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Eisbaeren

Eisbären Berlin brauchen den unbedingten Willen

Koloss des Anstoßes: Milan Jurcina (r.).

Koloss des Anstoßes: Milan Jurcina (r.).

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imago

Aus Kölner Sicht mag Milan Jurcina ein ziemlich übler Geselle sein. Der Berliner Abwehrkoloss sorgte beim Kölner 4:0 am Dienstagabend mit seinem Check schließlich dafür, dass Haie-Stürmer Jean-François Boucher mit dem Rettungsschlitten vom Eis transportiert und mit Verdacht auf schwere Gehirnerschütterung ins Krankenhaus musste. Auch musste das Eis mehrfach vom Blut gereinigt werden, weil Bouchard von Jurcinas Schlittschuh am Knöchel getroffen wurde.

Die Videos von dieser Szene lassen allerdings keine unmittelbare Absicht Jurcinas erkennen. Der Sportliche Leiter der Eisbären Stefan Ustorf, der selbst schon viele böse Erfahrungen mit gegnerischen Checks gemacht hat und deswegen ja auch seine Karriere beenden musste, sagt: „ Das ist natürlich sehr unglücklich. Aber ich sehe aber keinen gezielten Angriff zum Kopf.“ Vielmehr sei Bouchards Verletzung das Resultat eines unglücklichen Zusammenpralls mit jemandem, der 114 Kilo wiegt und über Einsneunzig groß ist. Bouchard ist zehn Zentimeter kleiner und wiegt 60 Pfund weniger.

Strafe für Berlin

Unstrittig ist auf jeden Fall, dass genau diese Szene eine erneute Wendung in dieser Playoff-Serie herbeiführte. „Wir haben Berlin für das Foul bestraft“, tönte Haie-Stürmer Philip Gogulla, der zwei Tore zum Kölner 4:0 beisteuerte, anschließend. Nach dem 1:5 in Berlin am vergangenen Sonntag haben die Kölner vielleicht genau diese Aktion gebraucht, um zusammenzufinden und die umkämpfte Serie zum 2:2 auszugleichen.

Schließlich erhielt Jurcina eine Spieldauerdisziplinarstrafe und am Mittwoch zusätzlich zwei Spiele Sperre. Die Eisbären kassierten in der fälligen Fünf-Minuten-Unterzahl auch zwei Gegentreffer. „Wenn du alleine im ersten Drittel neun Minuten in Unterzahl spielst, ist das zu viel“, sagte Cheftrainer Uwe Krupp. Das ganze Spiel sei man schließlich diesem Rückstand hinterhergelaufen.

Im Vergleich zur bisherigen Serie unterschied sich dieses vierte Spiel gerade auch deshalb, weil das Powerplay erstmals den großen Unterschied machte. Auch in den bisherigen drei Spielen ging es ordentlich zur Sache, saßen Spieler beider Mannschaften regelmäßig in der Kühlbox. Wegen der jeweiligen Ineffizienz gab es aber wenig Scheu, über das erlaubte Maß hinaus zu haken und stoßen. Nach den vier Gegentoren am Dienstag hat Krupp für das fünfte Spiel am Donnerstag (19.30 Uhr, Arena am Ostbahnhof) jetzt aber eine klare Ansage gemacht: „Wir müssen einen Weg finden, von der Strafbank wegzubleiben.“ Von den 95 Strafminuten in Köln gingen 61 auf das Konto der Berliner.

Waren die bisherigen Spiele in der Best-of-seven Serie vor allem auch dazu da, die Stärken und Schwächen des Gegner auszuloten, kann das Spiel am Donnerstag bereits vorentscheidenden Charakter haben. Wer hier gewinnt, hat einen Matchpuck, braucht also nur noch einen Sieg, um ins Halbfinale zu kommen. „Wir sind jetzt im Best-of-three angekommen“, sagt Verteidiger Jens Baxmann. Es sei deshalb wichtig, den unbedingten Willen zu zeigen, ins Halbfinale zu kommen. Natürlich ohne dabei die Nerven zu verlieren.