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Champions League: Dortmunds Europa-Plan

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Freund des Honigs: BVB-Trainer Jürgen Klopp.
Freund des Honigs: BVB-Trainer Jürgen Klopp.
Foto: dpa/Kevin Kurek
Donezk –  

"Wir sind eines der sechs Teams in Europa, die Titel gewinnen können", ist Dortmunds Trainer Jürgen Klopp überzeugt. Vorstandsboss Watzke gibt sich optimistisch, den Verein dauerhaft in der Königsklasse etablieren zu können.

Ob die schwarz-gelbe Entourage weiß, wer mit dieser Dienstreise in den östlichsten Zipfel Europas bezuschusst wird? Es ist der fast 50-köpfigen Delegation von Borussia Dortmund, die gestern mit 80 Edelfans und 20 Medienvertretern an Bord eines Airbus nach 2195 Flugkilometer in Donezk landete, nicht zu verdenken, für die zwei Nächte zum heutigen Champions-League-Achtelfinale bei Schachtjor Donezk (20.45 Uhr/live ZDF) im besten Haus am Platz zu nächtigen. Nur gehört das Donbass Palace, direkt neben Theater und Oper, eben letztlich auch zur System Capital Management Group, die wiederum direkt zu dem Mann führt, der in der ukrainischen Industriestadt im Grunde alles in Besitz gebracht oder in Bau gegeben hat, was von Bedeutung ist: Rinat Achmetov.

Wer dem Super-Oligarchen aus dem Wege gehen wollte, müsste schon brüchige Fabriken und marode Plattenbauten, verlassene Straßen oder verfallene Studentenunterkünfte aufsuchen, die sich in der Bergarbeiterstadt mit seinen 1,1 Millionen Einwohnern auch mühelos auftreiben lassen, je weiter sich der gemeine Gast vom Puschkin-Boulevard entfernt. Aber der BVB und seine in drei Fanfliegern mitgereisten 2000 Getreuen haben ja keine politische Mission angetreten, sondern in der Donbass-Arena soll allein die Grundlage fürs sportliche Weiterkommen im Rückspiel am 5. März gelegt werden.

„Es wird eine große Herausforderung für uns. Wichtig ist, dass wir in der Defensive wenig zulassen“, sagt Jürgen Klopp. „Aber es wird schwer gegen die Mischung aus Erfahrung, Spielfreude und Qualität.“

Klopp wandlungsfähig

Der 45-Jährige beweist selbst gerade wieder eine erstaunliche Wandlungsfähigkeit. Genau wie einst Thomas Schaaf bei Werder Bremer legt der Fußballlehrer nur auf internationaler Bühne seine legere Arbeitskleidung beiseite und trägt statt schlabbrigem Trainingsanzug dann feinsten Zwirn. Die Gruppenphase hat allen Klubangestellten schon sehr viel Spaß gemacht, aber keiner schien aus den stilprägenden Auftritten gegen Manchester, Madrid und Amsterdam so viel Honig zu saugen wie der Fußballästhet Klopp.

Dass ihm die jüngste Heimniederlage gegen Hamburg sauer aufstieß, war nicht zu übersehen; dass sich daraus trotz des Fehlens von Ilkay Gündogan (Zehenprellung) und Kevin Großkreutz (Lungenentzündung) grundsätzliche Bedenken für das Gastspiel in Donezk ableiten, stimmt aber nicht. „Wir sind eines der sechs Teams in Europa, die Titel gewinnen können“, hat Klopp der spanischen Zeitung El País verraten. Damit spielte er galant den Ball zurück, den ihm Anfang November im Pressesaal des Santiago Bernabeu unverhofft die Trainer-Ikone José Mourinho zugepasst hatte, als er den Real-Bezwinger in den Status eines möglichen Champions-League-Siegers hievte. Nun haben sie mit Großmannssucht in Dortmund schlechte Erfahrungen gemacht, doch das taktische und technische Rüstzeug, um den ohne jede Wettkampfpraxis antretenden Gastgeber auf dem falschen Fuß zu erwischen, besitzt das aktuelle Ensemble allemal. „Bisher haben wir in Europa tolle Leistungen gezeigt“, betont Kapitän Sebastian Kehl. „Das lassen wir uns nicht nehmen.“

Und Hans-Joachim Watzke, der zur Europameisterschaft aus Protest nicht in die Ukraine reisen wollte, sich nun aber als Repräsentant seines Vereins sieht, erinnert gern an die „intelligenten Spieler“ in seinen Reihen. „Wenn wir unseren Fußball durchziehen, dann bin ich zuversichtlich, dass wir das Viertelfinale erreichen.“

Tatsächlich wirkt das Gebilde stabil genug, um diese erste K.-o.-Prüfung des Jahres zu überstehen. Für den Vorstandsboss, geht es heute aber um noch etwas Größeres: Nur mit dauerhaften Gastspielen in der Champions League kann Borussia Dortmund seinen wirtschaftlichen Abstand „nach hinten“, also in Richtung Leverkusen oder Schalke, vergrößern. Watzke hat unlängst angekündigt, dass die im vergangenen Geschäftsjahr präsentierten Konzernerlöse von 215 Millionen wohl bald auf 250 Millionen Euro klettern werden.

Denn nichts beschleunigt das Wachstum so sehr, wie die opulente Bezuschussung aus der Geldvermehrungsmaschinerie der Uefa. Schon das Achtelfinale bringt 3,5 Millionen Fixprämie ein, das Viertelfinale wäre 3,9 Millionen wert. Nicht mitgerechnet die nicht unbescheidenen Anteile eines deutschen Meisters am Marketing-Pool.

„Kein Abenteuerurlaub mehr, sondern ein Wettbewerb, in dem wir uns wohlfühlen“

Wer solche Zuwendungen in Aussicht hat, bezahlt den Aufenthalt im Donbass Palace aus der Portokasse. Zumal die Fünf-Sterne-Herberge gerne damit wirbt, wer alles schon hier abgestiegen ist: AS Rom, AC Milan und nicht zuletzt der FC Barcelona, der vor zwei Jahren auf seinem Marsch zum Henkelpott in den edlen Suiten Zwischenstation machte.

Und was hatte Jürgen Klopp bereits zu Saisonbeginn als Dortmunder Europadevise ausgegeben: „Die Champions League ist nicht mehr der gefühlte Abenteuerurlaub, sondern ein Topwettbewerb, in dem wir uns gut aufgehoben fühlen.“ Auch für die zwei Nächte in Donezk.

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