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Berliner Zeitung | BR Volleys: Motiviert vom Manager
15. February 2016
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BR Volleys: Motiviert vom Manager

Zusammen stark am Netz: die Berliner Ruben Schott (l.) und Tomas Kmet.

Zusammen stark am Netz: die Berliner Ruben Schott (l.) und Tomas Kmet.

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imago

Vor der Reise nach Sastamala in Westfinnland hoffen sie bei den BR Volleys jetzt, dass Robert Kromms Missgeschick das Ende der viel zu langen Unglückskette gewesen ist. Der Kapitän der Berliner Bundesliga-Volleyballer hatte sich am Sonnabend vor dem Derby gegen die Netzhoppers aus Königs Wusterhausen beim Frisieren den Halswirbel ausgerenkt. Klingt lustig, war es aber nicht. „Es hätte auch beim Haaretrocknen passieren können oder bei jeder anderen Über-Kopf-Bewegung“, sagt Kromm.

Drei Nackenwirbel blockierten, sie klemmten einen Nerv ein, die Muskulatur wurde fest. Der Außenangreifer konnte nicht spielen. Stattdessen kam auf dem Feld Ruben Schott zum Einsatz und hinter den Kulissen Teamarzt Oliver Miltner und Physiotherapeut Christian Schwan, mit: Akupunktur, Wärmebehandlung, Strom, chinesischen Saugnäpfen, Stoßwellen, dem vollen Programm. „Ich hoffe, dass ich am Dienstagabend in Finnland beim Training wieder an den Ball ran kann“, sagt Kromm.

Denn am Mittwoch (17.30 Uhr deutscher Zeit, laola1.tv) treten die Berliner im CEV-Cup beim zweimaligen finnischen Meister Vammalan Lentopallo Sastamala an. Nach dem Aus in der Champions League sind die BR Volleys direkt in der Challenge Runde des zweitklassigen europäischen Wettbewerbs gelandet. Dort kämpfen sie mit den Finnen nun im Hin- und Rückspiel um den Einzug ins Halbfinale.

„Der Wettbewerb ist für uns insofern attraktiv, als dass wir nicht mehr durch die Mühle der drei Runden zuvor gehen mussten. Die, die jetzt noch übrig sind, etwa Perugia oder Dinamo Moskau, zählen zu den europäischen Spitzenmannschaften“, sagt Volleys-Manager Kaweh Niroomand. „Jetzt ist es ein schwieriger, sehr attraktiver Wettbewerb. Und wir brauchen Spiele auf hohem Niveau. Das ist für den Rhythmus der Mannschaft gut.“

Ständig neue Verletzungen

Der Rhythmus war den Berlinern nach der Winterpause irgendwie verloren gegangen. Das lag zu einem großen Teil an dieser Unglückskette, die zum Jahreswechsel mit Kromms Bauchmuskelzerrung begann. „Seither gibt es keinen im Team, der nicht irgendwie verletzt gewesen ist“, konstatiert Niroomand. Libero Erik Shoji kämpfte mit einer Bänderverletzung am Fuß, Mittelblocker Tomas Kmet plagte zuerst eine Knieverletzung, dann eine fiebrige Grippe, Zuspieler Tsimafei Zhukouski hatte Rücken-, Diagonalangreifer Arpad Baroti Knieprobleme, Mittelblocker Nicolas Le Goff quälte eine Magen-Darm-Erkrankung, Annahmespieler Paul Lotman ging durch ein Leistungstief. Ständig musste Trainer Roberto Serniotti die Formation ändern. Die Volleys bezahlten dafür, dass etliche Spieler während der Saisonvorbereitung fehlten und ohne Pause von ihren Nationalteams zum Kader stießen.

Nach dem fehlerhaften Spiel in Coburg und den Niederlagen beim TV Bühl und gegen den VfB Friedrichshafen sprachen manche von einer Mini-Krise. Kapitän Kromm fand das übertrieben, „wir haben doch trotzdem eine super Bilanz“. Klar habe man gegen Friedrichshafen schlecht aufgeschlagen, „aber schon beim Sieg in Düren sind wir dann viel aggressiver aufgetreten“.

Die Volleys stehen noch immer mit drei Punkten Vorsprung auf Friedrichshafen an der Tabellenspitze der Liga. Dennoch hatte man zuletzt das Gefühl, dass sich die Mannschaft eher verloren als gefunden hat, dass ihr in vielen Momenten das Selbstvertrauen fehlt, eine Hackordnung, eine Struktur.

Weil Niroomand das Vakuum bemerkte und das Gefühl hatte, „näher an die Mannschaft ranrücken zu müssen“, war er vorige Woche zum Auswärtsspiel nach Düren mitgefahren: „Mir geht es beim Vorantreiben ja immer um das Projekt, das wir hier alle gemeinsam haben. Nicht nur um den reinen sportlichen Erfolg.“ Nach dem Vormittagstraining habe Niroomand in Düren „eine coole, motivierende Rede gehalten“, erzählt Kromm. Es ging um das Vertrauen in jeden Einzelnen, und das Vertrauen in das Kollektiv. „Die Geste von Kaweh Niroomand, mit nach Düren zu reisen, hat der Mannschaft geholfen. Es war ein wichtiger Impuls, dafür danke ich ihm“, bestätigt Trainer Serniotti.

In Sastamala wollen die BR Volleys jetzt dem Spielstandard näherkommen, den sie gegen Ende des Vorjahres schon erreicht hatten. „Spiele auf hohem Niveau bringen uns weiter“, bekräftigt Kapitän Kromm. „Es ist gut, dass wir noch immer die Chance auf drei Titel haben. Ich denke, dass wir die Partie in Finnland gewinnen können.“


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