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Berliner Zeitung | Vor dem Heimspiel gegen Düsseldorf: Eisbären trotz Verletzungspech optimistisch fürs Verfolgerduell
22. January 2016
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Vor dem Heimspiel gegen Düsseldorf: Eisbären trotz Verletzungspech optimistisch fürs Verfolgerduell

Unauffällig, zuverlässig: Jens Baxmann.

Unauffällig, zuverlässig: Jens Baxmann.

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imago/Eibner

Wie schmerzhaft es für Bruno Gervais gewesen sein muss, als er sich am Sonntag in Mannheim das Kreuzbandriss riss, konnte der Fernsehzuschauer verfolgen. Stöhnend und fluchend scheiterte der Kanadier beim Versuch, nach dem verheerenden Zusammenprall alleine auf die Beine zu kommen.

Wie schmerzhaft dieser Ausfall für die Eisbären noch sein wird, wird sich herausstellen. Am Donnerstag jedenfalls, als zudem der Langzeitverletzte Frank Hördler (Handgelenk) sowie Henry Haase (fiebriger Infekt) beim Training fehlten, war die Riege der einsatztauglichen Abwehrleute recht überschaubar. Ein Risiko für den guten Lauf, den die Eisbären schon seit vielen Wochen haben, sieht Cheftrainer Uwe Krupp allerdings nicht. „Die restliche Mannschaft wird das auffangen.“

Ein Trainer muss das sagen, vor allem wenn es zwei Mal am Wochenende gegen die Düsseldorfer EG geht, die den Tabellenführern aus Berlin mit nur drei Punkten Rückstand hartnäckig folgt. Allerdings hat sich in dieser Saison schon mehrfach gezeigt, wie sehr sich die Abwehr unter Krupp weiterentwickelt hat. Wie viel Zuverlässigkeit in ihr steckt, auch wenn Verletzungen das eingespielte Korsett mal auseinanderreißen.

Unikum in Deutschland

Wenn am Freitagabend in der Arena am Ostbahnhof der erste Puck fällt (19:30 Uhr), werden mit Jonas Müller, 20, Henry Haase, 22, ? insofern er gesund ist ? sowie Kai Wissmann, 19, drei deutsche Verteidiger im Aufgebot stehen, die noch keine 23 Jahre alt sind. Und die alle bei den Eisbären ausgebildet wurden. „Das gibt es nirgendwo sonst in Deutschland“, lobt der Sportliche Leiter Stefan Ustorf. Aber was wichtiger ist: Sie sind kein Unsicherheitsfaktor, vielmehr sind sie Teil des Aufschwungs. „Sie machen alle eine sehr gute Entwicklung und stabilisieren sich zunehmend“, freut sich Krupp. Müller hat in dieser Saison kein Spiel verpasst.

Zweite wichtige Komponente der verbesserten Eisbären-Defensive ist die Erfahrung der Zugänge. Neben Gervais, 31, gilt das vor allem für Micki DuPont, 35, der mit zehn Toren und 17 Vorlagen aktuell der beste Abwehr-Scorer der Liga ist. Constantin Braun, 27, den die Verantwortlichen nach seinen langen Ausfällen der Vorjahre auch als Zugang werten, hat die offensiven Akzente nach wie vor drauf. Unter Krupp ist er aber ein noch besserer Torverhinderer geworden als früher.

Der vielleicht unauffälligste Abwehrcharakter ist Jens Baxmann, 30. Nur selten darf er sich als Torjäger feiern lassen. Auch ist er keiner wie Haase, der sich mit Freude auf die Körper der Gegner stürzt. Dafür überzeugt er mehr denn je mit seinem Stellungsspiel. In der Plus-Minus-Statistik, die für einen Feldspieler die Differenz von Toren und Gegentoren angibt, die gefallen sind, während er auf dem Eis war, steht nur Müller bei den Eisbären besser da. „Die Rollen in der Mannschaft sind klar aufgeteilt“, sagt Baxmann, „jeder weiß, was er zu tun hat.“

Das gilt besonders für Wissmann, der Gervais vertritt. Auf die Frage, ob noch eine Verstärkung nötig ist, sagt Krupp: „Wir haben doch Kai.“ Und das klingt nicht nach Zweckoptimismus. Sondern so, als ob den Eisbären in dieser Saison selbst ein Kreuzbandriss keine Sorgen bereiten kann.