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Berliner Zeitung | Champions League: Bayern verspielt 2:0-Führung in Turin - Barca souverän
23. February 2016
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Champions League: Bayern verspielt 2:0-Führung in Turin - Barca souverän

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Streit der Stürmer: Bayerns Robert Lewandowski (l.) und Turins Mario Mandzukic.

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AP

Turin -

Ein lange Zeit übermächtiger FC Bayern München hat eine Vorentscheidung im Gigantentreffen mit Juventus Turin verschenkt. Trotz einer 2:0-Führung und einer deutlichen Überlegenheit reichte es für die Münchner am Dienstag im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League nur zu einem enttäuschenden 2:2 (1:0) beim über weite Strecken ängstlich agierenden italienischen Rekordmeister. Damit bleibt es vor dem Rückspiel am 16. März in München noch unnötig spannend.

Thomas Müller (43.) und Arjen Robben (54.) hatten die Bayern bereits klar in Führung gebracht, doch Paulo Dybala (63.) und Stefano Sturaro (76.) brachten die Italiener zurück ins Spiel.
Zunächst hatten sich die Fragezeichen um die Münchner Zwergenabwehr ohne gelernten Innenverteidiger vor 41 332 Zuschauern im ausverkauften Juventus Stadium als unbegründet erwiesen. Juve hatte der geballten Angriffswucht der Münchner kaum etwas entgegen zu setzen, die Kontertaktik ging nicht auf. Die Münchner Defensive mit Joshua Kimmich und David Alaba im Zentrum geriet kaum in Gefahr.

„Wir brauchen die beste Leistung des Trainers, des Stabes, der Spieler“, hatte Bayern-Trainer Pep Guardiola angekündigt. Und entsprechend angriffslustig gingen die Bayern auch zu Werke. Mitextrem hohem Pressing und einer Ballbesitzquote von mehr als 70 Prozent in der ersten Hälfte zogen die Münchner das Spiel tief in der Hälfte der Italiener auf. Juve agierte geradezu eingeschüchtert, verbarrikadierte sich rund um den eigenen Strafraum und lauerte ausschließlich auf Fehler der Bayern.

Durch die äußerst defensive Ausrichtung war der Weg für den Spitzenreiter der Serie A bis zum Tor von Manuel Neuer allerdings auch sehr weit. Das hatte für die Mini-Abwehrreihe des Bundesliga-Spitzenreiters den angenehmen Nebeneffekt, dass sie kaum Standardsituationen abzuwehren hatte. Dies hatte Guardiola im Vorfeld noch große Sorgen bereitet, denn der in seinem 100. Königsklassen-Spiel überragende Kapitän Philipp Lahm, Kimmich, Alaba und Juan Bernat kommen zusammen im Schnitt nicht einmal auf eine Größe von 1,75 Metern.

Guardiola mit Risiko

Guardiola scheute aber nicht das Riskio und überraschte mit der Hereinnahme von Arturo Vidal für den spanischen Welt- und Europameister Xabi Alonso. „Vidal ist geboren für dieses Spiel“, sagte Sportvorstand Matthias Sammer mit Blick auf die Turiner Vergangenheit des Mittelfeldspielers. Vidal war auch gleich an einigen kniffligen Szenen des Spiels beteiligt. Erst prüfte er seinen früheren Torhüter Gianluigi Buffon mit einem 20-Meter-Schuss (4.), dann leitete er auf der Gegenseite unfreiwillig mit einem Fehlpass einen der wenigen Juve-Konter ein. Doch Mario Mandzukic, der mit seinem ungeliebten Ex-Coach Guardiola gerne eine alte Rechnung beglichen hätte, kam aber in aussichtsreicher Position nicht richtig zum Abschluss (12.).

Und auch an einer weiteren strittigen Aktion war Vidal beteiligt. Bei einer Aktion von Paul Pogba war der Chilene mit der Hand am Ball - Schiedsrichter Martin Atkinson sah keine Absicht (23.). Das war es aber auch schon, was Juve in der ersten Halbzeit anzubieten hatte. Ansonsten spielten ausschließlich die Bayern. Und das Starensemble hätte bereits nach 13 Minuten in Führung gehen müssen. Nach Zuspiel von Robert Lewandowski vertändelte Müller frei vor dem Tor den Ball.

Und es ging weiter nur in Richtung Juventus-Tor, was auch daran lag, dass Weltmeister Sami Khedira und Pogba im Mittelfeld kaum präsent waren. Arjen Robben setzte einen Schuss über das Tor (23.), und Lewandowskis Kopfball war ein wenig zu unplatziert (32.).

