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Berliner Zeitung | Europameisterschaft in Berlin: Schwimm-EM mit Fehlstart am Stadtrand
11. August 2014
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Europameisterschaft in Berlin: Schwimm-EM mit Fehlstart am Stadtrand

Das europäische Spitzentreffen im Schwimmen beginnt an diesem Mittwoch, 13.08.2014.

Das europäische Spitzentreffen im Schwimmen beginnt an diesem Mittwoch, 13.08.2014.

Foto:

Berliner Zeitung/Sabine Hecher

Irgendwie haben diese Europameisterschaften im Schwimmen schon eine olympische Dimension. Doch genau die macht das europäische Spitzentreffen in Berlin, das an diesem Mittwoch beginnt und zu dem knapp tausend Spitzensportler erwartet werden, gerade zum Spektakel.

Das Velodrom wurde schließlich 1992 vom französischen Architekten Dominique Perrault entworfen, weil Berlin sich um die Olympischen Sommerspiele 2000 beworben hat. Zwar scheiterte die Bewerbung eher kläglich und Berlin wurde nur Vierter hinter Sydney, Peking und Manchester. Doch hatte der Senat sicherheitshalber ein Vierteljahr vor der Entscheidung den 138 Millionen Euro teuren Bau beginnen lassen. Seither wurde dort oft geradelt und fanden etliche Konzerte statt.

Sibirische Fichte im Dunst

Zur Europameisterschaft aber wurde in der Halle ein 50-Meter-Becken mit den zehn Bahnen montiert. Dem liegen komplizierte Berechnungen zugrunde, schließlich soll die Schwimmwettkämpfe nicht die Halle für den wahren Bestimmungszweck ramponieren: Es gilt das Überleben der 250 Meter langen Holzbahn aus sibirischer Fichte abzusichern, die sich bei der EM um das Becken schmiegt und nicht auf ein Umfeld ausgelegt ist, bei dem jeden Tag bis zu 200 Liter Wasser verdunsten.

Eine risikofreie Variante hätte zur Verfügung gestanden. In unmittelbarer Nachbarschaft steht das Schwimmbad an der Landsberger Allee. Als die deutschen Schwimmer vor zwölf Jahren noch Weltklasse waren, feierte der Deutsche Schwimmverband (DSV) dort eine erfolgreiche EM. Offiziell zieht der Verband sich darauf zurück, dass die absurd anmutende Konstellation dem Umstand geschuldet ist, dass das größere Velodrom mit der Kulisse für 5000 Zuschauer viel besser geeignet sei als das eigentliche Schwimmbad. „Da hätte die EM unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden“, hat neulich der Generalsekretär des DSV, Jürgen Fornoff, formuliert.

Das ist natürlich absichtlich untertrieben. Schwimm-Europameisterschaften pflegen im allgemeinen Angebot größerer Sportwettkämpfe eher als Ladenhüter betrachtet zu werden. Die EM vor zwei Jahren sollte ursprünglich in Antwerpen stattfinden. Doch die Belgier bekamen das Geld nicht zusammen, und die EM wurde im Februar eilig an Debrecen in Ungarn weitergereicht. Dort schien man eher auf den Ausschluss der Öffentlichkeit eingestellt: Die Verhältnisse erinnerten nicht an ein großes Kontinentalspektakel.

Der Widerspruch zum Velodrom-Gigantismus stört im Moment niemanden in Berlin. Glücklich für den Schwimmverband fügt sich, dass die Stadt gerade vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) mehr oder weniger diskret in eine neue Olympiabewerbung getrieben wird. Da kommt eine Schwimm-EM, noch dazu eine in einem aufsehenerregenden Umfeld, nicht ungelegen. Schließlich muss der Senat sich gerade beim DOSB gegen den Mitbewerber aus Hamburg durchsetzen. Am 26. August soll über den Olympia-Konzept-Entwurf abgestimmt werden, am 31. August ist der ausgefüllte Fragebogen abzugeben.

Der DOSB müht sich um größtmögliche Neutralität. Sein Anführer Alfons Hörmann fliegt zu den Olympischen Jugendspielen in China statt zur EM nach Berlin, ist doch die deutsche Schwimmpräsidentin Christa Thiel noch bis Dezember seine DOSB-Vizepräsidentin. „In Deutschland ausgetragene Welt- und Europameisterschaften festigen den Ruf unseres Landes als Sportnation. Das hilft der internationalen Wahrnehmung Deutschlands im Sport und weit darüber hinaus“, sagt Hörmann. Eine werbliche Nutzung der EM sei nicht geplant, „da es aktuell noch keine Olympiabewerbung gibt und öffentlichkeitswirksame internationale Aktionen auch erst in der Candidate-City-Phase möglich wären, die noch ein ganzes Stück entfernt ist“.

Kosten höher als geplant

Allerdings würde es sich gut machen, wenn die EM zumindest keine Schreckensnachrichten nach sich zöge. Der Aufwand mit dem Becken im Fahrradstadion hat nämlich seinen Preis: Über den genauen Etat schweigen die Organisatoren lieber. Doch hat die Schwimmchefin Thiel sicherheitshalber schon „eine Rücklage gebildet“. Extrawünsche des Fernsehens, Sicherheitskosten und die Poolinstallation hätten dafür gesorgt, dass die Kosten „ein bisschen aus dem Rahmen laufen“. Sie sagt: „Ich bin hoffnungsfroh, dass wir da ordentlich rauskommen, ohne dass es den Verband killt.“

Übersicht über die Wettbewerbe:

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