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Champions League - Bayern gegen Real Madrid: Lahm und Co. haben keinen Raum für Ideen

Philipp Lahm und Jerome Boateng bedanken sich bei ihren mitgereisten Fans nach der 1:0-Niederlage gegen Real Madrid.Foto: REUTERS
Madrid –  

Beim 0:1 im Halbfinalhinspiel der Champions League bei Real Madrid verlieren sich die Bayern in Monotonie. Trotz 75 Prozent Ballbesitz und einem Eckenverhältnis von 10:1 bleiben sie harmlos und ziemlich anfällig.

Der FC Bayern ist nicht mehr der Souverän des europäischen Klubfußballs, sondern ein Gigant, der Gefahr läuft, Opfer der eigenen, zur Monotonie neigenden Spielweise zu werden. Das ist die Erkenntnis, welche sich aus dem 0:1 (0:1) der Münchner im Halbfinalhinspiel der Champions League bei Real Madrid ziehen lässt. Als hätte Pep Guardiola, der an diesem Abend bei seinem achten Besuch als Trainer zum ersten Mal das Estadio Bernabéu als Verlierer verließ, für den Showdown in der europäischen Eliteliga keinen Plan B entwickelt. Allerdings stellt dieses 0:1 für das Rückspiel am kommenden Dienstag natürlich noch immer eine brauchbare Ausgangsposition dar.

Schon am Nachmittag war die Nachricht ins Land gegangen, dass bei Real zwar Cristiano Ronaldo, jedoch nicht Gareth Bale zum Einsatz kommen sollte. Ronaldo, der Weltfußballer, hatte sich entgegen aller Warnungen aus der medizinischen Abteilung nach einer Oberschenkelverletzung selbst aufgestellt, während Bale, der schnellste Fußballer der Welt, nach einer plötzlich aufgekommenen Erkältung erst einmal auf der Ersatzbank Platz nehmen musste. Fraglos einer herber Verlust für Real-Trainer Carlo Ancelotti, der so von Beginn an auf Geschwindigkeit und eine weitere Variationsmöglichkeit verzichten musste.

Vom Zerstören und Gestalten

Allerdings − und das ist bei Klubs, die es Jahr für Jahr in die K.-o.-Runde der Champions League schaffen, mittlerweile doch eine Selbstverständlichkeit – kommt auch bei Real bei so einem Verlust aus der Tiefe des Kaders ein ziemlich prominenter Ersatz zum Vorschein. Einer wie Ángel Di María zum Beispiel, der Argentinier, der sich in dieser Saison schon mehrmals als grandioser Vorlagengeber hervorgetan hatte. Oder eben einer wie Francisco Román Alarcón Suárez, der der Einfachheit halber seinen Spitznamen zum Kampfnamen gemacht hat: Isco. Dem 22-Jährigen kam an diesem Abend gegen die Bayern eine Schlüsselrolle zu. Er sollte zusammen mit Xabi Alonso und Luka Modric im Zentrum des Spiels, wo gemäß der Pep-Guardiola-Philosophie alles beginnt und alles endet, zugleich zerstören und gestalten.

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Das mit dem Zerstören gelang den Madrilenen vom Anpfiff weg auch ganz gut, wobei die Zuschauer natürlich schon bald erkannten, dass die Gastgeber von den Münchnern auch zum Zerstören gezwungen wurden. Nach einer Viertelstunde waren deshalb sogar erste Pfiffe zu vernehmen, weil die Bayern Beispiel gaben, wie man mit Strategie, Geduld und Ballfertigkeit alsbald Kontrolle über das Geschehen gewinnen kann. Wer so offensiv denkt und handelt wie diese Guardiola-Bayern, dazu aber keine Innenverteidigung von Weltklasseformat zur Verfügung hat, der macht sich angreifbar.

Ronaldo erkennt so eine Schwäche natürlich instinktiv, spielt seine Qualitäten aus, wenn der Gegner einen Moment unachtsam ist. So wie in der 19. Minute, als er bei seinem dritten Ballkontakt die Absichten seines Landsmannes Fábio Coentrão erkannte. Coentrão fiel im rechten Moment mit einem kurzen Spurt dem verdutzten Jérôme Boateng in den Rücken, Ronaldo passte in die Tiefe, Coentrão schließlich quer auf Karim Benzema, der aus fünf Metern den Ball über die Linie drückte.

Mit Wut statt Witz

Scheinbar unbeeindruckt setzten die Bayern die Belagerung des Real-Strafraums fort, blieben sich dabei aber auch im negativen Sinne treu, heißt: trotz 75 Prozent Ballbesitz und einem Eckenverhältnis von 10:1 eben auch ziemlich harmlos und ziemlich anfällig. Zwei Mal hatten die Münchner dabei in der ersten Hälfte gehöriges Glück. In der 26. Minute, als Ronaldo nach einer Flanke von Benzema elf Meter vor dem Tor seinen ersten Technikfehler im Jahr 2014 fabrizierte. Und in der 41. Minute, als Di Mariá beim Abschluss nicht mit Witz, sondern mit Wut zu Werke ging.

Karim Benzema von Real feiert seinen wirklich gekonnten Treffer zur Führung gegen Bayern München im Halbfinalhinspiel der Champions League.Foto: AP/dpa

Guardiola rieb und rieb sich in der Coaching Zone das ergraute Kinn: Was tun? Erst mal nichts − mal abgesehen von dem leicht zu durchschauenden Kniff, dass Franck Ribéry zu Beginn der zweiten Hälfte erst einmal über rechts und Arjen Robben über links kommen sollte. Das änderte freilich nichts daran, dass sich die Münchner 30 Meter vor dem gegnerischen Tor wiederholt selbst den Raum für Ideen nahmen. Wobei sich wieder einmal Bastian Schweinsteiger bei allem Eifer als Querulant entpuppte. Nur so nebenbei: Auch Bundestrainer Joachim Löw dürfte von dieser Entwicklung alles andere als begeistert sein.

Erst nach 66 Minuten löste Guardiola seine Anfangsformation auf. Wobei er erstaunlicherweise nicht auf die Überforderung von Bastian Schweinsteiger reagierte. Guardiola brachte nämlich Xavi Martínez für den soliden Rechtsverteidger Rafinha, was eine noch höhere Konzentration auf die Mitte zur Folge hatte. Sechs Minuten später holte Guardiola auch den desolaten Ribéry und schließlich auch Schweinsteiger vom Feld. Zu spät, wie sich zeigen sollte, denn die eingewechselten Thomas Müller (80.) und Mario Götze (84.) waren mit ihren Großchanchen allemal gefährlicher als die Etablierten. Allein es fehlte den beiden die Zeit für mehr. (BLZ)

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