in Deutschland stattgefunden. Paul Carroll hatte den Matchball zum 3:0 (25:18, 25:12, 25:17)-Sieg gegen den TV Bühl präzise verwandelt.

In der Halle jubelte die orangefarbige Ecke über diesen Titel, den sie so lange vermisst haben in Berlin. Mittelblocker Nicolas Le Goff warf seinen Siegerblumenstrauß rückwärts in die Menge. Felix Fischer küsste Frau und Töchterchen. Zuspieler Tsimafei Zhukouski nuckelte am Daumen, offenbar um eine weitere freudige Botschaft zu übermitteln. Und alle hatten sie T-Shirts angezogen, auf denen Weiß auf Schwarz geschrieben stand: „Wurde auch Zeit.“

„Es war ja mit uns so wie mit Leonardi di Caprio“, sagte Roko Sikiric mit strahlenden Augen. „Er hat auch soo lange auf den Oscar gewartet, vielleicht klappt es ja bei ihm auch.“ Und dann sprach der Sportdirektor im Überschwang gleich von einer neuen Pokal-Ära, die die BR Volleys nun in dieser Mannheimer Halle begründen wollen. „Heute hat die Mannschaft gekämpft, Herz gezeigt. Technisch und taktisch stark gespielt. Wir hatten ja so viele Probleme in dieser Saison.“

Volleys finden den Schlüssel

Manager Kaweh Niroomand war nach dem Matchball wie versteinert dagestanden, die Arme verschränkt. Nachdenklich. Erst später, nachdem Kapitän Robert Kromm den Pokal in die Höhe gestemmt hatte und goldfarbiger Glitter geregnet war, löste sich seine Versteinerung auf in Tränen, die kullerten. „Mir fällt die ganze Last ab“, sagte er.

Die Last des Verantwortlichen. Die Last des Kritikers, die sich in den vergangenen Wochen potenziert hatte. Nachdem es zuletzt national und international ein paar Niederlagen gehagelt hatte und die Mannschaft nicht wirklich zueinander fand, hatte er sich zu konstruktiver Kritik veranlasst gesehen. Am Sonnabend hatte dann auch noch der Arm von Mittelblocker Tomas Kmet verrückt gespielt. Er war immer dicker geworden, so dass der Berliner noch vor der Partie in Mannheim operiert werden musste und während der Finales im Spital lag.

Aber dann hatte die Berliner Mannschaft nach einer kurzen Anlaufzeit, in der das junge Team des TV Bühl gleichauf gelegen war, den Schlüssel gefunden: druckvolle Aufschläge, die verhinderten, dass Bühl seine beiden starken Schnellangreifer Magliore Mayaula und Nehemiah Mote in der Mitte so effektiv wie sonst einsetzen konnte. Mitte des ersten Satzes begann dann der Siegeszug der Berliner, die von Zhukouski hervorragend dirigiert wurden, und bei denen Carroll (17 Punkte) und Kromm (15 Punkte) ihre Angriffe immer wieder im Feld des TV Bühl versenkten.

Am Donnerstag gegen Sastamala

„Dieser Sieg bereitet uns die Bahn. Wir müssen von Baustein zu Baustein arbeiten. Wir haben mit unserem Projekt eine Verantwortung gegenüber dem Volleyball“, sagte Niroomand. Vielleicht hätte diese großartige Kulisse, unter der auch die Prominenz aus Verband, Liga, Nationalmannschaft und DOSB-Präsident Alfons Hörmann versammelt war, ein spannenderes Pokalfinale verdient gehabt. Spannend wie das Frauenfinale zuvor, das Titelverteidiger MTV Stuttgart dramatisch im Tiebreak gegen den Dresdner SC verlor.

Aber Trainer Roberto Serniotti hatte genug von der Spannung. Seit er seinen Trainerjob in Berlin begann, hatte er immer nur von diesem Pokal reden hören. „La Copa, la Copa.“ Auch er hatte den Druck gespürt, die Wichtigkeit, aber irgendwann Mitte des zweiten Satzes riss er beide Arme hoch und drehte auf seiner glatten Lederschuhsohle eine Pirouette. Der Trainer jubelte wie ein Spieler nach einem Punkt. Sein Blick kreiste durch die Halle. „Mannheimspiel“ hatten die Berliner als Motto gewählt. Serniotti schien das Mannheimspiel zu genießen. Seine Spieler vermittelten auf dem Feld das Gefühl: alles läuft.

Aber die Saison geht ja weiter. Schon am Donnerstag mit dem CEV-Cup-Rückspiel gegen die Finnen aus Sastamala. Deshalb fragte Serniotti seinen Assistenztrainer Koichiro Shimbo tags zuvor: „Koichiro, bist du bereit, nach dem Pokalfinale im Hotel die Finnen zu studieren?“ „Und die Feier?“, habe der gefragt. „Ist für die Spieler.“

Kromm hatte verstanden, in seinem vierten Pokalfinale endlich mal gewonnen. „Wir werden heute sehr ausgiebig feiern“, sagte er. „Es war ja eine sehr lange Durststrecke.“