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Deutschland gegen Schweden: Panik in den Schnittstellen

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Die freundlichsten Gastgeber: André Schürrle bedankt sich mit einem Tor.
Die freundlichsten Gastgeber: André Schürrle bedankt sich mit einem Tor.
Foto: dpa
Stockholm –  

Die DFB-Elf dreht beim Gastspiel in Schweden auf eindrucksvolle Weise die Partie. Mit 5:3 setzte sich im 100. Länderspiel von Bastian Schweinsteiger beim fröhlichen Wettschießen schließlich das Team von Bundestrainer Joachim Löw durch.

Wenn Schweden und Deutschland aufeinandertreffen, sind Tore alles andere als Mangelware. Das war auch beim letzten Gruppenspiel in der WM-Qualifikation nicht anders. Mit 5:3 setzte sich im 100. Länderspiel von Bastian Schweinsteiger beim fröhlichen Wettschießen schließlich das Team von Bundestrainer Joachim Löw durch. Überragender Spieler auf dem Platz war André Schürrle, nicht nur wegen seiner drei Treffer.

Die Gegend um das neue Stadion von Solna sieht in etwa so aus wie weite Teile von Stockholms Innenstadt: Sie ist eine gigantische Baustelle. Ein bisschen wirkt es so, als wolle sich die Stadt von Grund auf neu erfinden, sei aber noch nicht ganz sicher, ob am Ende nicht doch alles wieder so sein wird wie vorher. Im Wesentlichen trifft das auch auf Schwedens Team zu.

Das soll nach seiner Runderneuerung durch Coach Erik Hamrén endlich wieder richtig glänzen, so wie zum Beispiel die Mannschaft von 1994, die bei der WM in den USA Rang drei belegte, und so wie eines Tages wohl die pompös betitelte Mall of Scandinavia neben der schnieken Arena, die mal das größte Einkaufszentrum des europäischen Nordens werden soll, derzeit aber noch als unfertiges Gerippe in einer Wüste aus Bahngleisen, Baugeräten und Schutt herumsteht.

Schweden - Deutschland 3:5 (2:1)

Schweden: Wiland - Bengtsson, Nilsson, Antonsson, Martin Olsson - Elm (58. Svensson), Källström - Larsson, Kacaniklic (72. Durmaz) - Toivonen (84. Wernbloom), Hysén

Deutschland: Neuer - Lahm, J. Boateng, Hummels, Jansen - Schweinsteiger, Kroos - Müller (46. Götze), Özil (82. Draxler), Schürrle - Kruse (75. Höwedes)

Tore: 1:0 Hysén (6.), 2:0 Kacaniklic (42.), 2:1 Özil (45.), 2:2 Götze (53.), 2:3 Schürrle (57.), 2:4 Schürrle (66.), 3:4 Hysén (69.), 3:5 Schürrle (76.)

Schiedsrichter: William Collum (Schottland)

Zuschauer: 50 000

Gelbe Karten: Martin Olsson - Hummels, Höwedes, Kruse, Schürrle

Dass man die Schweden ernst nehmen muss, haben sie aber schon in der WM-Qualifikation bewiesen, wo sie sich als Meister darin erwiesen, erst mal in Rückstand zu geraten und diesen dann heroisch aufzuholen, am eindrucksvollsten beim 4:4 gegen Deutschland vor einem Jahr in Berlin. Auch Löw hat also gelernt, die Skandinavier ernst zu nehmen, weshalb er seine Ankündigung einer äußerst zarten Rotation im Team in die Tat umsetzte. Mit Max Kruse brachte er wie avisiert eine echte Spitze, Mats Hummels durfte den Platz einnehmen, den ihm Per Mertesacker zuletzt wieder weggeschnappt hatte. Ansonsten spielte jenes Team, das am Freitag gegen Irland 3:0 gewonnen und die Qualifikation für Brasilien perfekt gemacht hatte.

Dass man sich auf die schwedische Freude am Rückstand nicht bedingungslos verlassen sollte, musste das deutsche Team schon in der sechsten Spielminute erfahren. Da spielte Kapitän Sebastian Larsson plötzlich einen schönen Pass in die berüchtigte Schnittstelle im deutschen Abwehrzentrum, Jérôme Boateng reagierte zu spät, und schon stand es 1:0 durch Tobias Hysén.

Schussversuche des Jubilars

Nach einer Viertelstunde bekam das DFB-Team die Partie aber langsam in den Griff und begann jenen semispanischen Ballbesitzfußball zu spielen, dem es sich zuletzt verschrieben hat. 75 Prozent waren es in der ersten Hälfte. Viel mehr als einige unbeholfene Schussversuche des Jubilars Bastian Schweinsteiger kamen dabei zunächst nicht heraus, doch dafür wurde erst das schwedische Publikum eingeschläfert, dann ein wenig der Gegner, zuletzt aber leider auch die eigene Abwehr, wo die unselige Schnittstelle in der 42. Minute erneut zuschlug. Einen Steilpass von Kim Källström verwertete Alexander Kacaniklic zum 2:0. Das war jetzt ein bisschen viel Führung für Schweden, weshalb sie Özil kurz vor dem Halbzeitpfiff noch das 1:2 gestatteten.

Die Schicht von Thomas Müller war damit beendet, für ihn kam Mario Götze, dessen Anwesenheit sich in der 53. Minute prompt bewährte. Einen wunderschönen Spielzug nach Ballgewinn in der eigenen Hälfte über den sehr agilen André Schürrle, Kruse und Özil schloss der Bayern-Rekonvaleszent kaltblütig zum 2:2 ab.

Die Schweden wurden nun müde und unachtsam, so als wollten sie in der zweiten Hälfte von Stockholm ihre erste von Berlin kopieren, wo sie komplett chancenlos waren. Drei Minuten nach dem Ausgleich nutzte Schürrle einen katastrophalen Ballverlust von Per Nilsson zur Führung. Wieder zehn Minuten später verdödelte Mikael Antonsson den Ball am eigenen Strafraum, erneut freute sich Schürrle.

Das wollten nun die Gastgeber nicht auf sich sitzen lassen, Hysén erzielte in der 69. Minute das 3:4, allerdings aus so deutlicher Abseitsposition, dass die Stadionregie die Wiederholung des Tores auf dem Videowürfel schnell abbrach. Machte sowieso nichts, weil Schürrle mit feinem Schuss alsbald den alten Abstand wieder herstellte. Die Schweden indes müssen, wenn sie über die Playoffs zur WM wollen, noch ein bisschen weiterbauen, vor allem an der Rückwand ihres Gebäudes.

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