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DOSB zur Olympiakandidatur: Schon wieder München

Menschen stellen in München die Olympischen Ringe mit Luftballons nach. Anlass war im Jahr 2010 die Ernennung von München als "Kandidaten-Stadt" für die Olympischen Winterspiele 2018.

Menschen stellen in München die Olympischen Ringe mit Luftballons nach. Anlass war im Jahr 2010 die Ernennung von München als "Kandidaten-Stadt" für die Olympischen Winterspiele 2018.

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dpa

München. Womöglich hat der große Manager in den vergangenen Monaten ein wenig Demut erlernt. Vielleicht ist aber auch alles reines wirtschaftliches Kalkül. Erstaunlich klingt es dennoch: Der Fußballmann Uli Hoeneß wirbt vor der Grundsatzentscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes für eine Münchner Winterspiel-Kandidatur. „Ich bin ein großer Freund von allen großen Sportereignissen. Und es würde unserem Land gut zu Gesicht stehen, eine Olympiade zu haben“, sagte der Präsident des FC Bayern München vor der Entscheidung der DOSB-Mitgliedsorganisationen am Montag in der bayerischen Landeshauptstadt.

Hoeneß gibt vor, es gehe ihm auch um Vielfalt. „Ich bin der Meinung, dass wir alle aufpassen müssen, dass sich der Sport in unserem Land nicht nur auf Fußball konzentriert, dass wir nicht so einseitig werden“, mahnte Hoeneß.

„Ich denke, der DOSB wird sich einer erneuten Bewerbung von München und den Partnergemeinden nicht verschließen“, sagt Interimspräsident Hans-Peter Krämer vor der Tagung. Laut Krämer, der nach der Wahl von Thomas Bach zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mindestens bis zum 7. Dezember die Geschicke des Verbandes leitet, soll auch die Nachfolgefrage beraten werden. Krämer: „Bis zur Präsidiumssitzung Ende Oktober möchte ich gern Klarheit.“

Bürgerentscheide folgen

München blickt mit seinen Partnern Garmisch-Partenkirchen, Schönau am Königssee und Ruhpolding „mit Zuversicht auf das Votum“, wie Oberbürgermeister Christian Ude sagte. Die „hochgelobte 2018-Bewerbung“, mit der München vor zwei Jahren bei der Abstimmung des IOC klar gegen das südkoreanische Pyeongchang verloren hatte, sei weiter „optimiert worden“, betonte der SPD-Politiker.

41 Tage vor den Bürgerentscheiden zu einer neuerlichen Winterspiel-Kampagne wäre ein klares DOSB-Bekenntnis ein sehr wichtiges Signal. Innerhalb der Mitgliedsverbände gibt es auch starke Kräfte, die irgendwann in der Zukunft eine Sommerspiel-Bewerbung bevorzugen würden. „Es müssen in den nächsten Wochen konzertierte Aktionen kommen“, hatte Alfons Hörmann, Chef des Skiverbandes, in der Süddeutschen Zeitung gefordert.

In den modifizierten Plänen für 2022 würde die Zahl der Wettkampf-orte von drei auf vier erweitert. Langläufer und Biathleten würden in neun Jahren in Ruhpolding um Medaillen kämpfen. „Jetzt können wir auf eine noch größere Zahl professioneller Sportstätten zurückgreifen, die sich bei internationalen Wettbewerben bestens bewährt haben“, erläutert Ude. „Mehr als 80 Prozent der vorgesehenen Sportflächen werden schon regelmäßig für Großveranstaltungen genutzt.“ Das sei „ein Zeichen in Sachen Nachhaltigkeit“. München war 1972 Schauplatz von Sommerspielen.

3,3 Milliarden Euro Kosten

Ein positives DOSB-Votum wird erwartet. Spannender könnte es am 10. November bei den Bürgerentscheiden an den vier geplanten Standorten werden, besonders in München. „Wir hoffen sehr, dass − die vorbereitenden Beschlüsse in den politischen Gremien vorausgesetzt − auch die Bürgerinnen und Bürger dem Konzept ihre Stimme geben“, erklärte Ude. Die Kosten werden in einer Konzeptstudie auf 3,3 Milliarden Euro beziffert. Die Stadt kündigte an, das Bewerbungsbudget von 29 Millionen Euro sei durch Absichtserklärungen der Wirtschaft schon in Höhe von zwölf Millionen Euro gedeckt. 1,5 Milliarden soll die Durchführung der Spiele kosten, 1,8 Milliarden Euro die Verbesserung der Infrastruktur.

Eine Bewerbung um die Winterspiele 2022 müsste bis zum 14. November beim IOC eingereicht werden. Offiziell Interesse angemeldet hat bislang Kasachstans Stadt Almaty. Als starker Gegner steht Oslo in den Startlöchern. Die IOC-Vollversammlung wird die Winterspiele 2022 am 31. Juli 2015 in Kuala Lumpur vergeben. (BLZ, mit dpa, sid)