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Eishockey: Winterspielchen

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Hoffentlich stellt niemand versehentlich die Rasenheizung an: Die Fußballeishockeystadionhalle in Nürnberg ist fast fertig.
Hoffentlich stellt niemand versehentlich die Rasenheizung an: Die Fußballeishockeystadionhalle in Nürnberg ist fast fertig.
Foto: dpa
Nürnberg –  

Das Freiluftspiel zwischen Ice Tigern und Eisbären soll Werbung für das deutsche Eishockey machen. 50.000 Zuschauer werden im Frankenstadion erwartet, dort, wo normalerweise der 1. FC Nürnberg Fußball spielt.

Ohne sein Handy, hat Lorenz Funk einmal in einem dieser Fragebögen einen Halbsatz vervollständigt, sei er nur schwer erreichbar. Das ist ein bisschen geflunkert, jedenfalls derzeit. Trotz Handy, müsste es nun heißen, ist der Manager der Nürnberg Ice Tigers nicht leicht an den Hörer zu bekommen.

Das ist allerdings nicht verwunderlich bei dem Stress, den Funk dem sogenannten Winter Game nach nordamerikanischem Vorbild zu verdanken hat, dem ersten Freiluftspiel in der Geschichte der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Die Ice Tigers empfangen den deutschen Meister Eisbären Berlin. 50.000 Zuschauer werden im Frankenstadion erwartet, dort, wo normalerweise der 1. FC Nürnberg Fußball spielt. Nun ist hier die Bühne bereitet für das bisher größte Eishockeyspektakel in Europa unter freiem Himmel, sagen die Veranstalter. Lorenz Funk spricht von einem „Traum“.

Brière darf heim

Abflug: Der verletzte NHL-Star Daniel Brière hat den Eisbären vorerst den Rücken gekehrt und ist nach Philadelphia abgereist. Ob der Kanadier noch einmal nach Berlin zurückkehren wird, ist offen und hängt vom Verlauf der NHL-Tarifverhandlungen ab. Manager Peter John Lee erklärte, dass die Eisbären für den Fall, dass der Lockout anhält, für Brière einen Rückflug für den 11. Januar gebucht haben.

Vor knapp zwei Jahren kamen in Helsinki 36.444 Zuschauer zu einem Freiluftspiel. Etwa halb so viele (18.700) werden als bisheriger DEL-Rekord geführt. Mehr Besucher als nun in Nürnberg gab es bei einem Eishockeyspiel in Deutschland nur bei der Weltmeisterschaft 2010 in der allerdings geschlossenen Schalker Arena. Beim 2:1 der deutschen Nationalmannschaft gegen die USA wurde mit 77.803 Zuschauern gar ein Weltrekord aufgestellt, der allerdings nur wenige Monate später bei einer Partie in Michigan in einem Footballstadion mit 104.173 Menschen überboten wurde.

Nicht ganz halb so viele werden es nun in Nürnberg sein, was dennoch eine beachtliche Zahl ist, wie Funk findet. Denn sonst kommen zu Spielen der Ice Tigers im Schnitt gut 4 000 Fans. Vor drei Jahren habe man die Idee entwickelt, „wir wollten etwas für das Eishockey in Nürnberg und Deutschland tun“, erzählt Funk. Von der Rekordkulisse erhofft er sich eine dauerhafte Wirkung. „So ein Spiel macht mehr Schlagzeilen als die ganze Saison“, sagt Funk, „wir versprechen uns, dass wir bei vielen Leuten, die noch nie beim Eishockey waren, Interesse wecken können.“

Ob das nachhaltig gelingt, ist allerdings fraglich. Die Weltmeisterschaft 2010 konnte keinen Boom auslösen. Aktuell ist das gut eine Million teure Projekt immerhin ein PR-Erfolg, der nebenbei die deutsche Bewerbung um die WM 2017 unterstützen soll.

Die Protagonisten sind jedenfalls begeistert. „Eine total geile Kulisse“, sagte Nürnbergs Stürmer Steven Rupprich nach der Begehung des Stadions, dessen Innenraum rund um die Eisfläche mit 15.000 Quadratmeter weißem Bodenbelag ausgelegt wurde. Für eine lückenlose Winteroptik trotz Regen, der aber in moderaten Mengen fallen und keine größeren Probleme bereiten soll. Berlins Kapitän André Rankel, schon 2010 in der Schalker Arena dabei, erwartet „wieder eine großartige Sache“. Sein Trainer Don Jackson sagt: „Es wird eine andere, großartige Atmosphäre sein.“ Und er freut sich besonders darüber, doch irgendwie zu den Wurzeln des Sports zurückzukehren: „Wir sind aufgewachsen, genau so Hockey zu spielen“, sagt der Kanadier.

Der DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke wünscht sich vom Winter Game „einen starken Impuls“ für das Eishockey hierzulande, trotz der nicht gerade ermutigenden WM-Erfahrung. „Man braucht Visionen, um einen Sport zu entwickeln“, sagt er, das Winter Game sei ein „wichtiges Signal für unseren Sport“. Weitere Werbespiele dieser Art sind erwünscht. In Nürnberg oder anderswo.

Lorenz Funk wird nach der Premiere zunächst auf einen „Fulltime-Job nebenbei“ zurückblicken und auf die vielen Arbeitsstunden für das Projekt, die sich gelohnt haben, wie er findet. Wie viele das waren? Funk sagt einen hübschen Satz: „Momentan bleibt keine Zeit, um die Stunden zu zählen.“ Zur Ruhe kommt er aber auch nach dem Winter Game vorerst nicht. Bereits am Sonntag erwartet die Ice Tigers der Alltag gegen die Adler Mannheim. In der Halle neben dem Stadion.

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