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DFB-Frauen: Die letzten Schritte zur WM

Nur noch einen Punkt von der Frauen-Fußball-WM entfernt: Bundestrainerin Sylvia Neid.

Nur noch einen Punkt von der Frauen-Fußball-WM entfernt: Bundestrainerin Sylvia Neid.

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imago/foto2press

Frankfurt a. M -

Es kommt ja mittlerweile selten vor, dass Nadine Angerer und Silvia Neid nicht einer Meinung sind, doch was die nächste Dienstreise der deutschen Nationalfußballerinnen angeht, driften die Ansichten weit auseinander. Die Torhüterin sprach von einem „mulmigen Gefühl“, am kommenden Sonnabend (14.45 Uhr/live ARD) das vorletzte WM-Qualifikationsspiel in Russland bestreiten zu müssen. Angerer, 35, gefällt es nicht, in jenen Staat zu reisen, der mit dem Ukraine-Konflikt die ganze Welt beunruhigt. Die Bundestrainerin hielt gestern dagegen: „Mir geht es nicht so. Wir brauchen keine Angst zu haben, die Ukraine ist weit weg. Ich habe kein mulmiges Gefühl.“

Rückendeckung erteilte der Cheftrainerin die Teammanagerin Doris Fitschen, die berichtete, man stehe mit dem Auswärtigen Amt in Kontakt – und das habe keine Bedenken geäußert. Es ist die ewige Debatte, inwieweit die politische Situation den Sport tangiert. Neid („Wir reisen dorthin, um Fußball zu spielen“) hat auch deshalb abgewiegelt, weil der viertägige Aufenthalt in Moskau ohnehin nur eine Zwischenstation auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2015 ist. „Unser primäres Ziel ist es, dort einen Punkt zu holen. Ich bin ganz sicher, dass die Russinnen ganz anders auftreten als vor einem Jahr.“

Damals gewann Deutschland 9:0, dennoch erwartet Neid nun auf einem Nebenplatz des Luschniki-Stadions ein „anstrengendes Spiel“. Dem folgt die finale Pflichtaufgabe gegen Irland am Mittwoch (18 Uhr/live ARD) in Heidenheim – und dann kann wohl unter die lästige Qualifikation ein Haken gemacht werden. Der Blick beim Europameister ist längst auf die Titelkämpfe in Kanada gerichtet, wo der Stellenwert des Frauenfußballs noch höher ist als hierzulande.

Sieben verletzte Spielerinnen

Der Gastgeber, die USA oder auch Japan werden ihre Auswahlteams monatelang zur Vorbereitung zusammenziehen, das aber lässt der dicht gedrängte Terminkalender für die Europäer nicht zu. „Wir müssen sehen, dass wir das anders gestemmt kriegen“, sagte Neid. Am 25. Oktober kommt Frankreich zum Test nach Offenbach, vier Tage später soll in Schweden auf Kunstrasen gekickt werden, der zum Unwillen aller auch die WM-Spielfläche sein wird. Um Auftritte in den riesigen kanadischen Arenen zu simulieren, treten die deutschen Fußballerinnen am 23. November zudem gegen England im Wembleystadion an.

Generelle Sorgen wegen der Überlastung sind berechtigt, denn mit Nadine Keßler, Alexandra Popp, Luisa Wensing, Bianca Schmidt, Saskia Bartusiak, Lena Lotzen und Leonie Maier fallen sieben Spielerinnen teils langfristig aus. Neid: „Erstaunlich, dass es so viele so früh sind.“ Nur eine scheint unverwüstlich zu sein: Die zwischen der australischen und amerikanischen Liga pendelnde Nadine Angerer, die von ihrer Trainerin eine Einsatzgarantie bekam: „Sie wird beide Spiele machen.“ Moskau hin oder her.