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Deutscher Olympischer Sportbund: Obskure Parallelwirtschaft beim DOSB

Müsste mal das Licht anmachen, um sein Profil nachhaltig zu schärfen: IOC-Präsident Thomas Bach.

Müsste mal das Licht anmachen, um sein Profil nachhaltig zu schärfen: IOC-Präsident Thomas Bach.

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REUTERS

Es ist ein ziemlicher Packen Papier, den der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) in diesen Tagen auf den Postweg gebracht hat. Den Mitgliedsverbänden sind die Unterlagen für die Jahresversammlung zugegangen – in knapp zwei Wochen trifft sich der DOSB zum großen Palaver am Elbufer in Dresden.

Unter anderem enthalten sie: die neue Satzung, die der Kongress abnicken soll. Der gemeinnützige Sportdachverband soll künftig wie ein Unternehmen geführt werden, mit einem Vorstand unter Michael Vesper, bisher Generaldirektor, und einem ehrenamtlichen Aufsichtsrat unter Alfons Hörmann, bisher Präsident, zur Kontrolle. Verkauft wird das gern als Transparenzoffensive – obwohl da, glaubt man der DOSB-Spitze, gar kein Nachholbedarf besteht. „Ausführlich, transparent und zeitnah“, so loben sich die Führungskräfte im ebenfalls mitgelieferten Präsidiumsbericht, seien die Mitgliedsverbände zuletzt „über alle Entwicklungen und Entscheidungen informiert“ worden.

Zweifel daran sind angebracht. Denn die DOSB-Führung hat, so berichtete jetzt Sport Inside, das Hintergrundmagazin des Westdeutschen Rundfunks, eine obskure Parallelwirtschaft aufgezogen, über die sie keine Rechenschaft ablegt. Es geht um eine Art legale Schwarze Kasse – um die Stiftung Deutscher Sport, auf die mit schöner Regelmäßigkeit zugegriffen wird. Etabliert wurde das System unter Thomas Bach, dem man im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) die Wende hin zu Transparenz und offenem Prozedere zutraut.

Geheime Verschlusssache

Die Stiftung, einst aus den Gewinnen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 mit 3,5 Millionen Euro Anfangskapital gegründet, war nur selten öffentlich auffällig, zuletzt im Flutsommer 2013, als der DOSB zu Spenden für betroffene Vereine aufrief. In Bilanzen und Protokollen des Dachverbands der letzten sieben Jahre taucht sie nur ganze fünf Mal auf.

Ihre Tätigkeitsberichte oder gar Jahresabschlüsse sind geheime Verschlusssache – und sollen das auch bleiben. „Veröffentlichen müssen wir gar nichts“, meint der für Finanzen zuständige DOSB-Vizepräsident Hans-Peter Krämer. „Nach deutschem Recht“ gehöre eine Stiftung „nur sich selbst“ – und nicht etwa dem DOSB.

Die Realität hinter dem formaljuristischen Nebel sieht ein wenig anders aus. Das nicht nur, weil Stiftungsvorstand und DOSB-Präsidium identisch sind. Auch die wenigen Angaben, die der Dachverband jetzt erstmals zur Stiftung herausrückte, bieten schon Anlass zum Argwohn.

Das Stiftungsvermögen hat sich inzwischen verdoppelt: Ende 2013 lag es bei 7,2 Millionen Euro, davon 5,9 Millionen in bar. Geld, von dem die Mitgliedsverbände nichts wissen, obwohl es zum Teil aus dem DOSB-Haushalt kommt.

