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Berliner Zeitung | Eklat beim Spiel des 1. FC Union: Berliner Polizei verbietet Israel-Fahne
27. April 2015
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Eklat beim Spiel des 1. FC Union: Berliner Polizei verbietet Israel-Fahne

Der Fanblock von Ingolstadt

Der Fanblock von Ingolstadt

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imago

Normalerweise gilt beim 1. FC Union Berlin: Keine Politik im Stadion! Und wenn Zuschauer mal eine Nationalfahne zeigen (was selten vorkommt) dann nur, um einen Spieler zu anzufeuern, der aus einem dieser Länder stammt.

Doch am vergangenen Sonntag wurde im Stadion An der Alten Försterei in Köpenick große Politik gemacht: Als Union zum Zweitligaspiel gegen den FC Ingolstadt antrat, mussten die Fans der Gästemannschaft eine Fahne Israels wieder einpacken. Mit der Flagge wollten sie ihren Spieler Almog Cohen unterstützen. Der 26-jährige Israeli saß auf der Ersatzbank.

Almog Cohen twitterte daraufhin: „Heute wurde die israelische Flagge beim Spiel gegen Union Berlin von einem lokalen Ordner entfernt. Er sagte: Keine Flaggen von Juden erlaubt.“

Was ist passiert?

Der Leiter des Polizeiabschnitts 63, der den Einsatz seiner Beamten rund um das Spiel führte, hatte die Anweisung aus Gründen der "Gefahrenabwehr" erlassen. Der Polizeioberrat war der Meinung, bei der Fahne handele es sich um eine politische Äußerung, die in einem Sportstadion nichts zu suchen habe. Es sei "Berliner Linie", dass bei sportlichen Großveranstaltungen politische Kundgebungen nicht zulässig seien, argumentierte er. Der Einsatzleiter befürchtete außerdem, dass die palästinensische Community in Berlin - die am Vortag eine umstrittene internationale Konferenz in der Stadt angehalten hatte - erzürnt sein könnte.

"Für uns war von Anfang an klar, dass es bei der Fahne nicht um ein politisches Statement ging sondern darum, den Spieler der Gästemannschaft zu unterstützen", sagt Union-Sprecher Christian Arbeit. "Aber wir würden uns mit unserem Hausrecht nie über eine polizeiliche Anweisung zur Gewahrenabwehr hinwegsetzen."

Laut Polizeiführung gibt es eine solche "Berliner Linie" in Bezug auf Großveranstaltungen, von der der Einsatzleiter sprach, nicht. Dieser Begriff wird nur angewandt, wenn es um die Räumung besetzter Häuser geht.

Polizeipräsident Klaus Kandt sagte am späten Montagvormittag: "Es ist Aufgabe der Polizei, die Meinungsfreiheit zu schützen. Die Aufforderung zum Einrollen der Flagge war eine Fehlentscheidung, für die ich die Betroffenen um Entschuldigung bitte."

Zuvor hatte bereits CDU-Innensenator Frank Henkel - der sich zur Zeit in Israel befindet - erklärt, er halte dies für die falsche Entscheidung. "Die Polizei wird das zügig auswerten."

Nicht das erste Mal

Das Verhalten von Berliner Polizisten sorgt nicht zum ersten Mal für Irritationen. Im Sommer 2014 skandierten Teilnehmer von Demonstrationen gegen den Gaza-Krieg antisemitische Parolen wie „Jude, Jude, feiges Schwein“. Dabei blieben die Beamten untätig.

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