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Deutschland schlägt Slowenien: Das Halbfinale zu erreichen, ist "realistisch"

Modell sterbender Schwan: Ein harmloser Nikola Karabatic läuft sich fest.

Modell sterbender Schwan: Ein harmloser Nikola Karabatic läuft sich fest.

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DPA/JACEK BEDNARCZYK

Breslau -

In Oliver Roggischs Gesicht sprießt es unübersehbar. Seit diese Europameisterschaft in Polen begonnen hat, rasiert sich der Teammanager der deutschen Handball-Nationalmannschaft nicht mehr – inzwischen ist bereits ein stattlicher Sechs-Tage-Bart entstanden. „Das Ding bleibt dran, solange unsere Jungs im Turnier sind – ganz egal, wie ich dann aussehe“, verkündete er sichtlich zufrieden Funktionär in der Mixed Zone der Breslauer Jahrhunderthalle.

Soeben hatte sich herausgestellt, dass er seinen Rasierapparat getrost noch ein paar Tage unberührt im Kulturbeutel lassen kann. Denn es geht weiter für die DHB-Auswahl bei diesem Turnier. Am Mittwochabend bezwang sie Slowenien in ihrem letzten Gruppenspiel dank einer überzeugenden Vorstellung 25:21 (12:10), qualifizierte sich auf diese Weise für die Hauptrunde und erreichte so das selbst formulierte Minimalziel.

Als Zweiter der Gruppe C hinter Spanien und vor Schweden nimmt die deutsche Mannschaft zwei Punkte dorthin mit und trifft in den nächsten drei Spielen am Freitag auf Ungarn, am Sonntag auf Russland und am nächsten Mittwoch auf Dänemark; die exakten Anwurfzeiten dafür werden nach Absprache der beteiligten Verbände und TV-Anstalten bis Donnerstagmorgen festgelegt.

"In allen Bereichen noch zulegen"

Auf das Erreichen des ersten Etappenziels reagierte auch Bundestrainer Dagur Sigurdsson zufrieden. Und er traut seinem Team bei dieser EM auch noch einiges zu, denn: „Wir können in allen Bereichen noch zulegen.“

Am Mittwoch konnte Sigurdsson vor allem mit der vorzüglichen Abwehrleistung zufrieden sein. „Die Defensive hat großartig gearbeitet, deshalb konnten wir uns auch vorn den einen oder anderen Fehler erlauben“, sagte der Isländer, der für die nächsten Tage noch einen weiteren Vorteil aufseiten der Deutschen sieht: „Wir haben eine sehr junge Mannschaft, da regeneriert man auch schneller.“

Besonders erleichtert durfte der DHB-Chefcoach darüber sein, dass sich seine Schützlinge diesmal – im Gegensatz zu den ersten Spielen gegen Spanien und Schweden – keine nennenswerte Schwächeperiode erlaubten und über 60 Minuten hinweg sehr stabil wirkten. Zugegeben, nach zehn Minuten lagen die Deutschen 2:5 zurück, doch das löste keinerlei hektische Betriebsamkeit oder gar Panik aus. Die deutschen Spieler behielten die Ruhe, verrichteten ihr Handwerk hoch konzentriert, gingen nach 18 Minuten erstmals mit zwei Toren in Führung (8:6) und kontrollierten fortan das Geschehen. Großen Anteil daran hatte abermals Torhüter Andreas Wolff, der diesmal in der Anfangsformation den Vorzug vor Routinier Carsten Lichtlein erhalten hatte.

"Unglaubliche Entwicklung"

Die Bestnote in der deutschen Mannschaft verdiente sich aber ein anderer: Finn Lemke, der 2,10-Meter-Mann im Abwehr-Mittelblock, der mit seiner Präsenz und den krakenartigen Armen die slowenischen Offensivakteure zunehmend zur Verzweiflung trieb. „Es ist unglaublich, welche Entwicklung der Kerl in den vergangenen Spielen bei uns genommen hat“, schwärmte Oliver Roggisch vom 23-jährigen Magdeburger.

„Der Finn haut sich unglaublich rein und reißt damit alle mit. So etwas habe ich in einer deutschen Nationalmannschaft schon lange nicht mehr erlebt“, fügte er hinzu. Der Teammanager muss es ja wissen – immerhin war er selbst über Jahre als beinharter Abwehrchef der DHB-Auswahl für solcherlei unverzichtbare Basisarbeit zuständig.

Als Mann des Spiels geehrt wurde am Ende zwar Steffen Weinhold, doch dies konnte man als Auszeichnung für die gesamte Mannschaft verstehen. Hendrik Pekeler fasste treffend zusammen: „Mit zwei Siegen nach drei Spielen kann man durchaus zufrieden sein, zumal wir uns jedes Mal gesteigert haben.“ Die Chance, nun sogar das Halbfinale zu erreichen, nannte er „realistisch“.

So weit wollte Oliver Roggisch nicht gehen, er sagte stattdessen: „Immer ganz easy bleiben. Wir gucken, was kommt, aber der Taschenrechner bleibt erst mal in der Schublade.“ Genauso wie der Rasierapparat.