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DFB-Affäre um WM 2006: Stammt vermeintliches Schmiergeld aus öffentlichen Mitteln?

Kurzfristige Einladungen schlägt er offenbar aus: Otto Schily.

Kurzfristige Einladungen schlägt er offenbar aus: Otto Schily.

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imago stock&people

Es wird ein ziemlich intimes Treffen, wenn an diesem Mittwoch der Bundestags-Sportausschuss den Skandal um zwei nebulöse 6,7-Millionen-Euro-Transaktionen im Vorfeld der Fußball-WM 2006 erörtert. Nicht allein, weil die Sitzung wie immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Sondern auch, weil zwei Hauptakteure von damals der Einladung der Abgeordneten nicht folgten: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Bundesinnenminister a.D. Otto Schily (SPD).

Schily war seinerzeit Vizepräsident im Aufsichtsrat des WM-Organisationskomitees und wurde nach der WM zum Ehrenmitglied des DFB ernannt, weil er, wie es in der Begründung hieß, „mit dem DFB manch gelungenen Doppelpass spielte“. Er will seine Einladung erst einen Tag vor der Sitzung erhalten haben. Abgeschickt wurde sie am Donnerstag an Schilys Berliner Anwaltskanzlei. Für Auskünfte steht dem Ausschuss deshalb nur Ole Schröder zur Verfügung, der parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium. Dieses konnte bisher keine einzige Frage dieser Zeitung beantworten.

Abgeordnete erwarten sich keine Antworten

Aufklärung darüber, wofür jene 6,7 Millionen Euro tatsächlich bestimmt waren, die Ex-Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus dem deutschen WM-Organisationskomitee (OK) nach Angaben seines einstigen Chefs Franz Beckenbauer angeblich geliehen hat, erwarten wohl auch die Abgeordneten nicht. Fest steht aber, unter welchem Vorwand das angebliche Dreyfus-Darlehen vom WM-OK im April 2005 „zurückgezahlt“ wurde: Es war als Zuschuss zur (später abgesagten) Auftakt-Gala in Berlin deklariert. Mit der Umetikettierung soll, so die Lesart, auch der Aufsichtsrat des WM-OK inklusive der Bundesregierung getäuscht worden sein. Wirklich?

Aufsichtsratsmitglied Schily verriet der Süddeutschen Zeitung kürzlich, dass das WM-OK seinerzeit eine „Umschichtung im Kulturetat“ zugunsten der Fifa-Auftaktgala wollte. So stehe es in einer Tischvorlage für die Sitzung des WM-Präsidialausschusses beim Aufsichtsrat am 8. April 2005. Laut Schily nahm der Ausschuss die Zahlungsabsicht nur „zur Kenntnis“. Warum kein Beschluss dazu gefasst wurde, sagte der Minister a.D. nicht. Diese Auskunft wirft brisante Fragen auf, die den Sportausschuss interessieren dürften. Die erste: Wurde die dubiose 6,7-Millionen-Rückzahlung tatsächlich über „Umschichtung“ finanziert? Dann wären 2005 öffentliche Mittel in mutmaßliches Schmiergeld umgewandelt worden. Denn das Geld fürs WM-Kulturprogramm, insgesamt 29 Millionen Euro, kam, wie aus dem Abschlussbericht der Bundesregierung hervorgeht, vom Bund.

Gemeinsame Erklärung von Schily und Blatter

Zusätzliche Sprengkraft erhält die interne Aufsichtsratsdebatte durch ein „Memorandum of Understanding“ (MoU), das öffentlich bisher nicht thematisiert wurde. Der Vertrag stammt aus dem Oktober 2004 und trägt die Unterschriften von Fifa-Präsident Joseph Blatter und Schily. Kernsätze der gemeinsamen Erklärung dazu: „Die Fifa übernimmt auch die Kosten für die Auftaktveranstaltung in Berlin in Höhe von etwa 22 bis 25 Millionen Euro. Ursprünglich war geplant, die Veranstaltung mit dem Verkauf einer Goldmünze durch den Bund zu finanzieren. Diese Mittel sollen nun für andere Zwecke im Zusammenhang mit der WM ausgegeben werden, erklärte der Bundesinnenminister.“

Kaum vorstellbar, dass Schily oder andere Akteure aus Fußball und Politik diese Vereinbarung vergessen hatten, als nur ein halbes Jahr später die Millionen für die Auftaktgala Thema in den Aufsichtsgremien waren. Handelte es sich doch um Krisenmanagement mit Wissen des Aufsichtsrates? Oder jedenfalls um eine äußerst „intransparente Gestaltung“ (der einstige DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt zur Zahlung), die auch für die Aufsichtsräte erkennbar gewesen sein könnte? Wie sonst wäre die Verweigerung zu erklären, die Millionen für die Fifa formal abzusegnen?

Schily bot dem Sportausschuss an, zu einem anderen Sitzungstermin zu erscheinen. Die Abgeordneten sollten zügig annehmen.