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Distanzreiten: Tierquälerei: Wenn Tempo tötet

Pferdefreunde? Scheich Mohammed und seine Frau Prinzessin Haya.

Pferdefreunde? Scheich Mohammed und seine Frau Prinzessin Haya.

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imago/Frank Sorge

Beinbrüche, Doping, kollabierende Pferde – das Distanzreiten, eine der acht Disziplinen des Weltreiterverbandes Fei steht am Abgrund. Und an fast allen Tierschutzskandalen sind Reiter aus den arabischen Ländern beteiligt. Mit einem Brandbrief wandte sich der Schweizer Reiterverband jetzt an die Fei. Kleines Problem: Fei-Präsidentin Prinzessin Haya ist eine der Ehefrauen des Dubai-Staatschefs Scheich Mohammed al Rashid bin Maktoum, verurteilter Dopingsünder und Arbeitgeber anderer erwischter Missetäter.

„Wir beobachten eine dramatischen Zahl von Medikations- und Dopingfällen, womit Distanzreiten eine Führungsposition bei entdecktem Missbrauch verbotener Substanzen einnimmt“, schrieb der Schweizer Reiterpräsident Charles Trolliet kürzlich an den Fei-Generalsekretär. Die Rede ist auch von „zahlreichen bezeugten und dokumentierten Grausamkeiten gegen Pferde“, von schockierenden tierärztlichen Gesundheitsberichten, von einer enorm hohen Zahl von Knochenbrüchen wie auch von Betrugsversuchen vor und während Distanzrennen.

Die Zahlen, die die Fei selbst auf ihrer Internetseite veröffentlicht, sprechen eine deutliche Sprache: Von 2010 bis 2012 wurden 41 Distanzpferde positiv getestet, 31,7 Prozent mit „verbotenen Substanzen“, also Substanzen wie Anabolika, und 68,3 Prozent mit „Controlled Medication Substances“, also im Wettkampf verbotener Medikation, viele davon als Mischung aus mehreren Substanzen. 82,9 Prozent der positiven Distanzfälle betrifft Pferde aus den arabischen Staaten. Pferde von drei Medaillengewinnern der letzten acht Jahre, alle aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, wurden positiv getestet.

Scheich und Weltmeister

Bei der steigenden Zahl von Beinbrüchen – auf gerader Strecke, nicht bei Stürzen über Hindernisse – handelt es sich nach Ansicht von Fei-Tierärzten um Ermüdungsbrüche überforderter Pferde, die, so wird vermutet, durch nicht nachweisbare Substanzen wie Ammoniumchlorid schmerzfrei gespritzt wurden.

Das Tempo in einem internationalen 160-Kilometer-Ritt liegt bei 25 bis 27 km/h, was nach Ansicht von Experten bereits viel zu hoch ist. „It’s the speed that kills“, zitiert die Distanztierärztin Juliette Mallison eine alte Rennsportweisheit: „Es ist das Tempo, das die Pferde kaputtmacht.“

Im Februar war sie als Fei-Tierärztin in Dubai. Ihr Bericht liest sich erschreckend. Nur 40 von 133 Reitern kamen ans Ziel, ein Pferd starb, vier Pferde brachen sich ein Bein, ein Pferd kollabierte auf der Strecke und wurde in eine Klinik gebracht. „Bereits im Herbst 2012 haben Belgier und Franzosen einen Vorstoß bei der Fei unternommen, aber nichts passierte“, sagt Trolliet. Die deutsche FN hat ihre Zustimmung zum Schweizer Protest signalisiert, ohne sich aber allzu weit aus dem Fenster zu hängen.

Und Prinzessin Haya? Sie schweigt. Dabei sollte das unter ihrer Präsidentschaft entwickelte „Clean Sports“-Programm mit verschärften Dopingstrafen für Sauberkeit im Pferdesport sorgen.

Härter noch als die Vorwürfe aus dem Distanzsport dürfte den Scheich der Skandal um seine Rennpferde treffen. Mohammed besitzt rund 5 000 Vollblüter, für sein Hobby Distanzreiten – er ist Weltmeister über 160 Kilometer, – stehen ihm noch einmal geschätzte 700 Pferde zur Verfügung.

Bei elf Pferden seines Rennsportimperiums Godolphin wurden nach Trainingskontrollen anabolische Steroide, also Muskelaufbaupräparate, gefunden, darunter auch Stanozolol, das Mittel, mit dem sich Ben Johnson 1988 um Olympisches Gold brachte. Der für die Pferde zuständige Trainer Mahmood al Zarooni wurde für acht Jahre gesperrt, eine Rekordstrafe. Die Medikamente stammten aus Dubai. Scheich Mohammed gab sich entsetzt und erließ flugs ein „Dekret“, das in seinem Land diese Substanzen verbietet.

Trolliet forderte vom Weltreiterverband Maßnahmen, um das tierquälerische Treiben im Distanzsport zu beenden. Jetzt reagierte die Fei: Es werde einen Runden Tisch, unter anderem mit Vertretern des Schweizer Verbandes und der Vereinigten Arabischen Emirate geben. In einem wolkigen Statement ließ Präsidentin Haya erklären, „man wolle die Parteien zusammenbringen, um eine offene Diskussion zu führen, damit spezifische Problembereiche innerhalb des Sports besser verstanden werden und Vorschläge erarbeiten, welche Schritte unternommen werden können“.