09.02.2012

DFB-Pokal: Hoffenheim verliert gegen Fürth

Von Frank Hellmann
        

Schwitzkasten: Occean (l.), Sararer.
Schwitzkasten: Occean (l.), Sararer.
Foto: getty images/Thorsten Wagner
Sinsheim –  

Das Pokal-Aus gegen den Zweitligisten Greuther Fürth verschärft die Hoffenheimer Krise. Der Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp kritisiert unterdessen Trainer Stanislawski.

Den weißen Plastikstuhl am linken Rand seiner Coaching Zone hatte Holger Stanislawski irgendwann verlassen. Zu wackelig wirkten die dünnen Stuhlbeinchen, zu aufregend war das Geschehen an diesem bitterkalten Winterabend, der einen neuen Tiefpunkt in der Karriere des Trainers der TSG Hoffenheim bringen sollte. Hilflos sah Stanislawski letztlich das 0:1 (0:1) im DFB-Pokalviertelfinale gegen Greuther Fürth an.

Platzverweis spielentscheidend

„Wir sind marschiert ohne Ende und haben alles investiert“, beschied er tapfer, „doch durch eine Rote Karte haben wir uns selbst bestraft.“ In der Tat: Der Platzverweis gegen Marvin Compper (32.) besaß spielentscheidenden Charakter. Während der durch das feine Siegtor von Olivier Occean (44.) siegreiche Zweitligist den Einzug ins Halbfinale mit Veitstänzen feierte, schaffte der Hoffenheimer Coach es nicht mal mehr, seine Spieler, wie sonst üblich, in einem Kreis zu versammeln. Immerhin: Das Publikum gab Sympathiebekundungen für den 42-Jährigen ab: mit „Pro-Stani“-Plakaten und Sprechchören.

Fürth feiert

Nutzte nur nichts. Während die Spieler des Zweitligisten vor 5 000 mitgereisten Fans ausgelassen feierten und Fürths Trainer Mike Büskens („Wir bekommen im Halbfinale jetzt das Spiel unseres Lebens“) mit seinem ehemaligen Schalker Spielkameraden Gerald Asamoah über den Rasen kugelte, trollten sich die Sündenböcke in den blauen Jerseys dorthin, wo Compper viel zu schnell war: unter die warme Dusche. Der 26-Jährige hatte bei einer Rudelbildung dem Fürther Stephan Fürstner ins Gesicht gefasst. Schiedsrichter Marco Fritz zückte die Rote Karte, und Compper gab sich hinterher nach der dummen Aktion kleinlaut: „Es tut mir leid, dass ich meine Jungs damit geschwächt habe.“

Hopp schaltet auf Angriff um

Die Frage ist nun, ob der überflüssige Handstreich auch Folgen für seinen Trainer hat. Denn die Position von Stanislawski ist mehr denn je gefährdet, zumal der weiter allmächtige Gönner und Strippenzieher Dietmar Hopp mit seiner Aussage, es sei weder eine Linie noch eine Entwicklung bei der Mannschaft erkennbar, auf Angriff umgeschaltet hat. Der Coach konterte gestern mühsam: „Das nehme ich zur Kenntnis – und mache mir meine eigenen Gedanken.“ Sorgen muss ihm auch das Statement von Ernst Tanner machen. Der Manager konstatierte angefasst, „dass ich mich zum Trainer nicht äußere.“ Fakt sei, „dass wir bei aller Leidenschaft wieder nichts Produktives aufs Tor gebracht haben.“

Stanislawski hatte eigentlich im Pokal-Wettbewerb „einen Pflock“ einschlagen wollen, dafür zaudernde Zauberer wie Sead Salihovic und den beim nächsten Bundesligaspiel bei Werder Bremen ohnehin gesperrten Ryan Babel auf die Bank verbannt und stattdessen einem Nobody wie Martin Strobl aus der zweiten Mannschaft vertraut. Großen Nutzen brachten die Rochaden indes nicht ein.

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