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Was die Eisbären gegen die Kölner Haie besser machen müssen

Dumm gelaufen: Uwe Krupp.

Dumm gelaufen: Uwe Krupp.

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dpa/Jörg Carstensen

Im Wellblechpalast zu Hohenschönhausen ging es am Mittwochvormittag erstaunlich bedächtig zu. Auf dem Eis standen nur Cheftrainer Uwe Krupp sowie die Spieler, die beim 0:3 der Eisbären gegen die Kölner Haie am Abend vorher gar nicht oder nur wenig zum Zug gekommen sind. Sie schossen aufs Tor und passten sich schnell den Puck hin und her. Der Rest der Mannschaft schwitzte im Kraftraum auf dem Fahrrad.

Trotz der empfindlichen Heimpleite im ersten Playoff-Viertelfinalspiel ist man bei den Eisbären noch weit entfernt von Panikanfällen, die nicht selten in Aktionismus münden. „Der Unterschied war eigentlich nur, dass die Kapital aus ihren Chancen geschlagen haben und wir nicht“, analysierte Verteidiger Constantin Braun. Krupp sagte: „Ich war mit dem Spiel zufrieden, nur mit dem Ergebnis war ich nicht zufrieden.“ Um Spiele zu gewinnen, müsse man aber halt auch Tore schießen.

Beim zweiten Spiel dieser Best-of-Seven-Serie am Freitag in Köln (19.30 Uhr) dürfte genau das aber nicht gerade leichter werden als am Dienstag. Obwohl die Kölner gerade wegen ihrer Paradereihe um Center und Pre-Playoff-Topscorer Patrick Hager große offensive Qualitäten haben, war es kein klassischer Sturmlauf, mit dem sie die Eisbären knackten. Vielmehr offenbarten sie einen Matchplan, den man sonst vor allem vom Überraschungsteam der Hauptrunde, den Iserlohn Roosters, kennt: Höchste Disziplin in der Abwehr, um den Gegner dann mit Kontern regelrecht zu überfallen, wenn sich die Chance bietet. Mit diesem Stil hatten die Kölner in den Pre-Playoffs die Adler Mannheim ausgeschaltet.

Gefährlicher Druck

Wer nach dem etwas zurückhaltenden Auftritt vom Dienstag hofft, dass die Berliner schon im zweiten Spiel deutlich mehr Risiko gehen, um die Serie auszugleichen, dürfte enttäuscht werden. „Als Mannheim gegen Köln richtig Druck gemacht hat, wurden sie am meisten ausgekontert“, erklärt Krupp. Entscheidend wird deshalb sein, die Ruhe zu bewahren und in Führung zu gehen. „Dann müssen sie aufmachen“, weiß Braun. Chancen dazu waren schon im ersten Spiel da.

Bereits in der Hauptrunde taten sich die Berliner immer wieder schwer, die vorhandenen spielerischen Anlagen auch in Tore umzumünzen. Mit 152 Treffern lagen sie nach 52 Spielen nur auf Rang sieben der Torstatistik. Zudem zeigte sich eine große Abhängigkeit von der Reihe Darin Olver, Barry Tallackson und Marcel Noebels. Auch Kapitän André Rankel wusste mit 17 Toren zu überzeugen. In der Breite aber fehlte es an Durchschlagskraft. Um die neue Disziplin der Kölner unter Trainer Cory Clouston herauszufordern, wird es mehr Gefährlichkeit in der Breite brauchen. Zum Beispiel ein letztes Aufbegehren von T. J. Mulock, der nach der Saison ausgerechnet zu den Haien wechseln wird. Vor allem auch im Powerplay braucht es mehr Zug.

Dem Training heute kommt bei der Feinjustierung eine wichtige Bedeutung zu. „Wir müssen am Donnerstag einen guten Tag haben und am Freitag auf den Punkt da sein“, sagt Braun. Bei allen Erkenntnissen, die man in der Saison bereits gewinnen konnte, hat der Dienstag doch „einige Kleinigkeiten offenbart“ (Frank Hördler), wie Köln in den Playoffs so tickt. Seitdem Clouston von Niklas Sundblad übernommen hat, zeigen sich immer mehr die Potenziale des „besten Kaders in der Liga“ (Krupp).

Aber selbst bei der Vorbereitung haben die Haie wohl einen Vorteil. Nicht nur, weil Krupp bis zum Herbst 2014 dort an der Bande stand und man sich kennt. Dass sein Assistent Mark Mahon während dieser Saison zu den Haien als Sportdirektor wechselte, dürfte Köln ebenfalls nicht benachteiligen. „Für mich ist das keine Story“, sagt Krupp betont gelassen, „ich halte das für keinen Nachteil.“ Sollte die Wende in Köln nicht gelingen, könnte aber doch ziemlich schnell Alarmstimmung aufziehen.