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Deutschlands Nationalelf: Der Weg wird holprig für den Nachwuchs

Immer auf den Gegner schauen: Argentiniens Martin Demichelis fixiert seinen ehemaligen Bayern-Kollegen Mario Gomez.

Immer auf den Gegner schauen: Argentiniens Martin Demichelis fixiert seinen ehemaligen Bayern-Kollegen Mario Gomez.

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Bongarts/Getty Images

In der Nacht zum Donnerstag herrschten noch einmal große Gefühle im DFB-Mannschaftshotel. Mit Miroslav Klose, Philipp Lahm und Per Mertesacker verabschiedeten sich nicht nur drei hoch geschätzte Teamkollegen, sondern es ging auch die Erfahrung von zusammengerechnet 354 Länderspielen verloren. Eine derart klaffende Lücke kann selbst das oft gerühmte Ausbildungssystem im deutschen Fußball nicht mal eben über Nacht stopfen. Vor allem Lahm und Mertesacker hätte Joachim Löw aktuell noch allzu gern zur Verfügung.

Das 2:4 im Test gegen Argentinien führte dem Bundestrainer jedenfalls vor Augen, dass in der Abwehr auf allen Positionen ein Mangel an hochklassigen Auswahlmöglichkeiten herrscht. Einzig der von sehr überdurchschnittlicher Athletik geprägte Kurzauftritt des Stuttgarters Antonio Rüdiger überraschte positiv. Wie aber vor allem auf den Positionen der beiden Außenverteidiger fußballerische Kompetenz herangezüchtet werden kann, die das erforderliche Niveau für den beabsichtigten EM-Titel 2016 in Frankreich erfüllt, ist derzeit nicht absehbar.

Erik Durm und Kevin Großkreutz, wie der ebenfalls enttäuschende Innenverteidiger Matthias Ginter, ein WM-Fahrer ohne Einsatz, erfüllten die Erwartungen nicht. Während dem von Manchester Uniteds Neuerwerbung Ángel Di María vorgeführten Dortmunder Durm zugetraut werden kann, mit mehr Erfahrung auch im Defensivverhalten zu reifen, lieferte sein Teamkollege Großkreutz wenig Brauchbares, das ihn auf eine Perspektive für die Nationalmannschaft hoffen lassen könnte.

Holpriger Weg

Löw hat bereits unzweideutig formuliert, dass er für die am Sonntagabend in Dortmund mit dem Spiel gegen Schottland beginnende EM-Qualifikation wieder zu offensiven, druckvoll angreifenden Außenverteidigern zurückkehren will. Die Ochsenabwehr von Brasilien mit vier Innenverteidigern wird erst einmal in der Mottenkiste verstaut. Aber junge, flinke und technisch starke Außenverteidiger sind rar in Deutschland. Der gelernte Mittelfeldspieler Emre Can, im Sommer aus Leverkusen zum FC Liverpool gewechselt, sollte zeitnah von Löw berufen werden, ehe er sich womöglich noch für die Türkei entscheidet.

Auch in der zentralen Defensive ist nach Mertesackers Rücktritt und dem gegen Argentinien verletzungsbedingten Fehlen der internationalen Klassespieler Jérôme Boateng und Mats Hummels vorerst kein Personal entsprechender Qualität vorhanden. Ginter besitzt immerhin grundsätzlich das Format, um auf Sicht eine ähnliche Rolle wie Mertesacker spielen zu können, Rüdiger verfügt über ähnliche Anlagen wie Boateng. Aber der Weg ist noch relativ weit und überdies holprig. Joachim Löw hat während der sportlich zweitklassigen EM-Qualifikation zwei Jahre Zeit, um ihn für die jungen Spieler zu ebnen.


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