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Dmitri J. Rybolowlew: AS Monacos Mäzen: Reicher als Abramowitsch

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Raus aus dem Schatten: Oligarch Rybolowlew.
Raus aus dem Schatten: Oligarch Rybolowlew.
Foto: imago/Panoramic

Ricardo Carvalho, João Moutinho und natürlich Falcao: In Monaco baut der nächste reiche Russe an einem europäischen Topklub: Dmitri J. Rybolowlew.

Auf dem Monte de El Pardo im Restaurante Filandón stand am Donnerstagabend Radamel Falcao umgeben von Kollegen, Funktionären und Gönnern des Club Atlético de Madrid, vor seinem Stuhl am Tisch, ermutigt, sich zu verabschieden – und sagte kein einziges Wort. Er weinte bitterlich, unfähig zu beschreiben, was war, und zu sagen, was sein wird. Zwei Jahre spielte der Kolumbianer für Atlético, schoss in der ersten Spielzeit 24 Tore, in der zweiten 28, wurde Europa-League-Sieger, dieses Jahr Pokalsieger, halb Europa jagte hinter ihm her. Er hätte zwischen den großen Klubs wählen können – und entschied sich stattdessen für ein Projekt, das ihm offensichtlich doch die Sprache verschlug. Radamel Falcao wechselt in den kommenden Tagen für 45 Millionen Euro zum AS Monaco.

Wohl nicht ganz bei Trost, empfiehlt als Urteil der erste Gedanke an den Wechsel des 27-Jährigen zu einem Klub, der die vergangenen zwei Spielzeiten in der zweiten französischen Liga verbracht hat und gerade erst aufgestiegen ist. Die schillernden Tage von sieben Meisterschaften, fünf Pokalsiegen und zwei Finalteilnahmen im Europapokal der Pokalsieger (1992) und der Champions League (2004) liegen schon so lange zurück, dass man sich im Fürstentum darüber unterhält wie über die Eroberung der Felsenstadt durch die Grimaldis 1297.

Doch nichts ist für die Ewigkeit, das gilt für die guten Tage und auch für die schlechten. Seit Januar 2011 gehören 66 Prozent des Vereins dem russischen Oligarchen Dmitri Jewgenjewitsch Rybolowlew, Kalium-König genannt, weil er seine Milliarden vornehmlich mit Düngemitteln verdiente. Im Stillen hat der 46-jährige Mäzen und Präsident den AS Monaco wieder auf Vordermann gebracht. Jetzt im zweiten Jahr soll das Projekt die nächste Stufe erreichen, und wie sich das für einen ordentlichen Oligarchen gehört, ist die zweite Stufe zugleich auch die letzte. Er will zurück an die Spitze.

So ergibt Falcaos Wechsel Sinn, die Aussichten sind exzellent, die Zwergenkulisse des Stade Louis II (18 000) wird vom täglichen Blick auf die Côte d’Azur und Verlockungen ausgeglichen, denen zu erliegen für einen so talentvollen Fußballer wie Falcao vielleicht eine Schwäche, aber keine Sünde ist. Seit einem fürstlichen Dekret aus dem Jahr 1969 bezahlen Profifußballer in Monaco keine Steuern. Heißt für Falcao: Die 14 Millionen Euro Jahresgehalt fallen netto aus.

Aura des Verbrechens

Die Vorzüge einer Steueroase sind im Fußball nicht zu unterschätzen. Selbst dann noch, wenn Monaco, wie ab diesen Sommer gefordert, seinen Hauptsitz nach Frankreich verlegen muss und die französische Regierung Ernst macht mit der Absicht, alle Gehälter über einer Million Euro künftig mit 75 Prozent zu besteuern – abzugeben vom Arbeitgeber. Das zahlt dann also nicht Falcao, sondern Rybolowlew. Und der kann sich das ganz bestimmt leisten. Sein Vermögen wird auf 9,3 Milliarden Euro geschätzt.

Rybolowlew ist einer wie Roman Abramowitsch (FC Chelsea), wie Alischer Usmanow (FC Arsenal), Juri Korablin (SSC Venedig), Bulat Tschagajew (Xamax Neuchatel), Wladimir Antonow (FC Portsmouth) oder Suleiman Kerimow (Anschi Machatschkala), alle vom selben Schlag: Gewinner der großen Privatisierungswelle nach dem Zusammenbruch der UdSSR, die eine Aura von Gerissenheit, Maßlosigkeit und Verbrechen umgibt. Aber mit Rybolowlew kann es selbst Abramowitsch kaum aufnehmen. Er wurde 1966 in Perm im Ural geboren, studierte Medizin, war Rettungswagenarzt, verdiente sein erstes Geld mit einer Waggonladung Bier, ging nach Moskau, zockte erfolgreich an der Börse, gründete eine Privatbank, danach den Düngemittelkonzern Urakali, verkaufte das Konsortium Ende der Neunziger an Kerimow, stieg bei Zyperns größter Bank ein und vermehrt sein Geld mittlerweile über verschiedene Holdings.

Wirklich sichtbar aber ist er nicht. Ende der Neunziger saß Rybolowlew wegen des angeblichen Mordes an einem Permer Unternehmer im Gefängnis. Nach elf Monaten wurde er freigesprochen, weil der einzige Zeuge, ein Auftragsmörder, seinen Aussage widerrief. Kurz darauf verkaufte Rybolowlew Urakali. Seither hält er sich bedeckt.

Nur sein Geld taucht hin und wieder auf. Rybolowlews Gemäldesammlung wird auf 700 Millionen Euro geschätzt, er besitzt zwei Privatflugzeuge, eine 100-Millionen-Euro-Jacht, zahlreiche Luxus-Häuser. Er stiftet Geld für Kirchenrenovierungen, ist beteiligt am Bau des neuen Gstaader Kulturzentrums (Schweiz), er kaufte unlängst seiner Tochter für 88 Millionen Euro ein Appartement in New York und die griechische Insel Skorpio (117 Millionen Euro).

Mit den Investitionen in den AS Monaco sind die Tage im Hintergrund freilich gezählt, immer öfter sieht man Rybolowlew auf der Tribüne des Stade Louis II. Vor sich eine Mannschaft, die (noch) vom Italiener Claudio Ranieri trainiert wird. Nach der Sommerpause aber wird sie bestimmt von den bereits fixen Zugängen Ricardo Carvalho (34, Real Madrid, ablösefrei), James Rodríguez (21) und João Moutinho (26, beide FC Porto), der Kolumbianer 45 Millionen Euro teuer, der Portugiese Moutinho 25. Falcao aber ist sein Königserwerb. Noch. Alle drei Spieler hat Rybolowlew über nur einen Berater erworben, Jorge Mendes. Und der hat noch einen im Portfolio, der allerbestens zum neureichen Mega-Monaco-Projekt passen würde – Cristiano Ronaldo.

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