Kurz vor der Pause war es aber doch passiert, als es für die Italiener - mal wieder - viel zu schnell ging. Eine Flanke von Robben landete bei Diego Costa, dessen Hereingabe vom Ex-Wolfsburger Andrea Barzagli direkt vor die Füße von Müller abgewehrt wurde. Diesmal machte der Bayern-Angreifer alles richtig und erzielte sein sechstes Tor im laufenden Wettbewerb. Es war zugleich das erste Pflichtspiel-Gegentor für die Gastgeber nach 878 Minuten.

Turin änderte auch zu Beginn der zweiten Halbzeit nichts an seiner Defensiv-Taktik, was Robben nach einem feinen Bayern-Angriff gleich bestrafte. Erst danach wachten die Italiener auf und gelangten durch einen Fehler von Kimmich zurück ins Spiel. So konnte Dybala auf Vorlage von Mandzukic verkürzen. Es war der Weckruf für Juve. Hätten Cuadrado (67.) und Pogba (69.) bereits den Ausgleich erzielen können, war es schließlich der eingewechselte Sturaro, der die Italiener jubeln ließ.

Messi schockt Özil, Mertesacker und Co.

Der deutsche Nationaltorwart Marc-André ter Stegen darf mit dem FC Barcelona von einer erfolgreichen Titelverteidigung in der Champions League träumen. Der Topfavorit gewann dank der Genialität seines Superstars Lionel Messi das Achtelfinal-Hinspiel beim FC Arsenal mit den beiden Weltmeistern Mesut Özil und Per Mertesacker 2:0 (0:0) und hat im Rückspiel am 16. März hervorragende Karten. Vor 55.889 Zuschauern im ausverkauften Emirates Stadium entschied Messi die Partie ganz alleine. Zunächst erzielte der Weltfußballer nach Vorarbeit von Neymar in der 71. Minute das 1:0 für die Gäste, ehe er in der 84. Minute per Foulelfmeter den Endstand besorgte.

Für Messi waren es die die Treffer 81 und 82 in der Königsklasse. Luis Suarez traf zudem in der 78. Minute noch den Pfosten für den Favoriten, der sich lange Zeit schwer getan hatte. Die Gäste kontrollierten zwar von Anfang an das Geschehen, gegen das Abwehrbollwerk der Gunners fanden Messi und Kollegen zunächst aber kein Durchkommen. Obwohl der spanische Tabellenführer weit mehr Ballbesitz als der Gastgeber hatte, resultierten aus dieser optischen Überlegenheit nur wenige Torchancen. Özil und Olivier Giroud zogen im Arsenal-Mittelfeld über weite Strecken geschickt die Fäden und inszenierten auch den ein oder anderen guten Angriff für den Tabellendritten der Premier League. Die beste Gelegenheit vor der Pause hatte dann auch der 13-malige englische Meister. In der 22. Minute scheiterte Alexis Sánchez an ter Stegen, der sich in der Liga schweren Herzens mit der Reservistenrolle zufrieden geben muss.

Auf der Gegenseite war Arsenal-Keeper Petr Cech, der zuvor noch nie von Messi bezwungen worden war, bei den wenigen brenzligen Situationen in seinem Strafraum zur Stelle. Mertesacker und Co. räumten zudem vor ihrem Torwart bereits das Meiste ab. Lediglich kurz vor dem Pausenpfiff verbuchte Barca durch Suárez einen nennenswerte Chance. Im zweiten Durchgang bot sich zunächst ein ähnliches Bild. Barcelona drückte dem Spiel seinen Stempel auf, Arsenal reagierte größtenteils aus einer verstärkten Defensive und wartete auf Konter. Die Hausherren, bei denen unter anderem der Ex-Dortmunder Tomas Rosicky fehlte, stellten immer wieder geschickt die Wege zu und ließen Messi und Co. ins Leere laufen. Die Katalanen, die im 33. Pflichtspiel in Folge unbesiegt blieben, versuchten es immer wieder mit hohen Bällen, was Mertesacker und Laurent Koscielny in der Innenverteidigung der Gastgeber in die Karten spielte.

In der 49. Minute konnten sich die Abwehrspieler aber bei Cech bedanken, der mit einer Glanzparade gegen Neymar einen Rückstand seiner Mannschaft verhinderte. Ter Stegen war auf der anderen Seite nach genau einer Stunde noch einmal gegen Giroud zur Stelle. Messi war dann in der Schlussphase eiskalt - auch beim Strafstoß, den Mathieu Flamini mit einem Foul am Argentinier verursacht hatte. Barcelona könnte in drei Wochen zum neunten Mal in Serie die Runde der letzten Acht erreichen. (dpa, sid)