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Berliner Zeitung | DFB-Pokal: Werder Bremen gewinnt feurigen Pokal-Fight gegen Bayer Leverkusen
09. February 2016
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DFB-Pokal: Werder Bremen gewinnt feurigen Pokal-Fight gegen Bayer Leverkusen

Anfang vom Ende: Santiago Garcias Ausgleich macht Leverkusen ratlos.

Anfang vom Ende: Santiago Garcias Ausgleich macht Leverkusen ratlos.

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dpa

Leverkusen -

Die Verantwortlichen von Bayer Leverkusen sind ja eher vorsichtig, wenn es um das Formulieren von Zielen geht. Der Vorwurf, sie seien mutlos und nehmen sich mit ihren bescheidenen Vorsätzen den Glauben an Sensationen, gehört zur Tradition, für den DFB-Pokal gilt das aber nicht. „Sowohl ich als auch die Mannschaft haben es vor Augen, in diesem Wettbewerb einen Titel holen zu wollen“, hatte Trainer Roger Schmidt vor dem Spiel gegen Werder Bremen erklärt. Nach dem Abpfiff mussten sie sich dann mal wieder von einer Titelchance verabschieden, und Werder Bremen darf vom Finale in Berlin träumen.

Mit 1:3 (1:2) verlor der ambitionierte Spitzenklub vom Rhein gegen den Abstiegskandidaten aus dem Norden, verdient, und vielleicht noch nicht mal hoch genug. „Natürlich sind wir sehr zufrieden. Es ist so gelaufen, wie wir es uns vorgestellt haben“, sagte Werders Angreifer Claudio Pizarro: „Wir haben gezeigt, dass wir dran sind, jetzt gehen wir weiter im Pokal.“

Eine Rote Karte für Wendell (41.) hatte den starken Bremern den Weg ins Halbfinale geebnet. Wobei es auch schon vorher ein Spiel auf Augenhöhe gewesen war. Felix Wiedwald wirkte zwar nicht immer sicher, und in der 21. Minute produzierte Santiago García mit einem Foul an Stefan Kießling einen unnötigen Elfmeter, den Chicharito zum 1:0 nutzte. Die Reaktion auf diesen Rückstand war aber beeindruckend.

Werder ballsicher

Werder begann umgehend am Ausgleich zu arbeiten, was gegen Leverkusen ja recht gefährlich ist. Die Werkself liebt es, angreifenden Teams den Ball zu klauen und zu kontern. Doch Werder war ballsicher und schoss schnell den Ausgleich. Ein Freistoß aus der Nähe der rechten Eckfahne landete auf der gegenüberliegenden Seite des Strafraums, von wo der großartige Fin Bartels den Ball wieder ins Zentrum spielte. Santiago García traf zum verdienten 1:1.

Das hinterließ Spuren bei den Leverkusenern, die kaum noch Konstruktives zustande brachten und einen weiteren Schock erlitten. Nach einem schönen Angriff der Gäste foulte Wendell Bartels im Strafraum, es gab Elfmeter und eine Rote Karte für den Brasilianer, den Pizarro zum 1:2 nutzte (42.).

Trainer Schmidt stand kopfschüttelnd an der Seitenlinie, die große „Leidenschaft mit allem, was dazugehört“, die er angekündigt hatte, wich Ratlosigkeit. Vielleicht auch der Furcht, der ewigen Leverkusener Geschichte der verpassten Chancen ein neues Kapitel hinzuzufügen. In der Halbzeit stellte Schmidt auf Dreierkette um, die besseren Chancen hatte aber weiterhin Werder. Bartels hätte die Weichen schon nach 55 Minuten auf Sieg für Bremen stellen können, als er aus bester Position zum Schuss kam, doch Leno konnte den Ball abwehren.

Abseitstor bringt Entscheidung

Als Chicharito, der beste Leverkusener Torjäger, mit Schmerzen im Oberschenkel vom Platz humpelte (56.), sah es endgültig finster aus für den harmlosen Favoriten. Immerhin gelang es Leverkusen, das Spiel weitgehend in die gegnerische Hälfte zu verlagern, aber die bemerkenswert stabilen Bremer, die in den drei Bundesligapartien zuvor neun Gegentore zugelassen hatten, blieben kompakt.

Kevin Kampl hatte die beste Ausgleichschance, scheiterte aber an Wiedwald (80.). „Wir haben es total vergeigt“, war sein Fazit. Zwei Minuten später vollendete Florian Grillitsch einen Konter zum 1:3. Dass das Tor wegen Abseits nicht hätte zählen dürfen, war den Bremern in ihrem Jubel dann auch egal.