blz_logo12,9

DOSB: Und die Welt schaut zu

Schätzt Schenk: Thomas Bach.

Schätzt Schenk: Thomas Bach.

War das nun schon ein Sieg für die Befürworter von mehr demokratischer Kultur im deutschen Sport? Hans-Peter Krämer, bis zur Neuwahl amtierender Chef des Dachverbandes DOSB, teilte nach zweitägiger Klausur des Präsidiums mit: „Es gibt Namen, die kursieren, über die man ernsthaft nachdenkt, und Namen, über die man schmunzelt.“ Viel präziser wurde Krämer zwar nicht. Aber, immerhin: Die P-Frage, die nach dem Nachfolger für Thomas Bach, ist offen. Es darf gestritten werden, wer denn der beste Präsident wäre für die größte Personenvereinigung der Republik, wie sich der DOSB gern nennt. Gesucht wird laut Krämer „ein Multitalent“, das „für die Werte des Sports wie Antidoping-Kampf steht und Strömungen erfasst, auch Strukturen ändern will“.

Am 7. Dezember soll der neue DOSB-Präsident gewählt werden. Klärung soll bereits bis zum Monatsende erfolgen, wenn Verbände und Landessportbünde in München über die Olympiabewerbung 2022 beraten. Gibt es eine Findungskommission? Das spräche eher für einen externen Kandidaten wie Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier – für den Fall, dass der bei der Wahl am Sonntag sein Amt verliert. Dann liefe es wie 2006, als nur Bach antrat. Eine Personenwahl, um Programme ging es nicht.

#image1

Dagegen steht, dass sich mit Walter Schneeloch, dem Präsidenten des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen, schon einer aus der Deckung gewagt hat. Der DOSB-Vize für Breitensport justierte seine Bewerbung so: „Es wäre sicherlich ein ganz neues Signal an die ehrenamtlichen Mitglieder in unserem Verband.“

Andererseits: Der Neue soll eventuell nur für ein Jahr gewählt werden. Und danach? Doch Generaldirektor Michael Vesper? Der wich aus, will vorerst seinen Vertrag weiter erfüllen. Was schon jetzt die Frage aufwirft, welcher DOSB-Präsident es mit diesem obersten Angestellten aufnehmen könnte: Stets im Sinne Bachs moderierte Vesper Debatten weg. Seine neueste Sprachkreation gilt dem dräuenden Straftatbestand Sportbetrug: „Wir haben ja ein Antidoping-Gesetz“, formuliert Vesper nun. „Es heißt nur anders.“ Falls das nicht Rhetorik ist, sondern auch Überzeugung, wäre für Bachs Schattenwurf im DOSB gesorgt.

Der neue IOC-Präsident muss ja erst mal selbst mit einem Schatten fertig werden: mit der Plauderei des kuwaitischen Scheichs Ahmad Al-Sabah über Absprachen vor der Kür in Buenos Aires, an die sich dann auch Bach zu halten habe. „Keine Versprechen“ habe er gemacht, betont Bach jetzt bei jeder Gelegenheit. Es ist leicht, das zu behaupten – die Entwicklungshilfe-Millionen des IOC verwaltet und verteilt Al-Sabah. Nach welchen Kriterien? Man weiß es nicht. Das lässt Raum für Spekulation.

„Eine gute Wahl“

Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, was man Thomas Bach auf dem Olymp hierzulande so alles zutraut. Dieser Tage machte sogar das Gerücht die Runde, dass er Sylvia Schenk, die Sportbeauftragte von Transparency International (TI), als Beraterin einbinden wolle. Schenk sagt: „Davon habe ich noch nichts gehört.“

Die Rechtsanwältin befand gerade öffentlich, Bach sei „eine gute Wahl“. Auf Nachfrage verweist sie auf Bachs Interesse am TI-Anforderungskatalog für Olympiabewerbungen: „Was wir dazu in einer Arbeitsgruppe gemeinsam mit dem DOSB entwickelt haben, wäre schon ein Modell für Vorgaben des IOC an die Bewerberstädte.“

Misst man Bach an seinem Wahlmanifest, wäre Kooperation mit der globalen Good-Governance-Gemeinde die passende Übung. Als einziger Kandidat kündigte er Compliance-Reformen an. Ethische Standards, überwacht von einer Ethik-Kommission, die aus einer Ermittlungs- und einer Spruchkammer bestehen soll. Das würde das IOC dem Selbstreinigungsniveau von Sepp Blatters viel gescholtener Fifa näher bringen. Zuletzt blieben Korruptionsvorwürfe gegen Familienmitglieder wie den Gewichtheber-Boss Tamás Aján folgenlos.

Schenk kann „auch kein Programm fürs IOC aus dem Ärmel schütteln“, weiß aber um die Missstände: „Da müssten erst einmal Methoden entwickelt werden, wie man auf die Weltverbände, die ja unabhängige juristische Personen sind, einwirken kann. Für die Gelder vom IOC kann man sicher eine detaillierte Rechnungslegung verlangen. Transparenz bei Aufwandsentschädigungen für IOC- und Gremien-Mitglieder wäre ein weiterer Punkt.“ Sich bei Geschäftsreformen beraten und die Welt dabei zuschauen zu lassen, wäre neu für den Ringe-Konzern. Schenk ist sich auch nicht sicher, was Bach tun wird: „Will er wirklich was ändern, oder wollte er nur IOC-Präsident werden und laviert sich nun durch? Da bin ich erst mal optimistisch.“

Dass Thomas Bachs Ansagen eine solche Frage überhaupt zulassen, ist wohl tatsächlich eine gute Nachricht. Jedenfalls haben sie ihn der Argumente beraubt für ein Weiter-So im IOC.