Bei einer erklecklichen Stiftungseinnahme von 1,5 Millionen zum Beispiel – Absender ist der DOSB – soll es sich, behauptet Krämer, um eine Summe handeln, die an die Stiftung nur „zurückgeführt wurde“. Weil sie zuvor entnommen wurde für Zahlungen, die eigentlich vom DOSB zu leisten waren. Zum Zwecke der Bilanzkosmetik, oder, wie es der Finanzer formuliert: „Um einen guten Jahresabschluss hinzubekommen.“ Das kann stimmen – oder auch nicht. Öffentlich deutete Krämer nur einmal solche Transaktionen an. Im Jahr 2008 ließ er bei der jährlichen Mitgliederversammlung wissen, das Stiftungskapital sei „mit 800.000 Euro angegriffen worden“ – zwei Jahre später hieß es, man habe „wieder aufgestockt“. Anderthalb Millionen erklärt das kaum.

Es gibt weitere merkwürdige Abflüsse von DOSB-Geldern, ohne Information der Mitglieder. 2010 etwa schrumpfte das Eigenkapital einer inaktiven DOSB-Tochterfirma, der Vereinshilfe GmbH, mysteriös um 375.000 Euro. Das ist im offiziellen Jahresabschluss nachzulesen. Wieso? Dazu fehlt jede Angabe. Im Bundesanzeiger, im dort zugänglichen Geschäftsbericht der Firma, ist der Abgang falsch deklariert, als „Spende an den DOSB“. In Wahrheit ging das Geld an die Stiftung. Es habe keine Beanstandungen der Wirtschaftsprüfer gegeben, sagt der DOSB zu solchen Aktionen.

Die Deutsche Sportmarketing GmbH handelt mit der Lizenz für die olympischen Ringe in Deutschland – das ist ein lukratives Geschäft. Die Firma gehörte einst auch dem Dachverband, seit 2010 firmiert sie als Wirtschaftstochter der Stiftung. Das ist bekannt. Was sie an Sponsorengeldern einfährt, steht eigentlich dem DOSB und seinen Mitgliedern zu. 350 000 Euro blieben bisher in der Stiftung hängen.

Noch keine Antwort

Selbst langjährige Verbandspräsidenten sind erstaunt über solche Vorgänge. Die seien selbstverständlich „von großem Interesse“ für die Mitgliedsverbände, findet etwa Clemens Prokop. Der Chef des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) wüsste nun gern Genaues dazu, was mit der Stiftung passiert und, vor allem, „warum diese Mittelabführung an die Stiftung erfolgt“.

Tja. Warum? Finanzjongleur Krämer pflegt dazu eine eher entspannte Sicht: Die Gelder, so meint er, „gehen dem Sport ja nicht verloren“. Nur kann das keiner kontrollieren. Und der Stiftungszweck ist breit genug gefasst, um alles Mögliche zu finanzieren. An erster Stelle steht übrigens die „Förderung des Ehrenamts“.

Stellt sich die Frage, ob die DOSB-Präsiden nicht schon aus Gründen der persönlichen Hygiene die komplette Geschäftstätigkeit dieser Stiftung offenlegen sollten. Diesbezüglich besteht, glaubt man DOSB-Vize Krämer, allerdings ohnehin kein Grund zum Misstrauen: Das Präsidium genehmige sich nicht mal eine Aufwandsentschädigung. Auslagen würden „nach Abrechnung“ erstattet und maximal 3000 Euro jährliche Pauschale für Bürokosten gezahlt.

Den Mitgliedsverbänden dürfte das als Entwarnung kaum reichen. Zumal es auch nicht sonderlich weit her ist mit der Transparenz bei einem anderen Thema, das derzeit unterm Funktionärsvolk nervöser diskutiert wird: Wenn sich der DOSB mit der sogenannten Strukturreform schon wie ein Unternehmen gibt, werden dann wenigstens, wie in der Wirtschaft zunehmend üblich, auch die Saläre der künftigen Vorstände um Michael Vesper veröffentlicht? Finanziell liegt der jetzt schon auf dem Niveau der Bundeskanzlerin.

Eigentlich eine einfache Frage. Die DOSB-Zentrale hat, wen wundert’s, noch keine Antwort.



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