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Deutsche Fußball-Liga: Gefeierter Friedensengel

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Schaffer in der DFL: Andreas Rettig
Schaffer in der DFL: Andreas Rettig
Foto: dpa

Andreas Rettig, ehemaliger Sportchef des SC Freiburg, 1. FC Köln und des FC Augsburg, nimmt seine Arbeit bei der Deutschen Fußball-Liga auf und packt gleich mächtig an.

Seine der Nachwelt überlieferte eindrucksvollste fußballerische Leistung hat Andreas Rettig vor fast 30 Jahren erlebt. Da zog der Offensivmann des damaligen Drittligisten Wuppertaler SV auf der linken Seite auf und davon und legte mit dem rechten Außenspann so perfekt für den Mitspieler Klaus-Dieter Nuten auf, dass dieser mit einem schön anzusehenden Seitfallzieher das „Tor des Monats“ erzielen konnte.
Rettig, seit zwei Tagen neuer Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), hat das kurze Video bei seiner Vorstellung in der Frankfurter Verbandszentrale mit einem Augenzwinkern vorgeführt, um zu beweisen, dass er einstmals zwar kein überragender, aber doch ein sehr rechtschaffener Kicker war. Als Fußballmanager machte der 49-Jährige umso eindrucksvoller Karriere, weshalb es niemanden überraschte, dass der ehemalige Sportchef des SC Freiburg, 1. FC Köln und FC Augsburg in der DFL Nachfolger von Holger Hieronymus wurde, der sich, von einem Schlaganfall erholt, in seine alte Heimat Hamburg zurückzog. Der gebürtige Rheinländer Rettig − erster Wohnsitz Köln − hat bereits eine Zweitwohnung in Frankfurt gefunden, fußläufig von der DFL-Zentrale, und will sich nun mit Verve an die Arbeit machen.

Ein halbes Sabbatjahr

Weil die Welt des Fußballs inzwischen ein bisschen verrückt geworden ist und weil außerdem Saure-Gurken-Zeit herrscht, waren am Donnerstag nicht weniger als fünf Kamerateams und ein volles Dutzend Reporter vor Ort, um den Neuen adäquat zu begrüßen. Der hat seit seinem freiwilligen Rückzug beim FC Augsburg im vergangenen Sommer ein halbes Sabbatjahr eingelegt, währenddessen aber bereits für positive Nachrichten gesorgt, weil er sich Anfang November aktiv in die Eskalation um das Sicherheitspaket der DFL einschaltete und bei einem Fankongress in Berlin geschickt kommunizierte.
Zugespitzt könnte man formulieren, zur Lösung sensibler Sicherheitsfragen hat der smarte DFL-Boss Christian Seifert den hemdsärmeligeren Kollegen Rettig als eine Art Friedensengel eingestellt. Schon nächste Woche trifft sich der ehemalige Bundeswehr-Nationalspieler mit Ultra- und Fanvertretern zum Gespräch. Es geht dabei nicht nur um verbale Abrüstung.

Näher ans Kerngeschäft

Die DFL will Rettig als zweiten starken Mann neben Seifert, dem Top-Verkaufsprofi für TV-, Internet- und Hörfunkrechte, näher ans „Kerngeschäft Fußball“ führen, „wir dürfen nicht nur als Vermarktungsverband wahrgenommen werden“. So will der einst von Reiner Calmund bei Bayer Leverkusen in die Geheimnisse der Branche eingeführte Rettig die DFL aktiver ins Coaching von Spielern, Trainern und Schiedsrichtern einbinden, denn er sieht die „Grauzone“ derer, die auch psychologische Unterstützung brauchen, „viel, viel größer“ als allgemein angenommen. Auch hat er ausgemacht, dass bei vielen Ex-Profis nach ihrer aktiven Karriere Probleme auftauchen, ein neues Berufsfeld zu finden. Sein Vorschlag: „Kann man junge Spieler nicht dazu verpflichten, zehn bis 15 Stunden pro Woche Fortbildungskurse zu belegen?“ Es gehöre zur „Fürsorge des Verbandes, Spieler zu ihrem Glück zu zwingen“.
Den Status Quo auf diesen Gebieten zu verbessern, klingt ambitioniert, dürfte aber leichter möglich sein als auf dem politischen Terrain, auf das sich Rettig wagt. Die Situation im deutschen Schulsport bezeichnet er als „erschreckend“ und will anpacken. Es gäbe „Tausende arbeitslose Fußballlehrer und A-Lizenzinhaber im Land − können wir die nicht in die Schulen schicken?“, fragt Rettig rhetorisch und will alsbald ein Pilotprojekt starten. Sein Vertrag ist zunächst bis 31. Dezember 2015 datiert. Man darf gespannt sein, welche der selbst gestellten Herkulesaufgaben der Schaffer bis dahin erfolgreich angegangen ist.

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