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Europa-League: Ein Bugatti zum Geburtstag

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Kauft sich gern Zuneigung: Milliardär Suleiman Kerimow.
Kauft sich gern Zuneigung: Milliardär Suleiman Kerimow.
Foto: dpa

Hannovers Europa-League-Gegner Anschi Machatschkala wirft besonders grotesk mit Geld um sich. Nur Bonbons reichen eben nicht, um der kickenden Prominenz die höchst umstrittenene Region schmackhaft zu machen.

Die Geschichte wird im Zusammenhang mit diesem neureichen Emporkömmling wieder gern erzählt. Als Roberto Carlos seinen 38. Geburtstag feierte, stand plötzlich ein nagelneuer Bugatti vor der Tür. Stückpreis angeblich 1,8 Millionen Euro. Es sind neben absurden Gehältern solche abstrusen Geschenke, mit denen der Multimilliardär Suleiman Kerimow, seit zwei Jahren der Klubbesitzer von Anschi Machatschkala, sich die Zuneigung erhält. Nur Bonbons reichen eben nicht, um der kickenden Prominenz ein Engagement in einer höchst umstrittenen Region schmackhaft zu machen.

Das 1 500 Kilometer von Moskau entfernt gelegene Machatschkala ist die Hauptstadt von Dagestan, einer unruhigen, weil von heimtückischen Anschlägen heimgesuchten Teilrepublik am Kaspischen Meer. Es musste also schon ein bisschen Schmerzensgeld her, damit der einst weltbeste Linksverteidiger hier im vergangenen Sommer seine aktive Karriere offiziell beendete. Zuvor war der Brasilianer zweimal mit Bananen beworfen und rassistisch beleidigt worden – aber das ist im russischen Fußball noch eine andere Geschichte.

Bauchgrimmen nach der Auslosung

Machatschkala hat sich ziemlich souverän für die K.-o.-Phase der Europa League qualifiziert und ist Hannover 96 zugelost worden, was bei Klubpräsident Martin Kind sofort doppeltes Bauchgrimmen auslöste. Zum einen ist die Aufgabe sportlich schwierig, weil der Widerpart beispielsweise den Kameruner Samuel Eto’o (früher Inter Mailand), den Franzosen Lassana Diarra (zuvor Real Madrid) oder den Russen Juri Schirkow (einst FC Chelsea) für zweistellige Millionengehälter beschäftigt und in diesem Winter noch für 35 Millionen den Brasilianer Willian (von Schachtjor Donezk) geholt hat. Zum anderen steht dieser Gegner für alles, was ein konservativer Bewahrer wie Kind trotz seines Kampfes gegen die deutsche „50 plus 1“-Regel nicht will: für Großmannssucht und Irrationalität, für Korruption und Söldnertum.

Obwohl in der Kaukasus-Region in Sotschi bald Olympische Winterspiele stattfinden sollen, macht der internationale Fußball um Machatschkala auf Geheiß der Uefa einen Bogen: Anschi weicht auch heute (18 Uhr) ins Moskauer Luschniki-Stadion auf Kunstrasen aus. Und weil die meisten Stars ohnehin in den exklusiven Wohntürmen Moskaus beherbergt sind, findet praktischerweise auch das Training zumeist in der russischen Hauptstadt statt, ehe es dann per Charterflug zu den Heimspielen der Premjer League nach Machatschkala geht.

Hiddink lobt das Projekt

Erstaunlicherweise kann Trainer Guus Hiddink an diesen aberwitzigen Verhältnissen nichts Anrüchiges finden, was wohl daran liegt, dass er sich einst als russischer Nationaltrainer mit den eigenartigen Gepflogenheiten arrangiert hat und zudem fürstlich entlohnt wird. Der vor einem Jahr eingestellte Fußballlehrer-Kosmopolit rechtfertigt seine Anstellung so: „Ich hatte lange Gespräche mit Kerimow, bei denen klar wurde, dass es ein riesiges Projekt ist. Es geht nicht nur um kurzfristigen Erfolg. Der Verein will nachhaltig in Infrastruktur und die Entwicklung des Fußballs in der Region investieren.“

Das mag ja einerseits tatsächlich sein, andererseits werden seit geraumer Zeit in Osteuropa beträchtliche Mengen von Schwarzgeld über das Fußball-Business reingewaschen. Die 96-Profis haben naturgemäß auch von den Verdienstmöglichkeiten bei ihrem heutigen Gegner erfahren. Halb im Spaß, halb im Ernst hat Stürmer Jan Schlaudraff sich schon mal angeboten: „Wenn mir das jemand ermöglichen kann, soll er sich melden. Ich hätte auch nichts dagegen, 13 oder 14 Millionen zu verdienen.“ Und vielleicht gibt es sogar einen Bugatti zum Geburtstag.

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